Überraschung!

Tolle Agenturmeldung: Ehen sind glücklicher, wenn der Mann sich an der Hausarbeit beteiligt. Ich bin wirklich überrascht, auf die Idee wäre ich von allein nie gekommen. Ok. Ironie aus. Ein Blick in die Kommentare bei diestandard zeigt aber, dass es wohl doch nötig ist, so was durch Studien zu belegen. Schlimm genug, dass bisher nur die Aktivitäten von Frauen im Zentrum standen, wenn Ursachen von Ehe(un)glück untersucht worden sind. Das Schöne ist doch, dass es nicht auf eine allein ankommt, sondern  wir unser Glück gemeinsam schaffen.

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7 Kommentare

  1. 19. Mai 2010 um 19:40

    Ich will dein Glück nicht verderben, aber der Satz in dem verlinkten Bereicht lautet:
    „Die glücklichsten Ehen waren demnach jene, in denen die Frau zu Hause blieb und sich der Mann möglichst umfangreich an der Hausarbeit beteiligte.“

    Am stabilsten waren die Ehen, in denen die Frau nicht arbeitete und der Mann zudem sehr viel im Haushalt half.

    Klingt auch nicht so richtig emanzipiert.

  2. Ben said,

    19. Mai 2010 um 20:09

    @allesevolution
    Ja, aber untersucht wurden Ehen aus den 70ern. Da war es üblich, dass Frauen zuhause bleiben. Dieser Aspekt hat deshalb keinerlei Erkenntniswert.

    @dreihaelften
    Ich halte diese Glückseeligkeitsquantifizierungen für bedenklich. Wer sagt denn, dass – sagen wir – im Wilhelminismus die Ehen nicht noch viel glücklicher waren, als beide Partner ein klar abgegrenztes Aufgabenfeld hatten? Glücksempfinden wird doch durch die gesellschaftichen Rahmenbedingungen (mit)bestimmt und hängt m. E. stark von gesellschaftlicher Akzeptanz ab.

  3. 19. Mai 2010 um 20:23

    @ben
    untersucht wurden Ehen, die in den 70ern ihr erstes Kind hatten. Aber heutige Ehen. Außerdem waren die Ehen in denen die Frau nicht arbeitete glücklicher als die, in denen die Frau arbeitete.
    Außerdem wurde so wie ich das sehe nicht das tatsächliche Glück bewertet, sondern nur die Scheidungsquote. Der hippe Playboy, der sich eine jüngere Frau zulegte kann evt. trotz Scheidung glücklicher gewesen sein als der Mann, der nach der Arbeit noch die Hausarbeit erledigt und sich nur nicht von seiner Frau trennt, weil er meint, dass er keine andere bekommt (wohingegen sie ihn nicht verläßt, weil er ja alles für sie tut und sie nebenher noch mit ihrem Tennislehrer schläft) (eine klischeehafte Übertreibung in beide Richtungen).

    Oder eine etwas bösartigere Interpretation: Die meisten Scheidungen werden von Frauen eingeleitet. Hat aber eine Frau ihren Mann so fest im Griff, dass sie nicht nur die Erwerbsarbeit, sondern auch noch einen Teil der Hausarbeit auf ihn verlagern kann, dann hat sie keinen Anlass zur Scheidung.

  4. drei Hälften said,

    19. Mai 2010 um 22:02

    @ allesevolution Die Gleichsetzung von ‚zu Hause bleiben‘ mit Nichtstun finde ich extrem problematisch. Die Frage ist ja, was ein nicht berufstätige Frau stattdessen so treibt. Die Idee, dass Hausarbeit das einzige und mit dem Aufwand einer Vollbeschäftigung vergleichbar sei, blendet sehr viel aus.

    @ ben
    Ja, was denn nun Glück ist, frage ich mich auch dabei. Vielleicht wäre ‚Stabilität‘ eine bessere Beschreibung. Da viele Ehen auch heute noch in dem Bestreben geschlossen werden, miteinander alt zu werden, ist das zumindest ein interessanter Indikator, wie eine solche Stabilität erreicht werden kann. Ich glaube deshalb aber nicht, dass es ausreicht, meinen Liebsten zum Kochen in die Küche zu schicken, während ich die Wäsche mache, um ‚glücklich und ewig verbunden‘ zu sein. Wichtiger ist, was in der Zeit passiert, die wirklich zusammen verbracht werden kann.

