Schaut mal … Medvedev unterstützt Studierende

Die schlechte wirtschaftliche Lage vieler Studierender in Russland ist jetzt auch dem Präsidenten zu Ohren gekommen. Am Anfang seiner Videobotschaft bedankt er sich für die Kommentare auf seinem blog und erweckt so den Eindruck, er sei dort auf die Misere der Studierenden aufmerksam geworden. Zur Lösung der finanziellen Schwierigkeiten bietet er  zinsgünstige Kredite und die Möglichkeit von kostenpflichtigen auf vom Staat zur Verfügung gestellte Studienplätze zu wechseln. Diese Maßnahmen sind an einen ’normalen‘ Studienerfolg gebunden, also leistungsorientiert. Außerdem schlägt er vor, die Höhe der Studiengebühren zu Beginn der Ausbildungsperiode in Rubel zu fixieren, so dass sie sich  während dieser Zeit nicht durch Kursschwankungen verändern. Medvedev will die Kontrolle der Qualität der höheren Bildungsanstalten verstärken und die Hochschulen bei der Beseitigung etwaiger Unzulänglichkeiten unterstützen.

Ich finde es sehr interessant, dass ausgerechnet dieses Thema so schnell in den Videobotschaften thematisiert wird. Einerseits entspricht das sicherlich dem Interesse des Publikums – viele Studierende sind sicher auch internetaffin. Andererseits macht mir diese Zuwendung auch ein wenig Sorgen. Denn, wenn der Präsident diese Frage so ins Zentrum stellt, frage ich mich, wie schlecht es vielen Studierenden wohlmöglich tatsächlich geht. Medvedev erwartet sicherlich positive Reakionen auf seine Vorschläge. Also lenkt er entweder von den wirklich großen Problemen ab oder er hat die drängenden Schwierigkeiten seines Internetpublikums erkannt und will diese Zielgruppe zufriedenstellen. In jedem Fall sieht es weder für die russische Wirtschaft noch für die Studienden in Russland rosig aus.

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Studis mit kirchlichem Segen

Ich bin immer wieder fasziniert, dass es in Russland für wirklich fast jede Berufsgruppe einen Feiertag gibt. Am letzten Wochenende sind die Studierenden dran gewesen. Am 25. Januar ist traditionell Татьянин день – der Tag der Schutzheiligen der Studierenden und PädagogInnen Tatjana. Ich bin sehr beruhigt, dass wir unsere eigene Heilige haben. Vor 254 Jahren hat Ekaterina II. an diesem Tag das Dekret über die Gründung der Moskauer Universität unterschrieben. In diesem Jahr ist er wegen der Überschneidung mit einem Kirchentermin einen Tag vorverlegt worden, so dass die Studierenden sowohl am Samstag als auch am Sonntag gefeiert haben: einmal offiziell und einmal der Tradition entsprechend. Bei svobodanews.ru gibt es eine interessante Reportage, in der nicht nur die Feierlichkeiten, sondern auch die wirtschaftliche Lage der Studierenden diskutiert wird. Die Wirtschaftskrise hat Russland besonders im Griff und auch in Moskau ist das wohl auch zu spüren: viele Studierde müssen arbeiten und es wird immer schwerer, Stellen zu finden, die sich mit einem Studium vereinbaren lassen. Das erinnert mich an die vielen Studentinnen, die in der ‚Nachmittags-Schicht‘ studieren und tagsüber einen normalen Job haben. Liebe Grüße an Katja!

Schaut mal … Medvedevs Videoblog

Bei svobodanews bin ich auf ein interessante Möglichkeit gestoßen, das Hörverstehen zu trainieren: den Videoblog des Präsidenten der Russischen Förderation. In seinem neuesten Beitrag spricht Medvedev über seinen Skiurlaub und fordert dazu auf, mehr Sport zu treiben und sich so zu erholen. Von 2:20 bis 3:20 min sind ein paar Bilder vom Skifahren und  von ‚Fans‘ zu sehen, denen der Präsident Autogramme gibt. Danach erklärt er, dass seit Jahresbeginn Kommentare hinterlassen werden können und er sie interessiert lesen wird.

