Was Väter wollen

Antje Schrupp analysiert das Problem, das sich aus weiblicher Perspektive angesichts der Forderung nach automatischem Sorgerecht lediger Väter stellt, sehr treffend und umfassend. Dem ist nichts hinzuzufügen, außer dass der Umgang mit den Rechten und Pflichten von Vätern inzwischen reziprok zu sein scheint:

  • Sind sie gefragt, Verantwortung zu übernehmen, werden Regelungen, die vormals für uneheliche Kinder gegolten haben, auf eheliche übertragen (Unterhaltsrecht).
  • Wollen sie Rechte über das Kind erlangen, sollen Regelungen, die vormals nur für eheliche Kinder gegolten haben, auch auf uneheliche übertragen werden (Sorgerecht).

Auf diese Weise werden zwar die rechtlichen Bedingungen angeglichen, aber ist das wirklich im Interesse der Kinder? Und wo bleiben die Interessen der Mütter? Die sollten zumindest ebenso hoch eingeschätzt werden, wie die der Väter.

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7 Kommentare

  1. 3. August 2010 um 21:57

    Was sind wir Männer doch für merkwürdige Wesen, da wollen wir doch tatsächlich bei der Erziehung von uns abstammenden Kindern mitreden.

    Was für Regelungen sind denn im Unterhaltsrecht von unehelichen Kindern auf eheliche Kinder übertragen worden?

    Und inwiefern muss es schlecht für das Kind sein, wenn sich zwei Eltern um ein Kind sorgen dürfen? Warum sind die Interessen der Mutter nicht gewahrt, wenn sie die gleichen Rechte hat wie der Vater und nicht mehr mehr?

  2. drei Hälften said,

    4. August 2010 um 10:27

    Die Frage ist eben, ob Abstammung der entscheidende Zugang zur Sorgepflicht sein sollte. Ich für meinen Teil denke, dass nur soziale Elternschaft ein solches ‚Mitreden‘ rechtfertigt. Und darunter stelle ich mir mehr vor als Wochenendbesuche alle zwei Wochen.
    Den Link zum Unterhaltsrecht habe ich in den Post integriert. Und ich habe den Post geschrieben, ohne mich mit dem aktuellen Urteil auseinandergesetzt zu haben. Er bezieht sich also auf Leutheuser-Schnarrenbergers weitreichende Pläne, dem biologischen Vater automatisch ein Sorgerecht zu gewähren, gegen das die Mutter klagen kann, und nicht auf die Regelung, die das Bundesverfassungsgericht nun übergangsweise getroffen hat. Und ein solcher Automatismus birgt mE vor allem in bestimmten (hoffentlich) Ausnahmefällen riesige Probleme:
    – Kann es wirklich angehen, dass ein Vergewaltigungsopfer erst dagegen klagen muss, die Sorgepflicht nicht mit dem Täter zu teilen? Und damit auch gezwungen ist, die Tat zur Anzeige zu bringen, ob sie will oder nicht?
    – Wie vielen dieser Frauen wird dann wohl (un)berechtigt unterstellt werden, sie würden den Erzeuger falsch beschuldigen, um ihn aus der Sorge herauszuhalten?
    – Was macht das mit Opfern und falsch Beschuldigten? Wollen wir das wirklich?
    Ich hoffe ja, dass das keine Regelfälle sind, aber dennoch müssen auch solche Situationen vor einer gesetzlichen Regelung bedacht werden, denn auch wenn es für der Mehrheit keine Probleme macht, ist eine der wichtigsten Aufgaben der Politik in modernen Demokratien, Minderheiten zu schützen.

  3. 4. August 2010 um 11:23

    Es ist etwas unfair den Vätern, die vielleicht mehr von ihrem Kind sehen wollen, aber nur ein 14-tägiges Umgangsrecht zugesprochen bekommen, genau dies vorzuhalten. Außerdem behält derjenige, bei dem das Kind wohnt, ja eh die Entscheidung über die Fragen des alltäglichen Lebens.

    – Vergewaltigungsopfer: Das sind wie viel Prozent aller Fälle? Die meisten werden erst gar kein Kind bekommen. Deswegen die Rechte der Väter zu beschneiden ist etwas viel meine ich. Außerdem ist die Situation bei einer Vergewaltigung in der Ehe auch nicht anders. Sie muss zudem eh ein Umgangsrecht des Vaters hinnehmen. Ein Verfahren mehr ist da nicht der Hauptpunkt der Belastung.
    – Die Frage der Vergewaltigung muss letztendlich nicht durchgeprüft werden. Ein alleiniges Sorgerecht kann nach geltenden Recht schon dann zugesprochen werden, wenn die Eltern nicht mehr miteinander reden können. Das dürfte bei einem Vergewaltigungsvorwurf üblicherweise der Fall sein.
    – Opferschutz: Sicher nicht angenehm für sie. Aber das entwertet nicht die Position der Väter ohne Vergewaltigung. Letztendlich hätte zudem ein Vergewaltiger, der das Recht nicht unkompliziert abgeben will auch selbst das Recht zu klagen. Die Prüfung ist dann genau die gleiche.
    Falsch Beschuldigte: Interessant, dass hier mal von Frauenseite das Argument kommt, dass Frauen dann um ihre Interessen durchzusetzen eine Falschbeschuldigung vornehmen würden, und dies in so großer Zahl, dass der Schutz der Falschbeschuldigten wichtiger ist als die Rechte des Vaters.

