Schaut mal … Lysistrate lebt!

In Kenia haben die Frauen sich offensichtlich von Aristophanes‘ Plot inspirieren lassen und  sind Ende April für eine Woche in den Sexstreik getreten, um die Männer dazu zu bewegen,  die Querelen innerhalb des Landes beizulegen. Athener und Spartaner haben sich in der Komödie relativ leicht beeindrucken lassen und schnell Frieden geschlossen, um wieder Zugang zu ihren Frauen zu erhalten. In Kenia ist das Prozessieren wohl noch beliebter als in Athen, denn dort hat nun ein Mann auf Schadenersatz für den erlittenen Stress und  Schlafmangel geklagt, wie dieStandard.at berichtet. Wenn Aristophanes doch auf diese Idee gekommen wäre… was für ein feiner Stoff für eine weitere Komödie!

Werbeanzeigen

Schaut mal .. Frauentags-NachLese

Passend zum großen Feiertag habe ich in den letzten zwei Wochen ein bisschen gelesen. Die zweite Missy liegt ausgelesen in Berlin und ich kann nur sagen: endlich eine ‚Frauenzeitschrift‘, die mich anspricht und ermuntert. Weiter so ihr Lieben! Sonja Eismann, Mitherausgeberin dieser fantastischen neuen Zeitschrift schreibt in der taz über den ‚freien Zwang zur Sexyness’ und natürlich kommen da auch die Haare zur Sprache – also darf ich ihn ganz offiziell lesen, gehört ja zum Thema! Er ist Teil der taz-Sonderausgabe Der neue Sexismus zum Internationalen Frauentag, die ich natürlich käuflich erworben habe, wie jedes Jahr. Einfach mal 12 Seiten am Stück, die Fragen behandeln, die mir wirklich wichtig sind. Immer wieder schön und ich merke, das könnte ich öfter gebrauchen.

Letzten Montag bei Hilde gab es nicht nur einen tollen Film, sondern auch eine Brigitte umsonst. Die habe ich mir natürlich auch ein bisschen zu Gemüte geführt – sie liegt halb gelesen in Berlin. Neben einigen interessanten Beiträgen sind gruselige Werbung und Schrott versammelt, z.B. ein Dossier über ’schöne‘ Männer, in dem die Redaktion ‚Schönheit‘ als objektive Kategorie setzt. Ich will mich gar nicht länger auslassen, und vielleicht ist es sogar eine der besseren Zeitschriften in ihrem Segment – aber ehrlich: nein danke! Ich bin so froh, dass es die Missy gibt, denn sie zeigt, dass es auch anders geht.

Zuletzt noch ein paar Links zu diestandard.at, ein österreichisches Projekt, dass wir eigentlich selbst brauchen. Sie berichten von einer interessanten Spielwiese in Wien, so ein Klappbuch macht bestimmt viel Spaß! In letzter Zeit problematisieren sie in mehreren Artikeln die Einkommensschere und konzentrieren sich dabei weniger auf die ‚Schuld’ der Frauen (wie Mona Lisa) und mehr auf Handlungsspielräume und strukturelle Verbesserungspotentiale – in Österreich natürlich, nicht bei uns.  Die österreichische Frauenministerin spricht sich für transparente Gehälter aus, Prammer erwartet „politische Kraftanstrengung“, Frauen fallen weiter zurück.

Passend zu meinen Frauentagserinnerungen an Moskau gibt es einen Beitrag zum Frauentag in Russland, der es ziemlich genau trifft und die Probleme aufzeigt. Aber bei аеродром.ная hat es mir dann doch einen Schlag versetzt. Die Bilder vom Fotowettbewerb Miss Atom in Russland finde ich richtig schlimm. Auch die taz berichtet darüber unter dem bezeichnenden Titel Störfall Frau.