Schaut mal … Akunin und Chodorkovskij

Schon etwas länger ist es her, dass ich bei аеродром.ная ein Spiegel-Interview mit Boris Akunin über seinen Briefwechsel mit Michail Chodorkovskij gefunden habe. Der Spiegel hat außerdem schon Anfang Oktober über die verschärften Haftbedingungen Chodorkovskijs nach der Veröffentlichung des Briefwechsels berichtet. Da es kein Problem ist, ihn im Netz zu finden, habe ich mir diesen interessanten Dialog einmal angesehen. Akunin lässt Chodorkovskij zunächst seine Geschichte erzählen, im zweiten Teil diskutieren die beiden die aktuelle politische Lage. Sehr lesenswert! Vielleicht fasst der Spiegel sich ein Herz und veröffentlicht auch das, worüber die ganze Zeit geredet wird?

Lektion II: Auch chinesisch will gelernt sein

Vor einiger Zeit hat sich das ZDF mit einer fehlerhaften Übersetzung eines auf russisch beschrifteten Schildes in Finnland ziemlich blamiert. Hat wohl aber außer mir kaum jemand mitbekommen. Darauf kann die Max-Planck-Gesellschaft nun nicht hoffen. Die taz berichtet über einen peinlichen Vorfall: Die letzten Ausgabe ihrer Wissenschaftszeitung trägt auf dem Cover chinesische Schriftzeichen, deren Übersetzung wohl Interpretationssache ist. Eine promovierte Sinologin bewertet sie als Literatur, einige Muttersprachler_innen, die auf die Versendung über den Mailverteiler reagiert haben, sehen das ganz anders. Aufgrund der sexuellen Anspielungen, die der fragmentarische Text enthält, ist das Cover geändert worden. Diese Reaktion zeigt, dass es aufmerksame Zeitgenoss_innen gibt, die zumindest bei wichtigen Publikationen Protest initiieren können.

Aber was ist mit den Massenmedien, denn hier werden die Bilder in unseren Köpfen zuallererst geformt. Ein kritischer Blick auf Übersetzungen aus ‚fremden‘ Sprachen scheint unabhängig von der Reputation bei allen medialen Produkten angebracht. Problematisch bleibt, dass bei dieser kritischen Haltung der gesunde Menschenverstand nicht ausreicht, die richtigen Sprachkenntnisse müssen her, sonst müssen wir uns auf offenbar schlecht abgesicherte Übertragungen verlassen – und sind verlassen.

Lektion I: Finnenrussisch

Vor einiger Zeit habe ich bei heute in Europa im ZDF meinen Ohren nicht getraut. Am 14. November wurde berichtet, dass in Finnland immer mehr Grundstücke Russ_innen gehören. Das war das Thema, aber noch nicht der Skandal. Am Beginn des Berichts war folgendes Bild zu sehen:

Feuer machen verboten.

(Quelle: Screenshot ZDF Mediathek)

Der Kommentar dazu lautete: »Betreten verboten, Privatbesitz steht auf dem Schild, auf russisch.« Da steht aber: Feuer machen verboten.  Einen kurzen Moment dachte ich, ich hätte ich mich geirrt. Dann war ich mir dafür um so sicherer und echt schockiert. Ist das Unfähigkeit? Oder Ignoranz? Wie schwer kann es sein, das richtig zu übersetzen? Also bleibt für mich nur ein Schluss: in einem Bericht in öffentlich-rechtlichen Nachrichten, die die Situation in verschiedenen europäischen Ländern beleuchten sollen, ist es nicht so wichtig, Text aus einer europäischen Sprache richtig zu übertragen. Jetzt frage ich mich, ob ich den in Nachrichten angebotenen Übersetzungen überhaupt noch trauen will. Bei diesem Beispiel kann ich die ‚exotische‘ (so exotisch finde ich es ja nicht) Sprache zufälligerweise – und da bin ich unter den Zuschauer_innen auch bestimmt nicht die einzige. Aber was, wenn das türkisch oder chinesisch wäre? Ich würde der Stimme aus dem Hintergrund vertrauen und wäre verloren.

In diesem Zusammenhang ärgert es mich besonders, dass der Beitrag in die Richtung: ‚Hilfe, die Russen kommen!‘ gehalten war und die Fehlübersetzung insofern von entscheidender Bedeutung ist. Feuer zu verbieten kann kaum als unzulässiger Eingriff gewertet werden, das Verbot ein Grundstück zu betreten wirkt im Gegensatz dazu sehr viel restriktiver, als ob den Finn_innen die Bewegungsfreiheit in ihrem eigenen Land genommen werde. So ist das natürlich nicht gesagt worden, aber all das sind Konnotationen, die mitschwingen, und ich hätte mir vom ZDF eine differenziertere Berichterstattung und mehr Vertrauen in die Lesefähigkeit und Sprachkenntnisse des Publikums gewünscht.