Lise war schon immer meine Favoritin

Der heutige Comic von xkcd ist einfach zu wahr und wunderbar motivierend. Neben Lise Meitner, Emmi Noether und Marie Curie gibt es zum Glück noch ein paar mehr Vorbilder, an die eine junge Wissenschaftlerin sich halten kann… Und nie vergessen: es zählt leider nicht nur die Leistung, die eine erbracht hat.

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Schaut mal … Entdecke den Osten

Das aktuelle sz-Magazin hat einen Ossi-Schwerpunkt. Der Beitrag ‚Mein erster Ossi‘ war ja noch ganz amüsant und aufmunternd, aber gleichzeitig auch entlarvend: da hat wohl einer weit mehr erreicht, als von einem ‚Ossi‘ zu erwarten war. Entmutigend ist hingegen die ‚Geschlossene Gesellschaft‘ die Deutschland als Westdeutschland für ehemalige DDR-Bürger_innen und ihren Nachwuchs wohl immer noch ist. Wen’s nicht betrifft, macht es vielleicht nicht ganz so betroffen, aber ich bin eben ‚eine von denen‘. So eine Reaktion eines Hamburgers auf meine Herkunftsangabe deutlich mehr als 10 Jahre nach der Wende.

Mir wird gerade mal wieder klar, dass ich einfach nicht dazu lerne: Ich will immer wieder mit dem Kopf durch die Wand. Weiblich, ohne akademischen Familienhintergrund und aus dem Osten – aber klar, ich schaff es locker bis in die  universitäre Elite, die sich am liebsten selbst reproduziert und sich mehrheitlich aus westdeutschen männlichen Vertreteren des Bildungsbürgertums zusammensetzt. Ich erinnere mich gut daran, wie wohl ich mich vor einer Weile in der Sprechstunde einer ostdeutschen Professorin gefühlt habe – woran das wohl lag? Zu allem Überfluss habe ich auch gerade an anderer Stelle, wie besonders normativ die Disziplin aufgestellt ist, für die ich mich entschieden habe. Zumindest in den USA wird da nicht-heteronormativ Lebenden ganz deutlich gesagt, was sie besser tun und lassen sollten, wenn sie tatsächlich eine Festanstellung an der Uni wollen. Mich schaudert’s. Aber noch bin ich nicht bereit, klein beizugeben.

Zum Glück war das nicht alles aus dem sz-magazin. Ich habe entdeckt, dass ich doch zu zumindest einem sehr exklusiven Kreis gehöre, der nicht als Diskriminierungsmerkmal taugen sollte: verheiratet mit einem Wessi. Nur 4% der Eheschließenden sind so mutig und wagen es, den interkulturellen Austausch so zu verbriefen. Das geht sicher auch alles ohne zu heiraten, aber diese vier Prozent lassen doch darauf schließen, dass nur wenige es überhaupt versuchen – ob mit oder ohne Trauschein. Die Begründungsversuche der Autorin überzeugen mich nicht so ganz, sie ist aber die zehn Jahre älter als ich, die hier wohl einen entscheidenden Unterschied machen. Ansonsten musste ich feststellen, mein Wessi ist wohl nur ein halber, denn als Westberliner gehören Pittiplatsch und Schnatterinchen zu seiner Kindheit, die Mauer kennt er auch und er ist kein bisschen überheblich oder oberflächlich. Er und die Bekanntschaft mit seiner ‚ganz normalen‘ Familie haben meine Stereotypen über Wessis deutlich ins Wanken gebracht. Da er auch der erste Wessi ist, den ich wirklich kennen gelernt habe, sind wir wieder bei der ersten Story und dabei, wie wichtig es offensichtlich ist, das Andere und Fremde nah genug an sich herankommen zu lassen, um zu erfahren, wie es wirklich ist. Und an diesem Punkt kommt noch ein weiterer sz-Artikel ins Spiel, in dem ein paar Wessis von Trips in den Osten berichten und wie toll es dort ist. Wenn das nicht Exotismus ist, weiß ich auch nicht.