Schaut mal … Medienkritik zur rechten Zeit

Zwei haben es in dieser Woche auf den Punkt gebracht, ohne ahnen zu können, dass ihre Kritik genau zur rechten Zeit kommt: Friedrich Küppersbusch und Arno Frank. Sie kritisieren die oberflächliche Skandalmache in den Medien und das Prinzip, jede Woche eine neue Sau durchs Dorf zu treiben. Vor allem Küppersbuschs Montags-Kommentar bei radio eins hat mir zutiefst aus der Seele gesprochen. Der Eindruck, es gebe nur noch eine Nachricht, wird in dieser Woche besonders gekonnt erweckt, ganz zu schweigen von all den Säuen, die daran angeknüpft durchs Dorf getrieben werden.

Nachtrag, Samstag 15 Uhr

Gerade habe ich zwei Artikel von Luise F. Pusch und Alice Schwarzer über den medialen Umgang mit den Opfern des Amoklaufs gelesen, die mich nachdenklich machen. Ihre Kritik beginnt auf sprachlichem Niveau: es ist von toten Schülern die Rede, dabei wird unsichtbar, dass es 8 Mädchen und ein Junge sind. Diese Diskrepanz und Ungenauigkeit ist mir auch aufgefallen. Beide knüpfen jedoch an die Zahlenverhältnisse die These vom Frauenmord an und schaffen so eine weitere ‚Sau‘ für’s Dorf. Einerseits finde ich es erschreckend, dass diese spezifische Gruppenzugehörigkeit so wenig thematisiert wird, andererseits halte ich monokausale Ansätze zur Erklärung irgendwelcher Zusammenhänge für falsch. Schwarzers Forderungen am Ende des Artikels sind prinzipiell auf das Bildungssystem ausgerichtet und deshalb richtig und gut, dafür sollte es aber nicht eines solchen Massakers bedürfen.

Gestern ist der Medienrummel auch in der taz kritisiert worden. Dabei sind auch zwei Jungen aus einer der 10. Klassen zu Wort gekommen. Die Tür zum Klassenraum befinde sich hinten, alle in der letzten Reihe Sitzenden seien erschossen worden. In ihrer Klasse haben nur Mädchen dort – am nächsten zur Tür – gesessen. Warum auch immer so viele Frauen unter den Opfern sind, dass es in der Berichterstattung unsichtbar gemacht wird, bleibt erschreckend.

Schaut mal … Studiengebühren

Beide von mir konsumierten Online-Zeitungen haben über die Entscheidung des Verwaltungsgerichtshofs Baden-Württemberg für die Rechtmäßigkeit von Studiengebühren berichtet. Die Heilbronner Stimme verweist nach einem kurzen Satz über den Ausgang des Verfahrens erst mal auf Mindereinnahmen der Fachhochschule, die sich aus neuen Regeln für das Sommersemester ergeben: Studierende aus Familien mit drei und mehr Kindern müssen keine Gebühren mehr zahlen. Anstatt die Verbesserung für die Familien zu kommentieren, geht es nur um die finanzielle Ausstattung der Hochschule.

Das Verwaltungsgericht findet die 500 Euro Studiengebühr sozialverträglich, schließlich gebe es Darlehen und Ausnahmeregelungen. Die taz berichtet differenzierter und lässt auch die Kläger_innen zu Wort kommen. Bei der Revision vor dem Bundesverwaltungsgericht in Erfurt gehe es vor allem darum, ob Studiengebühren tatsächlich Kinder ärmerer Familien vom Studium abhalten.

Ich finde es unverantwortlich nicht anzuerkennen, dass finanzielle Erwägungen bei der Entscheidung für oder gegen ein Studium eine riesige Rolle spielen. Die taz verweist zwar auf eine Studie des Bundesbildungsministeriums, deren Ergebnisse im Oktober bekannt geworden sind, impliziert aber, sie reiche nicht aus, um den Zusammenhang von Studiengebühren und Berufswahl zu belegen. Mir erscheint es auch als Umkehr der Beweislast. Nicht diejenigen, die Studiengebühren einführen, müssen nachweisen, dass sie keine soziale Benachteiligung zur Folge haben, sondern erst jetzt, da Studiengebühren existieren, kann gezeigt werden, dass sie die Lebensentscheidungen junger Menschen maßgeblich beeinflussen. Die Politik versäumt eine wichtige Aufgabe und ausbaden dürfen es ohnehin Benachteiligte – vielleicht ihr Leben lang.