  4. drei Hälften said,

    4. August 2010 um 12:09

    Wie soziale Elternschaft ermöglicht werden kann, habe ich nicht diskutiert. Wenn ich jetzt mal ähnlich schlecht von Vätern denke, wie es in diesem Zusammenhang oft von Müttern getan wird: Es gibt genug Erzeuger, die weder zahlen noch anderweitig für das Kind sorgen, aber die Vorstellung, mitbestimmen zu dürfen, ganz nett finden.
    Und es geht eben genau darum, nicht quantitativ, sondern qualitativ zu bewerten: wen kostet eine automatisierte Sorgepflicht nicht verheirateter Väter mehr? Und ’nicht angenehm‘ ist wohl die Untertreibung des Jahres!!!
    Wir können nicht wissen, wie die gesetzliche Regelung konkret aussehen wird und wie die Gerichte entscheiden werden, insofern halte ich es für entscheidend, auf mögliche Probleme hinzuweisen. Mehr habe ich nicht getan.
    Und zur Falschbeschuldigung: die hat es in den Kommentar geschafft, weil ich davon ausgegangen bin, dass sie auf jeden Fall als Möglichkeit angesehen würde, wie ein Erzeuger am einfachsten loszuwerden sei. Mit welchen Folgen diese Vorannahme für Überlebende verbunden ist, lässt du dabei vollkommen aus dem Blick.

  5. 5. August 2010 um 17:00

    @drei hälften

    Warum eigentlich nicht darüber reden wie man eine soziale Elternschaft auch für Männer ermöglicht?
    Und könnte es nicht auch einer der Gründe sein, dass sie keine Verbindung zu dem Kind haben, dass sie für dieses nicht zahlen wollen?

    Wer keine Rechte hat hat auch kein Interesse. Übertrage deine Argumentation mal auf die Zeit als der Mann bestimmen durfte ob die Frau arbeiten geht.

    Ich frage aber nochmal: Wie hoch ist der Anzahl der Kinder die aufgrund einer Vergewaltigung geboren werden? Ich schätze unter 1%. Dafür die restlichen 99% der Väter in ihren Rechten zu beschneiden ist einfach falsch.

    Ist es wirklich schon so weit, dass die Bezeichnung „Überlebende“ für eine vergewaltigte Frau in Deutschland verwendet wird? Die Todesrate bei Vergewaltigungen ist nicht so hoch um das objektiv zu rechtfertigen und gerade da im Feminismus peinlich darauf geachtet wird Vergewaltigung nicht im allgemeinen Sprachgebrauch entwerten zu lassen sollte man doch auch darauf achten Tötungsdelikte nicht zu entwerten. Warum also diese Bezeichnung?

  6. drei Hälften said,

    5. August 2010 um 17:53

    Ich wiederhole mich nur ungern, aber deine quantitative Argumentation finde ich absolut unpassend. Ich habe keine statistischen Daten dazu und werde mir auch nicht die Mühe machen, sie zu suchen, denn wenn wir so erst mal anfangen, dann ist irgendwann klar, dass Minderheiten und Benachteiligte eh nicht wichtig genug sind, um ihre Interessen zu vertreten. Sorry, da mache ich nicht mit. Es geht gerade nicht darum, abzuwägen, ob einige krass Betroffene wichtiger sind, als viele geringer Betroffene, sondern darum, eine Lösung zu finden, die sich nicht nur an sogenannten ‚Normal‘-Biographien und -Geschichten orientiert. Darauf wollte ich ein bisschen konkret hinweisen, ohne dass ich denke, dass mit den benannten Fällen das Ende der Fahnenstange erreicht ist.

    Ich habe keine Ahnung, was ‚man‘ in Deutschland so sagt, dies ist mein Blog und sehe eigentlich nicht ein, warum ich meinen Sprachgebrauch hier rechtfertigen soll. Indem ich betone, dass etwas nicht passiert ist, entwerte ich aber keinesfalls Fälle, in denen etwas passiert ist. Immer nur von Opfern zu sprechen, drängt die Betroffenen in eine extrem passive Rolle – nicht gerade besonders freundlich, denke ich.

  7. 5. August 2010 um 18:36

    Es ist eben eine Frage, was man als „gering betroffen“ ansieht. Würdest du es als einschneidend empfinden keine Einflussmöglichkeit auf die Erziehung deines Kindes nehmen zu können, sondern in diesem Punkt komplett von deinem Partner abhängig zu sein? Ich sehe da keine „geringe betroffenheit“. Aber gut, es kommt eh wie es kommt.

    Natürlich musst du dich nicht rechtfertigen. Aber mich würde einfach interessieren, warum du die Bezeichnung wählst. „Opfer“ finde ich persönlich nicht weniger passiv als „Überlebender“ und das zweite ist einfach eine falsche Bezeichnung, da es jemanden beschreibt, der in Todesgefahr war, was auf die meisten Vergewaltigungsopfer nicht zutrifft. ist es einfach eine Übernahme aus dem englischen oder gibt es für dich besondere Gründe dieses Wort für angemessen zu halten?


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