Wir hatten die Wahl!

Die Kommunalwahlen in Heilbronn waren schon ein lustiges Spektakel. Drei Wochen vor der Wahl haben wir Post bekommen: die Stimmzettel zur Vorabansicht, damit wir in Ruhe zu Hause überlegen können, wie wir abstimmen wollen. Bei 40 Stimmen kann eine solche Vorbereitung nicht schaden und nicht jede hat die Möglichkeit, die Demowahl im Internet zu nutzen. Aber es waren wirklich die Original-Stimmzettel, die wir dann hinterher auch in der Wahlkabine benutzt haben. Da komme ich dann doch kurz ins Grübeln und denke an so hehre Werte wie geheime Wahl…

Im alten Stadtrat saßen 9 Frauen, Anlass genug auf der Liste meiner Wahl Stimmen nur an Frauen zu vergeben. Aber eine allein kann es nun mal nicht richten: jetzt gibt es nur noch 8 Stadträtinnen. Das sind gerade mal 20 Prozent Frauenanteil. Ganz schön mager. Aber immerhin habe ich kumuliert und so die Möglichkeiten genutzt, die dieses etwas abstruse Wahlverfahren mit 40 Stimmen bietet.

Die Heilbronner Stimme hat mich nicht nur über die Ergebnisse informiert, sondern auch in mehreren Beiträgen die komplizierten Regeln der Wahl erklärt. Aber auch die Parteien  haben in ihren Wahlwerbepublikationen Platz verschwendet, um den Ablauf der Wahl zu erklären, der sonst gut und gerne für politische Inhalte hätte genutzt werden können. Vielleicht ist das ja der tiefere Sinn hinter diesem Verfahren: mehr Zeilen, weniger Inhalt.

Die CDU hat mich besonders beeindruckt. Der Diplom-Volkswirt Dirk Reinecker (leider nicht gewählt) schreibt: „Als Vater von 2 Kindern bin ich stolz darauf, dass unsere Stadt als erste und bisher einzige Großstadt in ganz Deutschland die Kindergartengebühren auf Antrag der CDU abgeschafft hat.“ Jetzt frage ich mich, ist Heilbronn die einzige Großstadt ohne Kindergartengebühren? Oder doch nur die einzige, in der dieser Umstand auf einen CDU-Antrag zurückgeht?

Außerdem erfahre ich im Heilbronner Rathausbeobachter (Informationen der CDU-Stadtratsfraktion), dass Heilbronn die sicherste Großstadt in Baden-Würrtemberg ist. Der alte und neue Stadtrat Karl-Heinz Kübler (Kriminalhauptkommisar) ruft das Wahlvolk auf: „Um auch das Gefühl der sicheren Stadt zu erhöhen, müssen Erscheinungen wie mangelnde Sauberkeit, Konzentration von Problemgruppen, wilde Müllablagerungen oder Pöbeleien in der Stadtbahn vermieden werden.“ Ich bin sauber, kein Müll und Pöbeleien habe ich in Berlin genug. Bleibt nur die Frage, ob ich vielleicht zu einer der ominösen Problemgruppen gehöre?

All diese netten Aufklärungsmaßnahmen haben meine Wahlentscheidung ebenso beeinflusst wie die hässlichen FDP-Plakate, die die Wilhelmstraße seit Monaten ’schmücken‘. Zum Glück ist der Spuk jetzt erst mal vorbei, in fünf Jahren kumulieren und panaschieren wir dann wie die Profis. Profis werden hier auch für die Auszählung herangezogen. Am Montag waren deshalb diverse Ämter geschlossen, wie vorab in der Stimme angekündigt worden ist.

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