Schaut mal … Medvedev unterstützt Studierende

Die schlechte wirtschaftliche Lage vieler Studierender in Russland ist jetzt auch dem Präsidenten zu Ohren gekommen. Am Anfang seiner Videobotschaft bedankt er sich für die Kommentare auf seinem blog und erweckt so den Eindruck, er sei dort auf die Misere der Studierenden aufmerksam geworden. Zur Lösung der finanziellen Schwierigkeiten bietet er  zinsgünstige Kredite und die Möglichkeit von kostenpflichtigen auf vom Staat zur Verfügung gestellte Studienplätze zu wechseln. Diese Maßnahmen sind an einen ’normalen‘ Studienerfolg gebunden, also leistungsorientiert. Außerdem schlägt er vor, die Höhe der Studiengebühren zu Beginn der Ausbildungsperiode in Rubel zu fixieren, so dass sie sich  während dieser Zeit nicht durch Kursschwankungen verändern. Medvedev will die Kontrolle der Qualität der höheren Bildungsanstalten verstärken und die Hochschulen bei der Beseitigung etwaiger Unzulänglichkeiten unterstützen.

Ich finde es sehr interessant, dass ausgerechnet dieses Thema so schnell in den Videobotschaften thematisiert wird. Einerseits entspricht das sicherlich dem Interesse des Publikums – viele Studierende sind sicher auch internetaffin. Andererseits macht mir diese Zuwendung auch ein wenig Sorgen. Denn, wenn der Präsident diese Frage so ins Zentrum stellt, frage ich mich, wie schlecht es vielen Studierenden wohlmöglich tatsächlich geht. Medvedev erwartet sicherlich positive Reakionen auf seine Vorschläge. Also lenkt er entweder von den wirklich großen Problemen ab oder er hat die drängenden Schwierigkeiten seines Internetpublikums erkannt und will diese Zielgruppe zufriedenstellen. In jedem Fall sieht es weder für die russische Wirtschaft noch für die Studienden in Russland rosig aus.

Schaut mal … der SWR als Sittenwächter

Im Südwesten herrscht noch Moral und damit auch der Rest des Landes was davon hat, gibt es den SWR-Rundfunkrat. Die taz berichtet von den entrüsteten Reaktionen auf Olli Pochers Stauffenberg-Auftritt und fasst einmal kurz zusammen unter welch hochwertigem Programm wir hier leiden. Ein altbackenes Drittes ist schon schlimm genug, aber wenn die katholische Kirche eine eigene Vertreterin in diesen Rundfunkrat  entsendet, wundert mich nichts mehr. Bleibt nur zu hoffen, dass die Südwestlobby in der ARD keine Mitstreiterinnen findet. Dabei geht es weniger um eine Verteidigung Olli Pochers, als vielmehr um die Entblödung des SWR, die einfach nur zum Lachen ist. Danke, taz!

Schaut mal … die Schwaben

Sie können alles, außer hochdeutsch, unsere Schwaben. Wie charmant so ein Dialekt sein kann, hat der SWR letzte Woche gezeigt. Für alle, die diese Sternstunde der Fernsehkunst verpasst haben, gibt es die Sendung dankenswerterweise in vier Teilen bei youtube zum Nachgucken. Darauf gestoßen bin ich durch einen Link zu Obama als Schwabe. Der kann eben alles, der Obama, auch schwäbisch. Und er wohnt auch ganz in der Nähe, hat nur die falsche Hausnummer.

Schaut mal … Obamas Blog

Da war ich letzte Woche ganz aufgeregt, wie fortschrittlich Medvedev ist. Aber Everybody’s Darling Obama ist auch da natürlich viel besser aufgestellt. Er hat einen professionell betreuten Blog und will jede Woche eine Videobotschaft veröffentlichen. Wenn ich mich nur an die Präsidenten halte, wird mein Englisch wohl doch noch besser als mein Russisch, zumindest was das Verstehen angeht.

