Von Ekel und Eros

Auch kürzere Fahrten können mich zu interessanten Ausstellungen führen.  So geschehen am letzten Freitag, da habe ich in Tübingen zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen: die Ausstellung KörperWissen – Erkenntnis zwischen Eros und Ekel im MUT besucht und den wirklich sehenswerten Weihnachtsmarkt erkundet.

Die archäologischen Sammlungen des Museums der Universität Tübingen befinden sich im Schloss Hohentübingen. Vor den geistigen Höhen habe ich also im Dauernieselregen zunächst einen ganz irdischen Berg erklommen und mir dann die Fundstücke der prähistorischen und klassischen Archäologie zu Gemüte geführt.

Erst in der Abgusssammlung geht es dann wirklich um Körper. Neben den Abgüssen berühmter Kunstwerke der griechisch-römischen Antike, die sich auch sonst in diesem Saal finden, stehen noch bis Ende Januar Exponate aus anderen Zeiten und Räumen, die sich mit dem Wissen über den Körper beschäftigen.

Ich finde, dies ist eine sehr gelungene Kombination, die die Körperzentriertheit verschiedener Kulturen aufzeigt und so auf die Vielfalt möglicher Körperverhältnisse verweist. Es ist keine große Schau und im Vergleich mit dem Hygiene-Museum in Dresden gibt es auch wenige ’neue‘ Erkenntnisse für mich.

Aber gerade in der Kürze und Überschaubarkeit liegt eine Stärke der Präsentation. Den einzelnen Gruppen von Exponaten ist eine kleine Tafel beigesellt, in der die einzelnen Aspekte kurz vorgestellt werden. Trotz der Kürze und des populären Umfeldes sind sie (fast) alle extrem gut gelungen und reflektieren wissenschaftliche Erkenntnisse in verständlicher und prägnanter Sprache. Eine Ausstellung, in der ich mich nicht ärgern musste und einige mythische Inspirationen entdecken konnte.

Im Anschluss bin ich noch kurz in die völkerkundliche Abteilung rübergehuscht. Auch sie ist klein, aber fein. Die Konzentration auf nicht-europäische Kulturen ist mir weniger negativ aufgestoßen als im Ethnologischen Museum in Dahlem, das mehr Platz hat und so den verschiedensten Kulturen breiten Raum bietet. Die ständige Ausstellung in Tübingen präsentiert nur einige sehr begrenzte Schlaglichter und keine umfassende ‚Weltreise‘. Besonders interessant fand ich den Raum zu den Shipibo, die Frauen sind wahre Künstlerinnen und die Lebensweise sehr interessant.

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