Danke Missy!

Diese Woche habe ich die dradio Wissen Redaktionskonferenz vom 24.9.2010 mit Chris Köver von Missy als podcast gehört. Da hat sie viel erzählt, was für mich als treue Leserin wenig überraschend oder neu war. Aber geschenkt, denn ein Leseerlebnis der letzten Tage hat mir wieder deutlich vor Augen geführt, wie nötig ein solches Magazin noch immer ist und wie froh ich sein kann, solchen Schund einfach links liegen lassen zu können. Bezahlt habe ich für die zwei Ausgaben von life&style weekly nicht, die ich in der letzten Woche gelesen habe, denn sie waren in so Umsonst-Tütchen drin, die zum Semesterstart gern in Mensen verteilt werden. Neben Red Bull und Kopiergutscheinen also auch bisschen leichte Lektüre für die schlauen Köpfe. Sehr clever. Ich habe sie also mitgenommen, um mich mal so richtig schön aufzuregen. Habe ich auch getan und will jetzt nicht groß analysieren, sondern nur notieren, was mir als rosa Elefanten ins Auge gesprungen ist.

Das Heft besteht zum Großteil aus privaten Berichten über ‚unsere‘ Stars (meist Weiße aus den USA), auf einer unangenehm persönlichen und vertrauten Ebene. Für mich sind das Fremde, so viel wollte ich gar nicht wissen. Aber am schärfsten: sie enthalten etliche  gruselige Botschaften und Erwartungen, wie die Leserinnen (diese Zielgruppe wird spätestens im Horoskop ganz deutlich) und damit Frauen sind bzw. sein sollten:

  • Schlanksein als Lebensziel.
  • Deshalb ist Sport ein Muss, aber die Klamotten, die eine dabei trägt, sind hässlich.
  • Drogen machen kaputt, Mütter, die rauchen gehören an den Pranger.
    Da ist schon was dran, aber hier werden Drogen als Probleme der Frauen dargestellt und Väter, die rauchen, nicht denunziert. Außerdem wird pauschal behauptet, dass die Mütter es auf eine Weise tun, die ihre Kinder schädigt.
  • Gepflegt sein, sonst rennt der Partner davon.
  • ‚Irgendwie merken sie (die Partnerin und die Kinder), dass etwas nicht stimmt‘, wenn der Partner Krebs hat.
    Krasser könnten Frau und Kinder nicht infantilisiert werden. Keine_r von ihnen wird es nur ‚irgendwie‘ merken, dass der Vater und Ehemann eine wirklich gefährliche Krankheit hat. (Es wird darauf verwiesen, dass er stark geraucht hat. Aber eine Gefahr stellt das wohl nur für ihn selbst dar…).
  • Stets witzig, natürlich und eine aufopfernde Mutter sein, sonst ist der Ehemann enttäuscht.
  • Das größte Problem ist aber wohl Sex. Welch ein Skandal, wenn sie ihren Partner mit einer Frau betrügt oder auf SM steht oder er sie bei der Selbstbefriedigung erwischt.

Willkommen in einer wunderbar heteronormativen Welt, in der alles seinen Platz hat, oder ihn zugewiesen bekommt. Ich kann gar nicht so viel essen, wie ich kotzen möchte. Eines leistet mein Ausflug in die untersten Etagen der Unterhaltung hervorragend: einmal alle potentiellen Defizite, die ich oder die Menschen in meiner Umgebung haben könnten, aufreihen und so richtig schön den Tag versauen.

Diese Blättchen fliegen in hohem Bogen in den Müll und ich freue mich wie wild auf die neue Missy (kommt am 15. November raus). Denn sie liefert schon auf der ersten Seite mehr Input und ich werde sie ganz bestimmt mit dem guten Gefühl schließen, wie toll ich doch bin. Außerdem werde ich von fantastische andere Menschen erfahren haben, die ich noch gar nicht kannte, und mich im Zug bei der Lektüre unglaublich wohl fühlen. Deshalb Danke Missy!

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