Elterngeld und Bildungsferne

Wie schnell die Kürzungen bei Hartz IV auch die ’normale‘ Bevölkerung treffen können, zeigt eine schon etwas ältere Meldung bei Zeit online. Die FDP schlussfolgert richtig: wenn Arbeitslose kein Elterngeld bekommen, wieso sollten es dann andere nicht Erwerbstätige, wie z.B. Hausfrauen oder -männer, Studierende usw., dann bekommen? Für dieses Statusgruppen geht es nicht um x Prozent von irgendwas, sondern um den mickrigen Sockelbetrag von 300 €. Rein ökonomisch und logisch mag das Argument stimmen, denn der Denkfehler ist bereits die Kürzung bei den Hartz IV-Empfänger_innen.

Ich frage mich aber, wie auf diese Weise das Ziel erreicht werden soll, mehr Akademiker_innen zum Gebären zu motivieren. Auch wenn darüber gestritten werden kann, ob das Studium die beste Zeit oder komplett ungeeignet ist, um Kinder zu bekommen, wirkt eine solche Reduzierung der Mittel, die studentischen Familien zur Verfügung stehen, sicherlich nicht förderlich auf die Gebärfreude der späteren Akademiker_innen. Und das bringt mich zu dem Punkt, der mich an der Elterngelddiskussion regelmäßig zur Weißglut treibt. Wieso sollen ‚wir Deutschen‘ und insbesondere Akademiker_innen eigentlich mehr Kinder bekommen?

  • Ist die Menschheit kurz davor auszusterben? Nein, sie belastet den gesamten Planeten allein durch ihre Masse, mal ganz abgesehen von all dem, was wir hier so tagtäglich anstellen.
  • Sind die Deutschen kurz davor auszusterben? Nein, schon gar nicht wenn die krude Blut-und-Boden-Ideologie mal aufgegeben wird.
  • Brauchen wir Kinder von Akademiker_innen, um im internationalen Wettbewerb mithalten zu können?

Das scheinen einige ja  zu glauben, aber auch da kommt von mir ein klares ‚Nein.‘ Wir brauchen diese Kinder nur so dringend, wenn davon ausgegangen wird, dass das Bildungssystem nicht zu ändern ist. Solange sie vielfach höhere Chancen haben, auf’s Gymnasium zu kommen, Abitur zu machen und zu studieren, stellt sich natürlich die brennende Frage, was wäre, wenn dieser Nachschub ausbliebe. Dann hieße es vielleicht tatsächlich mal: Butter bei die Fische und die Bildungschancen für alle verbessern.  Denn all jene, die aus den Statistiken schließen, Kinder von Akademiker_innen seien nun mal ‚genetisch bedingt‘ (oder warum auch immer) intelligenter, sollten einmal ihr Umfeld ansehen. Ich kann eine solche Korrelation in keinster Weise feststellen und frage mich auch, wer da Trugbildern über sich selbst aufsitzt.

Der Ausdruck ‚bildungsfern‘ ist mir zwar suspekt, aber ich nehme mehr und mehr wahr, dass und wie sich die persönliche Lebenssituation von Kindern und Jugendlichen auf ihre Vorstellungen vom Leben und davon, was realistische und erstrebenswerte berufliche und private Perspektiven sind, auswirkt. Bildung heißt für mich umfassende menschliche, praktische und intellektuelle Bildung, die zu mündigem staatsbürgerlichen Handeln befähigt. Unsere Herkunft und persönliche Begabungen prägen uns. Aber sollte es nicht Aufgabe von Bildungsinstitutionen sein, diese Talente einerseits zu fördern und uns andererseits weitere Impulse zu geben, so dass unser Potential sich voll entfalten kann? Das heißt nicht nur Förderung für Leistungsschwächere oder Benachteiligte, sondern auch eine realistische  Perspektive auf Wert und Bedeutung verschiedenster Tätigkeiten. Und es heißt auch, Vorannahmen über Fähigkeiten von Kindern aufgrund ihrer Herkunft, ihres Geschlechts oder anderer Merkmale zurückzustellen. Keine leichte Aufgabe, aber es lohnt sich sie zu bewältigen, denn es geht um die Zukunft einer neuen Generation.

