Frauen und Männer sind ja so unterschiedlich

Ich kann diese Leier nicht mehr hören. Und vor allem will ich nicht damit konfrontiert werden, wenn ich gerade auf einer ganz anderen Baustelle bin. Ich bin auf interessante Projekte im Bereich Coworking aufmerksam geworden und höre gerade den Küchenradio-podcast zum Thema. Also eigentlich geht es um kollaborative Formen des Arbeitens – spannend. Und  im Studio 70 in Berlin, wo das Küchenradio zu Besuch ist, wird außerdem gebaustelt.

Und schwupsi da haben wir den Salat. Irgendwann kommt die Sprache auf Altersdurchschnitt und Geschlecht der Aktiven. Am Tag der Aufnahme sind keine Frauen anwesend, aber Philip, der gerade interviewt wird, will die Werkstatt als offenen Raum verstanden wissen. Er spricht sich offen gegen Geschlechterstereotype aus und berichtet von einem unsäglichen Interview bei Fritz. Ich bin echt enttäuscht von der Art, wie dort Geschlechterstereotype nicht nur reproduziert, sondern auch forciert werden. Philips Kommentar dazu stimmt aber optimistisch, denn am wichtigsten ist es ja, dass die Leute, die es machen, kapieren, wo das Problem liegt:

Wer meint, es sei progressiv zu fragen „Ist das auch was für Mädchen?“, agiert aus einer konservativen Sicht, finde ich.

Konservativ finde ich ja noch milde ausgedrückt. Aber es sind genau solche Fragen, die erst die Vorstellung erwachsen lassen, Technik oder Basteln habe was mit Geschlecht zu tun. Und da komme ich dann zurück zum Küchenradio, dessen werter Vertreter nichts besseres zu tun hat, als genau die alten Stereotype hervorzuholen und noch mal hinauszuposaunen: Mädchen bzw. Frauen spielen eben nicht zwecklos rum, so wie Jungs bzw. Männer das mögen. Das sei seine Überzeugung.

Und Philip kann ihm zumindest in diesem Punkt nicht widersprechen. Ich aber schon. Und frage mich: Ist das alles so zweckfrei, was die Jungs da machen? Es ist idealistisch, Kunst und Experiment – aber Spielen stelle ich mir anders vor. Es geht ja gerade darum, dass hinten auch was raus kommt und das hat stets auch was mit dem ‚echten‘ Leben der Leute zu tun.

Ich habe den podcast zu Ende gehört und bin jetzt wenigstens wieder ein bisschen versöhnt, denn aus dem Hintergrund kommt dann doch Widerspruch. Schon die Kommunikation und die sozialen Räume seien männlich geprägt und insofern eher geeignet, Frauen auszuschließen. Es geht aber eben nicht nur um Frauen, sondern insgesamt darum, offen für Menschen zu sein, die keine Technik-Freaks sind. Diesen Eindruck habe ich vom Studio 70 und  wenn ich mal bausteln statt surfen oder putzen will, weiß ich jetzt, wo ich hingehe.

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4 Kommentare

  1. Vito said,

    20. Januar 2010 um 14:27

    In deinem Kommentar wiedersprichts du dir ja selbst, in dem du behauptest es müsse etwas hintenraus kommen. Ich glaube es geht oft tatsächlich „nur“ um das spielen. Und schwups gibt’s Gedankenabfall für das nächste Projekt oder oder oder.
    Zustimmung auch von mir, dass Räume eben oft auch von der Mehrheit gestaltet werden und damit schon per se gewisse Gruppen ausschließen. Sicher auch unbeabsichtigt.
    Mir kam der Gedanke beim KR hören, dass dort im Leitungsteam eine Frau fehlt. Denn somit würde die einseitige „Ausstattung“ der Räume (nicht nur Zimmer) vermieden werden können.

  2. quietschie said,

    20. Januar 2010 um 15:15

    Vito, ich widerspreche nicht mir selbst, sondern der Behauptung es sei nur spielen und der ‚Gedankenabfall‘ für das nächste Projekt quasi zufällig. Dieses Phänomen kennen wir doch alle, wenn ich mal was ziellos mache oder erzähle, habe ich immer die besten Ideen für aktuelle oder neue Projekte. Worum es mir eigentlich geht, ist es die Behauptung, die Tendenz zu ’spielen‘ sei irgendwie geschlechtsspezifisch, infragezustellen. Wir spielen alle dann und wann und das befruchtet uns.
    Und ich war auch ein wenig frustriert. Da denke ich an nichts böses und schon kommt sie wieder die Geschlechterkeule mit der alles erklärt werden kann. Und zwar nicht von den Leuten im Studio 70, sondern vom KR (und von Fritz!, da war ich besonders enttäuscht).
    Im übrigen glaube ich nicht, dass dem Studio 70 eine Frau fehlt, um Frauen zu motivieren. Wenn die Macher so sind, wie sie im KR klangen, reicht das schon vollkommen aus. Nicht die Optik macht es, sondern die Haltung. Wenn ich als Frau nicht schief angesehen, sondern ernst genommen werde, ist schon alles prima.

  3. Vito said,

    26. Januar 2010 um 15:38

    Na, ich habe das Gefühl, dass wir in etwa das gleiche meinen. Nur ich drücke mich eben „männlich“ aus. 😉

  4. quietschie said,

    26. Januar 2010 um 19:29

    Gut, dass wir uns einig sind. Aber das mit der ‚männlichen‘ Ausdrucksweise verstehe ich nicht so recht. Ich gebe zu, dass ich mich vielleicht absichtlich blöd anstelle, aber ‚männlich‘ kann für so viel stehen, was meinst du genau? Mal abgesehen davon, dass solche Zuweisungen doch stark nach Geschlechterstereotypen riechen. Und gegen die habe ich einfach prinzipiell was.


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