  5. 20. Mai 2010 um 12:32

    @dreihälften
    Deswegen schrieb ich ja von HausARBEIT. Allerdings ist die Hausarbeit wesentlich individueller als die Erwerbstätigkeit. Die eine Hausfrau wird pro Tag zweimal das gesamte Haus putzen und sich Gedanken über eine ausgewogene Ernährung machen, die Kinder bestmöglich betreuen und die Familienfinanzen verwalten. Die andere wird dem Fernseher die Erziehung übertragen und auf Fertiggerichte zurückgreifen.
    Ich denke die meisten Frauen werden ihre Arbeit sehr ordentlich machen. Aber es bleiben viele Unsicherheitsfaktoren, wenn man nur auf die Scheidungsquote abstellt. Oder hältst du die oben genannten Beispiele für Glück/Unglück trotz Festhaltens/Scheidung der Ehe für nicht möglich?

  6. drei Hälften said,

    20. Mai 2010 um 13:06

    @allesevolution
    Es ist eben nicht ‚ihre‘ Arbeit, sondern Reproduktionsarbeit, die geleistet werden muss, um sich am Leben zu halten. Solche Diskussionen über individuelle ‚Arbeitsleistung‘ finde ich in diesem Zusammenhang extrem unangebracht. Das suggeriert, alle Berufstätigen (in deinen Augen ‚Männer‘) seien gleich fleißig. Ich will niemandem böses unterstellen, so wie du es tust, aber daran zweifle ich doch gewaltig.

    Du unterstellst außerdem, beide Arbeitsbereiche seien ohne weiteres vergleichbar und alleiniger Ausdruck menschlicher Beschäftigung. Sie unterscheiden sich aber massiv voneinander, überschneiden sich zugleich und es gibt noch so viel jenseits dieser beiden Sphären, das für alle Menschen zugänglich sein sollte.

    Dass Glück und Stabilität einer Ehe nicht das gleich sind, ist doch wohl klar. Habe ich oben auch schon mit Ben geklärt. Deshalb wären weitere Untersuchungen interessant, die stärker differenzieren, welche Parameter mit der Langlebigkeit einer Ehe (die nicht ohne weiteres mit Glück gleichgesetzt werden sollte) einhergehen.

    Es ist auch falsch, auf ein kausales Verhältnis von geteilter Hausarbeit und Stabilität zu schließen, nur weil sie gemeinsam auftreten. Es kann genausogut andere Ursachen haben, wenn Ehen stabil sind und beide an der Hausarbeit beteiltigt sind. Ich habe da auch eine Idee (Achtung Hypothese): Ein Verhalten, das nicht gängigen Stereotypen entspricht, wie bspw. geteilte Hausarbeit, wird oft durch Aushandlung erreicht. Ehen, in denen geredet und ausgehandelt wird, sind stabiler, weil auf diese Weise auch Konflikte besser gelöst werden.

    Ich frage mich auch die ganze Zeit, was ‚Beteiligung‘ bedeutet. Ich kenne genug Familien (in der untersuchten Altergruppe), in denen es eine eindeutige Aufteilung zu Lasten der Ehefrau gibt, obwohl beide berufstätig sind, und in denen ein bisschen Mithilfe von männlicher Seite schon als ‚gleichwertig‘ angesehen wird.

  7. 20. Mai 2010 um 15:25

    @dreihälften
    bei der Erwerbsarbeit gibt es immerhin meist noch den Arbeitgeber, der Lohn zahlt und eine Gegenleistung möchte. Da ist eine gewisse Kontrolle vorhanden.
    Aber natürlich gibt es auch Arbeitnehmer oder Selbständige, die ihre Arbeit schlecht machen oder wenig tun.

    Ich denke mal, dass eine Teilung der Hausarbeit auch nur in solchen Bereichen möglich ist, wo die Zeit dafür vorhanden ist. Wer einen „Karrierejob“ mit einer 60 Stunden-Woche hat. Wird danach nicht mehr viel machen können.
    Ein positiver Aspekt wäre dann auch, dass man bei einer Teilung nach dem obigen Modell einfach mehr Zeit miteinander verbringt als bei dem Karrieremodell. Und mehr Verständnis füreinander aufbringt. Vielleicht liegt der längere Zusammenhalt bei Paaren, bei denen einer nicht berufstätig ist, auch daran, dass sie es sich leisten können, dass einer nicht arbeitet. Das Alleinversorgermodell wäre dennoch nicht mein Wunsch. Es macht eine der Personen zu abhängig.


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