Das ist natürlich ein utopisches Bild von Bildung und davon, wie mit der heranwachsenden Generation umgangen wird. Aber wo bliebe die Hoffnung ohne Utopien? Und mir wird immer klarer, dass so gut wie alle politischen Entscheidungen oder Blockaden, die mich ankotzen, letztlich eng zusammenhängen und eine Gesellschaft prägen, in der ich so nicht leben will.

Blumengruß zum Internationalen Frauentag 2010

Blumengruß

Und ein paar Links für den heutigen Tag:

Bei ‚Schulwissen‘ sind maskulistische Positionen überholt, aber im Bereich ‚Wissenschaft‘ hoffähig. Da bleibt mir ein ungutes Gefühl im Magen. Aber nicht heute! Da werden taz und Missy gekauft, das ist die angemessene Lektüre für eine lange Zugfahrt.

Bunte Götter in Kassel

Es ist zwar schon eine ganze Weile her und die Ausstellung hat ihre Pforten schon lange endgültig geschlossen, aber ich möchte nun doch noch einer Fahrt von Berlin nach Heilbronn berichten, bei der ich in Kassel ausgestiegen bin, um die Ausstellung Bunte Götter anzusehen, die von März bis Anfang Juni im Kasseler Schloss Wilhelmshöh zu sehen gewesen ist. Eigentlich hatte ich das Ende bereits verpasst und mich damit abgefunden, erst mal keinen Anlass zu haben, in Kassel auszusteigen und mir die Stadt einmal anzusehen. Zugleich hat es mich aber gewurmt, denn es sollte eine Belohnung für die Abgabe der Magistraarbeit sein (ja, damals!). Also habe ich noch mal ins Netz geschaut und siehe da, die Ausstellung war um ein paar Tage verlängert worden, so dass ich doch noch die Chance hatte.

Also bin ich Freitag früh losgefahren und in Kassel aus dem ICE ausgestiegen. Wie der Bahnhof schon versprach, keine besonders anheimelnde Stadt. Ich fühlte ich ein wenig an Heilbronn erinnert – eine alte Kirche und ansonsten mehr oder weniger hübsche Neubauten. In der Information am Bahnhof war mir das auch so angekündigt worden, so dass ich mich ganz auf den Aufstieg zur Wilhelmshöh und den Museumsbesuch konzentriert habe.

Steil bergan geht es zum Schloss und noch weiter durch einen wunderbaren Park bis zur Herkulesstatue auf einem Oktagon. Bis zum Herkules habe ich es nicht geschafft, aber einer der Säle des Museums ist der Gestaltung des Parks und seiner Geschichte gewidmet. Ansonsten hänge da noch die Alten Meister. Der Rembrandt-Saal hat mir wider Erwarten gut gefallen und ein Stillleben hat mich so fasziniert, dass ich einen Ausschnitt als Postkarte erworben habe.

Ich schreibe so viel über das Rundherum, weil die Ausstellung Bunte Götter zwar interessant, aber alles in allem doch weniger ausführlich und spektakulär war, als ich erwartet hatte. Die antiken Statuen, die wir vor allem als Gipsabgüsse kennen und deshalb mit weißer Farbe assoziieren, sind bunt bemalt gewesen. Hautfarbe, Haare, Kleidung sind aufwendig dargestellt worden. Die Gegenüberstellung von weißem Gipsabguss und bunter Rekonstruktion einzelner Statuen hat mir den großen Einfluss, den Farbigkeit auf die Wahrnehmung der Skulpturen hat, deutlich vor Augen geführt. Die Rekonstruktionen basieren auf physikalischen Untersuchungen der Originale, die Farben und Muster erkennen helfen. Jede stellt aber dennoch eine Interpretation dar, wie sich auch in der Reihung verschiedener möglicher Rekonstruktionen der gleichen Statue zeigt. Eine wissenschaftlich exakte und eindeutige Rekonstruktion ist wohl nicht möglich, es erscheint mir aber für die Lai_in weniger relevant, wie die Skulpturen genau aussahen. Die Tatsache ihrer Farbigkeit und die Musterung sind belegt, der Rest liegt und lag im Ermessen der Künstler_innen.

