hartABERsexistisch

Das Aufarbeiten längst vergangener Ereignisse ist noch immer nicht abgeschlossen. Letztens habe ich mich endlich überwunden, die Vatertagssendung (20. Mai 2009) von hartaberfair anzusehen. Und natürlich kommt es noch schlimmer als befürchtet. In illustrer Runde wird ein Geschlechterstereotyp nach dem anderen aus der hohlen Hand gezaubert und mit biologistischen Verkürzungen legitimiert. Da wären z.B. die Weisheiten des Kasseler Psychologie-Professors Harald Euler:

Es sind die Männer zwischen 30 und 40, die die Kulturleistungen mit ihrem Testosteron bringen. (ab min 30:55)

‚Testosteron‘ ist ja sowieso für alles gut. Aber in einem Punkt sind die Herren sich dann doch nicht einig: hat Angie viel oder wenig davon? Der Moderator Frank Plasberg ist sich sicher:

Kommen wir jetzt zu einem Beispiel, wo Testosteron garantiert keine Rolle spielt. Ich bin zwar kein Mediziner, aber ich glaube, dass das nicht das Prägende ist bei unserer Bundeskanzlerin Frau Merkel. (ab min 32:25)

Doch der Psychologe (auch kein Mediziner) widerspricht:

Das [Merkel] sind irgendwelche Sonderfälle, die sind nicht repräsentativ für den ganzen Rest. Aber ich glaube, sie [Merkel] hat viel Testosteron, […] und das macht sie auch durchsetzungsbereit. (37:25 min)

Na, ein Glück, dass die Kanzlerin gut mit ‚Testosteron‘ versorgt ist, wo führte das sonst auch diese schöne Republik hin? Helmut Karasek nimmt das so vermittelte Wissen begierig auf:

Ich lerne aus diesem Vergleich [zwischen Merkel und Schröder], dass die Welt aus zwei Prinzipien besteht, aus dem Weiblichen und dem Männlichen; und dass die Welt beide benötigt, und von beiden starke Ausprägungen und weniger starke Ausprägungen hat. (ab min 34:20)

Merkel und Schröder als ideale Verkörperungen von Weiblichkeit und Männlichkeit, was sind wir doch gesegnet! Aber das beste kommt erst noch. In einem der beliebten Einspielfilmchen werden Männer getestet, ob sie denn Wäsche sortieren können. Können sie natürlich nicht, welch Überraschung. Die redaktionelle ‚Männer-Testerin‘ gibt freundlicherweise auch ein paar Tipps, aber nicht alle halten sich daran:

Red.: Ich hab Ihnen doch gesagt, Sie sollen die Zettel lesen.
Mann: Ja, ich kann net alles lesen. […]
Red.: Frauen müssen das auch.
Mann: Ja, deswegen haben wir ja Frauen.
beide lachen dreckig
Red. (strahlend in die Kamera): Macho des Tages. (ab min 53:25)

Der schon ergraute Anzugträger zeigt deutlich, wo Frauen seiner Meinung nach hingehören und seine Weltsicht scheint weithin akzeptabel zu sein, wenn sie in der ARD zur besten Sendezeit unkritisch reproduziert werden kann. Dass solch platten Ansichten eine öffentliche Plattform geboten wird, erschüttert mich. Andererseits weiß ich aus eigener Erfahrung, wie bereitwillig auch jüngere Männer Sexismen und Stereotype reproduzieren. All dies ist noch lange nicht überwunden. Eine bittere Bilanz nach einer Sendung, die eigentlich der Frage nach neuen Männlichkeiten und der Rolle von Vätern gewidmet sein sollte.

Neben den Genannten sind Katrin Müller-Hohenstein (ZDF), Robert Habeck (Bündnis 90/ Die Grünen) und Ursula Engelen-Kefer (DGB) echte Lichtblicke. Ohne diese Drei hätte ich die 75 min niemals durchgestanden. Aber im nachhinein sind selbst mir ihre Beiträge weniger präsent als die der oben zitierten grauen Herren. Kein gutes Zeichen!