Ein Blick in Obamas Kabinett hat aber doch einen kleinen Schatten auf ihn fallen lassen. Die Bildergalerie der taz zeigt nur zwei Frauen, das finde ich dann doch ein bisschen mau. Qualifizierte Kandidatinnen hat es sicher auch für andere Positionen gegeben. Aber es ist besser, ich erkenne es gleich: niemand ist perfekt, auch nicht der neue, strahlende Präsident der USA.

Jeder das ihre

Die taz berichtet heute vom etwas merkwürdigen Umgang mit Zitaten in Werbekampagnen. Konkret geht es um den Ausspruch ‚Jedem das Seine‘, der am Eingang des KZ Buchenwald zu lesen ist. Seine Verwendung in einer Kaffeewerbung wird zurecht kritisiert, denn die zynische Verwendung durch die Nazis hat es aus der Menge von Zitaten antiker Autoren, die zum humanistischen Bildungsgut gehören, herausgehoben. Es ist nicht ‚unschuldig‘ und sollte deshalb nicht unbedacht verwendet werden.

Die Aufzählung am Ende des taz-Artikels macht deutlich, dass genau dies vor allem in der Werbung immer wieder geschieht. Werbung arbeitet mit Assoziationen und solange Menschen der NS-Greuel gedenken (was hoffentlich noch lange der Fall sein wird), sollte die Mottos der KZs für kommerzielle Nutzung Tabu sein. Und zwar schon aus Eigeninteresse der Werbenden. Wer will schon ein Produkt mit den KZs in Zusammenhang bringen?

Entgegen den Vorwürfen in den Kommentaren zum taz-Artikel kann es meiner Meinung nach nicht um eine Sprachregelung für alle und jeden Kontext gehen, sondern um die unreflektierte Verwendung bekannter Floskeln, die einen Wiedererkennungswert haben und so geeignet sind, Gewinn zu erzielen. Und mit etwas Geld zu machen, das Menschen hat leiden lassen, ist einfach nur pervers. Dass der Ausspruch auf die Antike zurückgeht (Cicero und Platon) und ein klassischer Rechtsgrundsatz ist, befreit ihn nicht vom Erbe des 20. Jahrhunderts.

Ich bin gegen absolute Tabus. Die deutsche Sprache zu beschneiden, nur weil die Nazis Worte benutzt haben, finde ich übertrieben. Autobahn und Kindergeld dürfen wir nicht nur sagen, sondern auch befahren und erhalten. Dennoch ist es wichtig, an geeigneter Stelle zu reflektieren, woher etwas kommt und welche zusätzlichen Bedeutungen bei bestimmten Wörtern mitschwingen. Ein bewusster Umgang mit Sprache bedeutet einerseits, Leid nicht kommerziell auszuschlachten, egal wie gut es klingen mag. Andererseits kann ein freier Umgang mit den Möglichkeiten, die die Sprache bietet, nicht verwehrt werden, wenn diese Gesellschaft offen und frei sein soll. Ohne Wortspiele wie der Titel dieses Beitrags wären Texte öd und leer. Sie regen zum Nach-Denken an. Und das haben wir alle dringend nötig.

* Die Infos über den Spruch habe ich von wikipedia und der dort verlinkten  Kurzdokumentation zur Formel »Jedem das Seine«.

Schaut mal … Medvedevs Videoblog

Bei svobodanews bin ich auf ein interessante Möglichkeit gestoßen, das Hörverstehen zu trainieren: den Videoblog des Präsidenten der Russischen Förderation. In seinem neuesten Beitrag spricht Medvedev über seinen Skiurlaub und fordert dazu auf, mehr Sport zu treiben und sich so zu erholen. Von 2:20 bis 3:20 min sind ein paar Bilder vom Skifahren und  von ‚Fans‘ zu sehen, denen der Präsident Autogramme gibt. Danach erklärt er, dass seit Jahresbeginn Kommentare hinterlassen werden können und er sie interessiert lesen wird.

« Older entries Newer entries »