Nun bin ich alt

Große Ereignisse werfen ihre Schatten voraus, mit der Folge, dass anderes zurückstehen muss. Aber da es nun auch bei mir  soweit ist, kann ich endlich auf Sarah Haskins Kommentar zu ihrem 30. hinweisen. Einfach köstlich. Außerdem verschönert mir gerade Balzac das Leben: Die Frau von dreißig Jahren – ein Roman dessen Plot an Effie Briest erinnert, von dem der Klappentext aber verspricht: im Zentrum stehe

die Forderung nach dem Recht auf Glück und Liebe einer Frau, die, wie Balzac meinte, ‚in jenem schönen Alter von dreißig Jahren‘ ist, ‚jenem poetischen Gipfel einer Frau‘, da sie ‚dessen ganzen Lauf umfassen und ebenso in die Zukunft wie in die Vergangenheit blicken kann‘.

Wenn das kein Versprechen ist – ich schwebe schon in poetischen Höhen, bin aber mal gespannt, ob ich das am Ende der Lektüre genauso sehe. Denn den Freiheitswillen Carmens konnte ich in Bizets Oper irgendwie nicht entdecken. Auch wenn die Ankündigung ihn beschwört und auch viel von liberté zu hören war, habe ich selten eine weibliche Figur gesehen, die das Leben ihres männlichen Partners stärker beeinflusst und ihn auf diese Weise an sich bindet und letztlich klammert. Also, trotz der wahren Erkenntnisse über den Charakter der Liebe definitiv kein Vorbild für mich, denn wie Rosa schon sagte:

Die Freiheit ist immer die Freiheit der Andersdenkenden.