… oder vielleicht doch nicht? II

Da die Situation in Deutschland nun mal ist, wie sie ist, muss Kritik wohl von außen kommen. Zum Glück haben wir die EU und in Viviane Reding eine Kommissarin, die mal sagt, was Sache ist. Ihr Bereich – die Grundrechte – sind in diesem Fall nämlich tatsächlich betroffen. Auch wenn die Lohnungleichheit wiedermal als Hauptinteresse herhalten muss, ist mir das allemal lieber als die Familienidylle der Kristina Schröder. Nicht nur rechtliche, sondern tatsächliche Gleichstellung ist ein Grundrecht, das es zu erarbeiten gilt.

Aber der Blick zu diestandard.at zeigt auch, dass ich mir meinen Österreich-Neid getrost wieder abschminken kann. Das die Lohnschere dort noch größer ist, wusste ich auch schon vorher, aber das zeigt eben auch deutlich: auch wenn die entsprechenden Ministerinnen präsent sind und das Aufgabenfeld ‚Frauen‘ nicht als Anhängsel zur ‚Familie‘ verstehen, entsteht ein Gleichstellungsparadies noch lange nicht von selbst. Es bedarf einer gesamtgesellschaftlichen Anstrengung, damit Denken und vor allem Handeln verändert werden. Und da haben wir in Österreich wie in Deutschland noch einiges vor uns.

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5 Kommentare

  1. wo kann ich said,

    6. März 2010 um 19:18

    „Auch wenn die Lohnungleichheit wiedermal als Hauptinteresse herhalten muss, ist mir das allemal lieber als die Familienidylle der Kristina Schröder“ – du hast hier nen kleinen fehler 🙂

  2. 6. März 2010 um 22:54

    Sorry, du warst im Spam. Ich stehe auf dem Schlauch: was für’n Fehler?

  3. Ben said,

    7. März 2010 um 16:56

    Abgesehen von der geschlechtlichen Gleichstellungsfrage kannst Du Dir auch aus anderen Gründen den Neid auf Österreich abschminken: in deren politischem Klima und mit der starken FPÖ wollte ich echt nicht leben.

    Ansonsten hast Du recht – der Feminismus ist alles andere als überholt (auch wenn ich die begriffliche Beschränktheit des „Feminismus“ nicht mag und eher zu „gender mainstreaming“, Geschlechterdemokratie und ähnlichem tendiere). Aus meiner Sicht hat der Feminismus in Deutschland aber ein Kommunikationsproblem. Alles was vom Feminismus außerhalb der sehr interessierten und informierten Öffentlichkeit ankommt, ist eine völlig an der Realität vorbeiredende Alice Schwarzer. „Feminismus“ darf aber nicht länger ein negativ besetzter Kampfbegriff sein, sonst wird das mit der Gleichstellung nie was.

  4. 7. März 2010 um 17:35

    Ja natürlich, wirklich mit den Österreicher_innen tauschen will ich nicht, aber der Vergleich mit Einzelerscheinungen, die zumindest besser sind als in D, verdeutlicht noch mal, was hier alles falsch läuft. Und mein Neid bezog sich explizit auf die starke und profilierte Präsenz der Frauenministerinnen. Die Denkwerkstatt hat schöne Bilder von der Gedenkfeier für Johanna Dohnal gepostet und ich versuche mir ähnliches für eine deutsche Politikerin vorzustellen – ohne Erfolg.
    Zum Kommunikationsproblem: genau das ist es. Die Vielfalt und Offenheit von Feminismus wird einfach nicht wahrgenommen. ‚gender mainstreaming‘ wird außerhalb bestimmter Kreise überhaupt nicht verstanden und bezeichnet eine Praxis, eine Handlungsaufforderung (v.a. an die Verwaltung). Da ist Feminismus doch noch mal viel mehr. Geschlechterdemokratie ist für mich eines der Ziele von Feminismus, kann aber nicht die Bewegung bezeichnen, um die es mir geht. Ich bin schon so lange Feministin, dass ich mit dem Wort einfach keine Probleme habe, aber ich kann durchaus verstehen, dass das aus anderen Perspektiven nicht so sein muss. Deshalb werde ich in nächster Zeit mal darüber nachdenken, wie mein Erkenntnisprozess (vor gefühlt 16 oder mehr Jahren), dass ‚Feministin‘ keineswegs ein schlimmeres Schimpfwort ist als ‚Emanze‘, massenkompatibel verbreitet werden kann.

  5. Piratenweib said,

    5. Mai 2010 um 14:37

    Übrigens: Beim Vernetzungstreffen „FrauenImNet – Digitale Medien für Frauen“ wird Beate Hausbichler von dieStandard.at zu Gast sein, mit einem Vortrag über Feminismus und Journalismus im Netz.
    Genauere Infos gibt´s hier: http://www.frauenim.net/


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