Schnipp Schnapp – Gerechtigkeit ab

Gestern habe ich mich vor allem über die Darstellung des Themas Lohndiskriminierung im ZDF aufgeregt, heute möchte ich noch ein paar eigene Gedanken anknüpfen, die auf zwei Vorträge im Rahmen der Gender Lecture an der HU im letzten Semester zurückgehen. Im Oktober hat Friederike Maier über Determinanten des Gender Pay Gap im internationalen Vergleich gesprochen. Dabei wurde deutlich, dass eine Vielzahl von Bedingungen auf die durchschnittlich geringe Bezahlung weiblicher Arbeitskraft hinwirkt und die meisten Erklärungsversuche für den Abbau ungerechter Strukturen wenig hilfreich sind. Als Fazit der Diskussion bleibt für mich die Forderung, traditionell Frauen zugewiesene Berufsfelder und gesellschaftliche Aktivitäten aufzuwerten und ihre Vergeschlechtlichung zu durchbrechen. Aber wie?

Vier Wochen später sprach Hermann Gartner über Tarif und Betrieb – Determinanten des Pay Gap im Handlungsbereich der Sozialpartner. Es ging leider nicht um Aushandlungsprozesse und Tarifgruppenzuordnungen in den Tarifverhandlungen, wie ich erwartet hatte. Dafür wurde sehr deutlich dargestellt, dass die Betriebsstruktur und das Vorhandensein bzw. Nicht-Vorhandensein von Tarifbindung und Betriebsräten das Ausmaß der Einkommensschere beeinflussen. Es besteht ein statistischer Zusammenhang, aber wie genau die Mechanismen wirken und wie daran anknüpfend gehandelt werden kann, ist leider nicht abzuleiten. Mir ist vielmehr deutlich geworden, dass selbst in tarifgebundenen Unternehmen mit Betriebsrat neben vielen anderen Faktoren ein ‚unerklärlicher‘ Rest  an Lohndiskriminierung bleibt. Außerdem ist es wichtig, dass diese Differenzierung nur für den Westen unserer schönen Republik hergestellt werden kann, wo zum Zeitpunkt der Erhebung 80% aller Beschäftigten in tarifgebundenen Betrieben tätig gewesen sind. Für den Osten fehlen entsprechende Untersuchungen, Tarifgebundenheit ist dort viel weniger verbreitet, aber dennoch die Einkommenschere kleiner. Das ist wirklich mal eine Forschungslücke!

Liebes ZDF, liebe Mona-Lisa-Redaktion! In allen vier Vorträgen der Reihe sind wichtige Punkte angesprochen worden und von allen sind im Netz Zusammenfassungen zu finden. Von einem ‚Frauenmagazin‘ erhoffe ich mir eine gewisse thematische Expertise, also auch die Kenntnis der Seite des Gender Kompetenz Zentrums.  Ein bisschen Recherche und der Wille tiefer zu blicken als Boulevardzeitungen – ist das wirklich zuviel verlangt? Wenn ja, dann gute Nacht, denkende Zuschauer_in!

Mona Lisas Lächeln kann ich nicht erwidern

Langsam macht es den Eindruck, als hinge ich nur an der Glotze. Aber was mir an diesem Wochenende wieder geboten worden ist, kann ich nicht unkommentiert lassen. Einer meiner ‚Lieblings’sender, das ZDF, hatte mal eine Frauen-Sendung mit interessanten Beiträgen: Mona Lisa. Sie hat nicht immer meinen Geschmack getroffen, deshalb hat es mich gestern auch nur aus Versehen erwischt. Einen Beitrag zur Lohnungleichheit sollte es geben.

Ein Thema, das immer wieder gerne diskutiert wird, z.B. letzte Woche bei der Mädchenmannschaft. Auch dort ging es, wie in dem Mona-Lisa-Beitrag, um einen EU-Vergleich zum Thema Geschlechtergerechtigkeit, bei dem Deutschland  – wieder mal – unterdurchschnittlich abgeschnitten hat. Bei Mona Lisa – und nicht bei der Mädchenmannschaft! – hieß es: 23 Prozent weniger Gehalt für die gleiche Arbeit, im Bild derweil diese Information als Schlagzeile einer Tageszeitung. Welche ist nicht zu erkennen, aber das Layout lässt auf BILD-Format schließen. Diese dummdreiste und massive Vereinfachung ist eine offensichtliche Fehlinterpretation der Ergebnisse, aber leider nur die Spitze des Eisberges.

