Schnipp Schnapp – Gerechtigkeit ab

Gestern habe ich mich vor allem über die Darstellung des Themas Lohndiskriminierung im ZDF aufgeregt, heute möchte ich noch ein paar eigene Gedanken anknüpfen, die auf zwei Vorträge im Rahmen der Gender Lecture an der HU im letzten Semester zurückgehen. Im Oktober hat Friederike Maier über Determinanten des Gender Pay Gap im internationalen Vergleich gesprochen. Dabei wurde deutlich, dass eine Vielzahl von Bedingungen auf die durchschnittlich geringe Bezahlung weiblicher Arbeitskraft hinwirkt und die meisten Erklärungsversuche für den Abbau ungerechter Strukturen wenig hilfreich sind. Als Fazit der Diskussion bleibt für mich die Forderung, traditionell Frauen zugewiesene Berufsfelder und gesellschaftliche Aktivitäten aufzuwerten und ihre Vergeschlechtlichung zu durchbrechen. Aber wie?

Vier Wochen später sprach Hermann Gartner über Tarif und Betrieb – Determinanten des Pay Gap im Handlungsbereich der Sozialpartner. Es ging leider nicht um Aushandlungsprozesse und Tarifgruppenzuordnungen in den Tarifverhandlungen, wie ich erwartet hatte. Dafür wurde sehr deutlich dargestellt, dass die Betriebsstruktur und das Vorhandensein bzw. Nicht-Vorhandensein von Tarifbindung und Betriebsräten das Ausmaß der Einkommensschere beeinflussen. Es besteht ein statistischer Zusammenhang, aber wie genau die Mechanismen wirken und wie daran anknüpfend gehandelt werden kann, ist leider nicht abzuleiten. Mir ist vielmehr deutlich geworden, dass selbst in tarifgebundenen Unternehmen mit Betriebsrat neben vielen anderen Faktoren ein ‚unerklärlicher‘ Rest  an Lohndiskriminierung bleibt. Außerdem ist es wichtig, dass diese Differenzierung nur für den Westen unserer schönen Republik hergestellt werden kann, wo zum Zeitpunkt der Erhebung 80% aller Beschäftigten in tarifgebundenen Betrieben tätig gewesen sind. Für den Osten fehlen entsprechende Untersuchungen, Tarifgebundenheit ist dort viel weniger verbreitet, aber dennoch die Einkommenschere kleiner. Das ist wirklich mal eine Forschungslücke!

Liebes ZDF, liebe Mona-Lisa-Redaktion! In allen vier Vorträgen der Reihe sind wichtige Punkte angesprochen worden und von allen sind im Netz Zusammenfassungen zu finden. Von einem ‚Frauenmagazin‘ erhoffe ich mir eine gewisse thematische Expertise, also auch die Kenntnis der Seite des Gender Kompetenz Zentrums.  Ein bisschen Recherche und der Wille tiefer zu blicken als Boulevardzeitungen – ist das wirklich zuviel verlangt? Wenn ja, dann gute Nacht, denkende Zuschauer_in!

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