Bundesministerinnen-Bashing

Hier in Berlin bin ich zwar die ganze Zeit am Wirbeln, aber für ein paar politische Gedanken reicht es dann doch. Kaum hat das Kabinett ein wenig angefangen zu arbeiten, muss der Erste schon den erlauchten Kreis verlassen. Irgendwie peinlich. Aber daran hält sich kaum jemand auf. Es ist ja auch viel spannender zu schauen, wer auf welche Positionen rückt und zu bewerten, wie kompetent die Erwählten sind.

Mein erster Gedanke zu Kristina Köhler: blond und 32 – da fällt mir noch jemand anders ein,  der für den Job qualifiziert ist. Böse, böse. Aber es spiegelt die Enttäuschung, dass es zwar eine weitere Frau ins Kabinett schafft, aber warum? Weil ein Mann ‚versagt‘ hat und deshalb eine andere in ‚wichtigere‘ Bereiche aufrücken darf. Für Familie usw. kommt dann nur noch eine junge und möglichst attraktive Frau in Frage.

Das wäre nicht ganz so schlimm, wenn sie denn das richtige täte. Aber die Ankündigungen im zdf-Interview am Tag der Verkündigung haben mich einfach nur niedergeschmettert. Es klang ein bisschen nach: ‚Wer es sich leisten kann, dass eine Person die Kinder zu Hause betreut, sollte in diesem Lebensmodell unterstützt werden. Aber Familien, denen sowieso schon das Nötigste fehlt, sollten durchaus weiter stigmatisiert werden.‘ Was für eine perfide Doppelbödigkeit.

Aber das ist noch nicht alles. Eine der ’neuen‘ Ministerinnen ist eine ‚alte‘, die schon mal zurückgetreten ist: Sabine Leutheuser-Schnarrenberger. Im taz-Interview vom 22. November 2009 wird sie mehrfach auf diesen Umstand angesprochen. Auch noch mal ganz am Ende:

Werden Sie wieder zurücktreten, wenn Sie sich inhaltlich nicht durchsetzen können?

Ich bin jetzt gerade drei Wochen im Amt. Machen Sie sich mal keine Sorgen um meine Durchsetzungsfähigkeit.

Ich finde es toll, wie sie sich gegen diese impertinente Frage und die implizite Zuschreibung von Unfähigkeit,  die mit ihr einhergeht, zu Wehr setzt. Ich verstehe nicht, wieso immer wieder auf diese Vergangenheit (immerhin 13 Jahre her) verwiesen werden muss. Schließlich geht es um die Zukunft.

Und dann gibt es da noch die ‚Hohe Vertreterin für die Außen- und Sicherheitspolitik‘ Catherine Ashton, die seit heute im Amt ist. Das Bild zum taz-Artikel ist wahrlich herausgepickt, aber interessant, da hier beide Teile der neuen EU-Führung speziell daherkommen. Auf der Seite des Auswärtigen Amtes findet sich hingegen eine Aufnahme, die vor allem die Lady speziell in Szene setzt.

Gibt es keine vernünftigen Bilder von den beiden? Und auch von ihr? Durch diese Art der Präsentation werden neuen Ämter beschädigt und ins Lächerliche gezogen. Ich verstehe nicht so ganz, warum. Außerdem wird insgesamt deutlich, wie leicht es (auch für mich) ist, über Politikerinnen herzufallen, anstatt die Leute einfach ihre Arbeit machen zu lassen und diese dann zu kritisieren. Das ist wahrlich wichtiger als die Haarfarbe, olle Kamellen oder ein Lachen.

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