1 ½ Minuten haben sich die Mona-Lisa-Macher_innen Zeit genommen und lassen ‚unseren Mann‘ aus dem Off sprechen, der uns Frauen erklärt, wo es langgeht. Wir wählen die falschen Berufe und sind zu nett. Wer Männergehälter wolle, müsse sich eben auch manchmal wie einer verhalten. Als Positivbeispiel wird Angie genannt, sie habe schließlich Kanzlerin gelernt. Viel stereotyper und eindimensionaler kann das Problem, glaube ich, nicht angegangen werden.

Am besten ist aber der Vergleich mit anderen EU-Staaten. Estland und Zypern werden als Länder genannt, die noch schlechter abschneiden als Deutschland. Die Ösis hat ‚unser Mann‘ wohl einfach vergessen? Sie sind mit 25,5 Prozent auf dem vorletzten Platz, die Ursachen klingen ganz ähnlich wie bei uns und ich frage mich, wie diese Statistik wohl ohne die neuen Bundesländer aussähe. Die weit im Süden und im Osten sind nicht nur geographisch am Rand, sondern in dieser Statistik ganz unten. Aber zum Glück gibt es ja Italien, das die Liste mit 4 Prozent Lohndifferenz anführt. ‚Unser Mann‘ meint dazu, wenigstens dort gehe es halbwegs gerecht zu. Kann er (oder die Mona-Lisa-Macherinnen) sich wirklich nicht an die Statistiken zur Frauenerwerbstätigkeit im EU-Vergleich erinnern? Da steht Italien immer ganz unten. Das heißt, es arbeiten wenige, die sind aber gut qualifiziert und verdienen deshalb auch vergleichsweise gut. Denn hier ist noch mal der Vergleichsmaßstab wichtig: es werden alle Erwerbstätigen nach Geschlecht differenziert, die Durchschnittsverdienste für beide Gruppen errechnet und dann verglichen.

Aber soviel Tiefgang und Nachdenken ist der Redaktion leider nicht zuzutrauen. ‚Unser Mann‘ ist wohl eine Rubrik, in der auch mal ein Mann zu Wort kommen soll. Aber was er in dieser Woche zu sagen hat (keine Ahnung, wie das sonst ist), ist echt erbärmlich. Der Beitrag ist in jeder Hinsicht sexistisch. Die Problematik der Lohndiskriminierung wird verharmlost und ‚unser Mann‘ erscheint der informierten Zuschauerin ziemlich dämlich, denn es wird sonnenklar, dass er auch mal was sagen will, aber eigentlich keine Ahnung und auch nichts zu sagen hat. Ich überlege die ganze Zeit, ob das ganze vielleicht witzig sein soll und ich es nur nicht raffe. Also wenn: gaaanz schlechter Scherz!

Noch ein Kommentar zum ZDF: Eigentlich möchte ich diese Kritik auch direkt an Mona Lisa herantragen, das ist aber gar nicht so einfach. Eine Mailadresse für’s ganze ZDF, da kommt meine Beschwerde garantiert bei den richtigen an. Und im Forum zur Sendung kann nur posten, wer angemeldet ist. Eine ziemlich hohe Hürde finde ich, aber dennoch gibt es zur letzten Sendung gleich zwei Beschwerden: ‚Warum nennt sich Mona Lisa noch Frauenmagazin?‘ und ‚Müssen Frauen wie Männer sein?‘ sind die Beiträge überschrieben. Die Diskussion hält sich aber in Grenzen und Reaktionen der Redaktion gibt es natürlich auch keine. Es scheint, als interessiere es wenig, was den Zuschauer_innen  gefällt und das motiviert mich wenig, mich anzumelden.

