Von Handtaschen und Topmodells

Gestern Abend habe ich einen schockierten Anruf meiner Mutter erhalten. Sie hatte Frontal 21 gesehen und auch leonie hat im Mädchenblog über die Darstellung einer Panne bei einem Weltraumspaziergang letzte Woche geschrieben. Da habe ich mich mal wieder in der Mediathek des ZDF umgesehen und bei Frontal 21 das gestrige Toll! entdeckt. Soll ja Satire sein, unter dem Motto: Man lernt ja nie aus. Da könnte ich z.B. lernen „Astronautinnen sind so doof wie Fußballer und hessische Landtagsabgeordnete“. Alle drei Gruppen sind unter einem gender-Aspekt der Betrachtung wert. Die Satire über den im All verschollenen Werkzeugkasten ist zumindest auch NASA-feindlich, aber dass der Verweis auf die Landung der Astronautin mit einem in einem Fenster „parkenden“ Auto illustriert werden muss, macht die ganze Satire kaputt und reduziert die Aussage auf ihr (ursprüngliches?) sexistisches Maß. Auch die Fußballer kommen nicht viel besser dabei weg. Thorsten Schäfer-Gümbels Schlagabtausch mit Roland Koch bewegt sich auf einem sehr merkwürdigen Niveau, ich habe noch nie viel davon gehalten, das Äußere von Politiker_innen zu sehr in den Fokus zu nehmen. Mal abgesehen von den Implikationen, derer sich die beiden Herren bedienen – Germany’s Next Topmodel, das ist was für Frauen und total oberflächlich – bleibt es mir verschlossen, warum am Ende noch mal Andrea Ypsilanti gezeigt werden muss, die lacht und nichts zu sagen hat. Auch weil auch ich nicht darauf verzichten kann zu denken: DEN Wettbewerb würde wohl eindeutig SIE für sich entscheiden – aber darum geht’s ja nicht.

Sind wir also zu Recht schockiert über Sexismus oder muss und soll Satire so sein? Satire soll den Finger in die Wunde legen und die Tendenz, Frauen vor allem und zuerst immer als Geschlechtswesen anzusehen, wird durch die Überspitzung hoffentlich auch kritisiert. Viel schlimmer fände ich einen solchen „Handtaschenbericht“ in nicht als Satire gekennzeichneten Programmabschnitten, und auch die soll es  wohl gegeben haben. Und trotzdem kann ich mich des Verdachtes nicht erwehren, dass einige in der  Frontal 21-Redaktion besonders an sexistischen Scherzen auf Kosten von Frauen ihren Spaß haben. Wenn solche Vorlieben ein Leitmedium prägen, na dann gute Nacht!

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2 Kommentare

  1. Spacebär said,

    26. November 2008 um 12:40

    Die Handtasche kann angeblich mit einem einfachen Feldstecher beobachtet werden (ist aber natürlich nur was für echte Männer). Die Termine können unter http://spaceweather.com abgerufen werden, da hat die Tasche nämlich schon einen eigenen Satelliten-Eintrag verpasst bekommen. In Berlin Kreuzberg sieht man Sie die nächsten Tage, in Heilbronn angeblich nicht, weil hier nur Lippenstift, Schminke, Puder, Hand-, Gesichts- und Sonnencreme sowie viele weitere sehr kleine Teile über das Firmament ziehen, die der Beobachter hierzuerden nicht erkennen kann.

  2. quietschie said,

    26. November 2008 um 17:46

    Wusste ich doch, dass es dazu gleich eine Expertenmeinung gibt. Hier ist die Aussicht eben besser, auch wenn die Sterne in Heilbronn öfter zu sehen sind. Komm doch nach Bärstadt, du Spacebär!


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