Ein Feminist berichtet

Frank A. Schneiders Vortrag Die Diktatur des man in der Reihe Jenseits der Geschlechtergrenzen ist wirklich hörenswert. Im ersten Teil positioniert er sich ausführlich selbst und beschreibt ausführlich, wie er sich vom Sexisten zum Feministen entwickelt hat, interessant ist auch die Phase als Sympathisant, die zwischen beiden Extremen liegt und die Rolle persönlicher Beziehungen in diesem Zusammenhang. Seine Freundin, die Feministin ist, hat ihm ohne belehrenden Zeigefinger immer wieder in konkreten Situationen gezeigt, inwiefern sein Verhalten nicht in Ordnung ist und wie es auch anders geht. Später hat er selbst bemerkt, dass sein Versuch, geschlechtergerechte und nicht-diskriminierende Sprache auch mündlich zu verwenden, sich im direkten Kontakt auswirkt: in seiner Gegenwart wird diese Redeweise nach einer Weile übernommen. Leider ist dieser Einfluss zeitlich begrenzt, es bedarf beständigen Kontakts mit diesen Redeweisen, um den Effekt aufrecht zu erhalten. Dieser Bericht ist für mich sehr motivierend, denn so muss ich mir die Wirkungen in meinem Nahumfeld nicht mehr nur einbilden, sondern kann mehr darauf hoffen, dass der Kontakt mit mir und meinem kritischen Wesen, mein Umfeld positiv beeinflusst.

Spannend ist der Umgang Schneiders mit geschlechtergerechter Sprache und der Selbstbezeichnung Feminist. Er setzt sie zunächst aus einer ‚Punkhaltung’ heraus als Provokation ein. Seine Texte scheinen voller Binnen-Is zu stecken und er setzt sie bewusst als Störung des Textflusses ein. Dabei steht weniger die Lesbarkeit im Vordergrund als die auch sprachliche und ästhetische Markierung der gesellschaftlichen Verhältnisse. Bei der Formulierung von Texten ist die Lesbarkeit für mich zentraler, ich finde Binnen-Is auch nicht schön (wie er), deshalb setze ich andere Strategien ein, die vielleicht subtiler wirken, jedoch die Sichtbarkeit aller Geschlechter stärken und mir dabei helfen, präziser auszudrücken, um wen es gerade geht. Aber der provokative Einsatz der Selbstbezeichnung Feminist ist mir sehr sympathisch. Das zeigt nochmals das Potential, Widerspruch zu generieren und auf diese Weise zu produktiven Auseinandersetzungen zu kommen.

Wirklich entmutigend sind leider seine Berichte über die Möglichkeiten einen geschlechtergerechten Sprachgebrauch auch in den Medien zu positionieren. Selbst in linken Buch- und Zeitschriftenverlagen bereitet das massive Probleme, von den etablierten Verlagen mal ganz zu schweigen. Das ist nicht verwunderlich, denn es ist offensichtlich, wie selten von solchen Schreibweisen Gebrauch gemacht wird, aber es liegt nicht nur an den Autor_innen: auch wer eigentlich gerne würde, wird häufig ausgebremst. Schade.

Sammlung Bachorsky
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4 Kommentare

  1. 12. Mai 2010 um 11:44

    Er verwendet die Selbstbezeichnung „Feminist“ ja auch zutreffend wie es scheint, da er sich für Fraueninteressen einsetzt („Seine Freundin zeigt ihm, dass SEIN Verhalten nicht in Ordnung ist“).

  2. drei Hälften said,

    12. Mai 2010 um 12:37

    Kein Sexist sein, ist also ein Verhalten, dass allein im Interesse von Frauen ist? Zu seinen konkreten Aktivitäten am besten selbst hören und lesen, inwieweit da ‚Fraueninteressen‘ im Zentrum stehen, kann und will ich nicht beurteilen.

  3. 12. Mai 2010 um 14:24

    Es geht nicht um Sexist oder nicht Sexist, es geht darum, wessen Interessen er vertritt. Bei ihm scheinen es Fraueninteressen zu sein. Dann ist er in der Tat ein Feminist. Oder fordert er irgendwas für Männer bzw. beklagt einen Zustand der Männer betrifft?

  4. drei Hälften said,

    14. Mai 2010 um 12:49

    Sexistisches Verhalten ist das, wozu er sich äußert. Ob er was für Männer fordert, kann und will ich nicht beurteilen, ein so genaues Bild habe ich mir nicht gemacht. Ist auch nicht meine Aufgabe.


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