Schaut mal … Studiengebühren

Beide von mir konsumierten Online-Zeitungen haben über die Entscheidung des Verwaltungsgerichtshofs Baden-Württemberg für die Rechtmäßigkeit von Studiengebühren berichtet. Die Heilbronner Stimme verweist nach einem kurzen Satz über den Ausgang des Verfahrens erst mal auf Mindereinnahmen der Fachhochschule, die sich aus neuen Regeln für das Sommersemester ergeben: Studierende aus Familien mit drei und mehr Kindern müssen keine Gebühren mehr zahlen. Anstatt die Verbesserung für die Familien zu kommentieren, geht es nur um die finanzielle Ausstattung der Hochschule.

Das Verwaltungsgericht findet die 500 Euro Studiengebühr sozialverträglich, schließlich gebe es Darlehen und Ausnahmeregelungen. Die taz berichtet differenzierter und lässt auch die Kläger_innen zu Wort kommen. Bei der Revision vor dem Bundesverwaltungsgericht in Erfurt gehe es vor allem darum, ob Studiengebühren tatsächlich Kinder ärmerer Familien vom Studium abhalten.

Ich finde es unverantwortlich nicht anzuerkennen, dass finanzielle Erwägungen bei der Entscheidung für oder gegen ein Studium eine riesige Rolle spielen. Die taz verweist zwar auf eine Studie des Bundesbildungsministeriums, deren Ergebnisse im Oktober bekannt geworden sind, impliziert aber, sie reiche nicht aus, um den Zusammenhang von Studiengebühren und Berufswahl zu belegen. Mir erscheint es auch als Umkehr der Beweislast. Nicht diejenigen, die Studiengebühren einführen, müssen nachweisen, dass sie keine soziale Benachteiligung zur Folge haben, sondern erst jetzt, da Studiengebühren existieren, kann gezeigt werden, dass sie die Lebensentscheidungen junger Menschen maßgeblich beeinflussen. Die Politik versäumt eine wichtige Aufgabe und ausbaden dürfen es ohnehin Benachteiligte – vielleicht ihr Leben lang.

Die Vorzeigefrau

Letzten Mittwoch habe ich den letzten Film in der Reihe „Das Geschlecht der Bildung. 100 Jahre Frauenstudium“ an der HU gesehen. Angekündigt war die Dokumentation „Die Vorzeigefrau“ (1986) über die Philosophin Helga Hörz, ehemalige Leiterin des Bereichs Ethik an der HU, Vertreterin der DDR in der UNO-Kommission für den Rechtsstatus der Frau und Autorin von „Die Frau als Persönlichkeit“ (1968).

Ich fand die Dokumentation sehr interessant und diskussionswürdig. Wie werden die Möglichkeiten von Frauen in der DDR, wissenschaftliche Karriere zu machen, dargestellt? Welche Rolle spielen Partnerschaft und Familie in diesem Kontext? In welchem Verhältnis steht diese filmische Repräsentation zu den realen Lebensverhältnissen in der DDR? Solche Fragen insbesondere unter Beachtung der Geschlechterdimension hätten mich interessiert.

Aber eine solche Diskussion ist wohl von Seiten der Veranstalterinnen nicht beabsichtigt gewesen. Durch die Einladung der Protagonistin des Films, die bereitwillig Fragen aus dem Publikum beantwortet hat, ist der Fokus von der filmischen Verarbeitung auf die Rechtfertigung und Erläuterung ihrer Aktivitäten im System der DDR verschoben worden. Die Einbettung in den historischen Kontext ist wichtig, aber anstatt den Film in seinem Kontext und mit Bezug auf das Thema der Reihe zu diskutieren, ist die historische Situation in der DDR immer mehr in den Vordergrund gerückt.

Erst beim zweiten Versuch habe ich es geschafft, meine Kritik an dieser Fokussierung vorzubringen. Meinen ersten Einwand hat Christina von Braun mit professoraler Autorität abgebrochen, auf ihre Einlassung habe ich nicht erwidern können. In ihrem Schlusswort hat sie darauf verwiesen, dass die Diskussion am Ende des Films maßgeblich durch Fragen aus dem Publikum bestimmt worden sei. Ihr und Claudia Bruns sei bewusst gewesen, dass es nach diesem Film zu kontroversen Diskussionen über die DDR kommen werde. Sie finde dies produktiv, interessant und wichtig. Dieser Kommentar zeigt deutlich, dass sie die Entwicklung der Diskussion im Anschluss an den Film vorausgesehen und vielleicht sogar intendiert hat.  Im Nachhinein unredlich, einen Film über eine Wissenschaftlerin auf diese Weise zu instrumentalisieren.

Immer, wenn es um die DDR geht, gibt es heftige Diskussionen, die eine eindeutige Positionierung erfordern. Sowohl Ost- als auch Westdeutsche sind dabei stets emotional und wenig objektiv. Das wissen auch die Veranstalterinnen. Ich fand es gut, dass neben Dokumentationen aus der BRD und Spielfilmen aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts auch eine Dokumentation über eine Wissenschaftlerin aus der DDR im Programm stand. Hier wurde aber nicht über die Geschlechter-, sondern über die politischen Verhältnisse diskutiert. Ich bin leider bei keinem der Spielfilme gewesen, frage mich aber, ob bspw. bei „Unser Fräulein Doktor“ (1940) auch die politischen Umstände im Vordergrund standen. Ich bezweifele es ja und kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass hier ein Film ins Programm genommen worden ist, ohne die Perspektive, die er ermöglicht, wirklich dabei haben zu wollen.

Außerdem bin ich bezüglich der Einladung an Helga Hörz ambivalent. Einerseits ist so einer in offiziellen Diskursen marginalisierten Stimme die Möglichkeit zur öffentlichen Äußerung gewährt worden. Andererseits fordert eine solche Diskussion stets Rechtfertigungen für das Verhalten im System der DDR heraus, deren öffentliche Äußerung vielleicht doch nicht so wünschenswert sind. Insofern frage ich mich, warum sie eingeladen worden ist, nicht aber die Regisseurin des Films, mit der auch die Art der Darstellungsweise sinnvoll  hätte diskutiert werden können.

Insgesamt blicke ich auf einen interessanten, aber auch ärgerlichen Abend zurück. Mir ist einmal mehr die Hierarchie innerhalb des universitären Raumes klar geworden. Sie hat nicht nur eine Geschlechter- und Altersdimension, sondern verläuft auch immer noch an der Grenze zwischen Menschen mit BRD- und DDR-Hintergrund.

Schaut mal … Medvedev unterstützt Studierende

Die schlechte wirtschaftliche Lage vieler Studierender in Russland ist jetzt auch dem Präsidenten zu Ohren gekommen. Am Anfang seiner Videobotschaft bedankt er sich für die Kommentare auf seinem blog und erweckt so den Eindruck, er sei dort auf die Misere der Studierenden aufmerksam geworden. Zur Lösung der finanziellen Schwierigkeiten bietet er  zinsgünstige Kredite und die Möglichkeit von kostenpflichtigen auf vom Staat zur Verfügung gestellte Studienplätze zu wechseln. Diese Maßnahmen sind an einen ’normalen‘ Studienerfolg gebunden, also leistungsorientiert. Außerdem schlägt er vor, die Höhe der Studiengebühren zu Beginn der Ausbildungsperiode in Rubel zu fixieren, so dass sie sich  während dieser Zeit nicht durch Kursschwankungen verändern. Medvedev will die Kontrolle der Qualität der höheren Bildungsanstalten verstärken und die Hochschulen bei der Beseitigung etwaiger Unzulänglichkeiten unterstützen.

Ich finde es sehr interessant, dass ausgerechnet dieses Thema so schnell in den Videobotschaften thematisiert wird. Einerseits entspricht das sicherlich dem Interesse des Publikums – viele Studierende sind sicher auch internetaffin. Andererseits macht mir diese Zuwendung auch ein wenig Sorgen. Denn, wenn der Präsident diese Frage so ins Zentrum stellt, frage ich mich, wie schlecht es vielen Studierenden wohlmöglich tatsächlich geht. Medvedev erwartet sicherlich positive Reakionen auf seine Vorschläge. Also lenkt er entweder von den wirklich großen Problemen ab oder er hat die drängenden Schwierigkeiten seines Internetpublikums erkannt und will diese Zielgruppe zufriedenstellen. In jedem Fall sieht es weder für die russische Wirtschaft noch für die Studienden in Russland rosig aus.

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