Nun bin ich alt

Große Ereignisse werfen ihre Schatten voraus, mit der Folge, dass anderes zurückstehen muss. Aber da es nun auch bei mir  soweit ist, kann ich endlich auf Sarah Haskins Kommentar zu ihrem 30. hinweisen. Einfach köstlich. Außerdem verschönert mir gerade Balzac das Leben: Die Frau von dreißig Jahren – ein Roman dessen Plot an Effie Briest erinnert, von dem der Klappentext aber verspricht: im Zentrum stehe

die Forderung nach dem Recht auf Glück und Liebe einer Frau, die, wie Balzac meinte, ‚in jenem schönen Alter von dreißig Jahren‘ ist, ‚jenem poetischen Gipfel einer Frau‘, da sie ‚dessen ganzen Lauf umfassen und ebenso in die Zukunft wie in die Vergangenheit blicken kann‘.

Wenn das kein Versprechen ist – ich schwebe schon in poetischen Höhen, bin aber mal gespannt, ob ich das am Ende der Lektüre genauso sehe. Denn den Freiheitswillen Carmens konnte ich in Bizets Oper irgendwie nicht entdecken. Auch wenn die Ankündigung ihn beschwört und auch viel von liberté zu hören war, habe ich selten eine weibliche Figur gesehen, die das Leben ihres männlichen Partners stärker beeinflusst und ihn auf diese Weise an sich bindet und letztlich klammert. Also, trotz der wahren Erkenntnisse über den Charakter der Liebe definitiv kein Vorbild für mich, denn wie Rosa schon sagte:

Die Freiheit ist immer die Freiheit der Andersdenkenden.

hartABERsexistisch

Das Aufarbeiten längst vergangener Ereignisse ist noch immer nicht abgeschlossen. Letztens habe ich mich endlich überwunden, die Vatertagssendung (20. Mai 2009) von hartaberfair anzusehen. Und natürlich kommt es noch schlimmer als befürchtet. In illustrer Runde wird ein Geschlechterstereotyp nach dem anderen aus der hohlen Hand gezaubert und mit biologistischen Verkürzungen legitimiert. Da wären z.B. die Weisheiten des Kasseler Psychologie-Professors Harald Euler:

Es sind die Männer zwischen 30 und 40, die die Kulturleistungen mit ihrem Testosteron bringen. (ab min 30:55)

‚Testosteron‘ ist ja sowieso für alles gut. Aber in einem Punkt sind die Herren sich dann doch nicht einig: hat Angie viel oder wenig davon? Der Moderator Frank Plasberg ist sich sicher:

Kommen wir jetzt zu einem Beispiel, wo Testosteron garantiert keine Rolle spielt. Ich bin zwar kein Mediziner, aber ich glaube, dass das nicht das Prägende ist bei unserer Bundeskanzlerin Frau Merkel. (ab min 32:25)

Doch der Psychologe (auch kein Mediziner) widerspricht:

Das [Merkel] sind irgendwelche Sonderfälle, die sind nicht repräsentativ für den ganzen Rest. Aber ich glaube, sie [Merkel] hat viel Testosteron, […] und das macht sie auch durchsetzungsbereit. (37:25 min)

Na, ein Glück, dass die Kanzlerin gut mit ‚Testosteron‘ versorgt ist, wo führte das sonst auch diese schöne Republik hin? Helmut Karasek nimmt das so vermittelte Wissen begierig auf:

Ich lerne aus diesem Vergleich [zwischen Merkel und Schröder], dass die Welt aus zwei Prinzipien besteht, aus dem Weiblichen und dem Männlichen; und dass die Welt beide benötigt, und von beiden starke Ausprägungen und weniger starke Ausprägungen hat. (ab min 34:20)

Merkel und Schröder als ideale Verkörperungen von Weiblichkeit und Männlichkeit, was sind wir doch gesegnet! Aber das beste kommt erst noch. In einem der beliebten Einspielfilmchen werden Männer getestet, ob sie denn Wäsche sortieren können. Können sie natürlich nicht, welch Überraschung. Die redaktionelle ‚Männer-Testerin‘ gibt freundlicherweise auch ein paar Tipps, aber nicht alle halten sich daran:

Red.: Ich hab Ihnen doch gesagt, Sie sollen die Zettel lesen.
Mann: Ja, ich kann net alles lesen. […]
Red.: Frauen müssen das auch.
Mann: Ja, deswegen haben wir ja Frauen.
beide lachen dreckig
Red. (strahlend in die Kamera): Macho des Tages. (ab min 53:25)

Der schon ergraute Anzugträger zeigt deutlich, wo Frauen seiner Meinung nach hingehören und seine Weltsicht scheint weithin akzeptabel zu sein, wenn sie in der ARD zur besten Sendezeit unkritisch reproduziert werden kann. Dass solch platten Ansichten eine öffentliche Plattform geboten wird, erschüttert mich. Andererseits weiß ich aus eigener Erfahrung, wie bereitwillig auch jüngere Männer Sexismen und Stereotype reproduzieren. All dies ist noch lange nicht überwunden. Eine bittere Bilanz nach einer Sendung, die eigentlich der Frage nach neuen Männlichkeiten und der Rolle von Vätern gewidmet sein sollte.

Neben den Genannten sind Katrin Müller-Hohenstein (ZDF), Robert Habeck (Bündnis 90/ Die Grünen) und Ursula Engelen-Kefer (DGB) echte Lichtblicke. Ohne diese Drei hätte ich die 75 min niemals durchgestanden. Aber im nachhinein sind selbst mir ihre Beiträge weniger präsent als die der oben zitierten grauen Herren. Kein gutes Zeichen!

Schnipp Schnapp – Gerechtigkeit ab

Gestern habe ich mich vor allem über die Darstellung des Themas Lohndiskriminierung im ZDF aufgeregt, heute möchte ich noch ein paar eigene Gedanken anknüpfen, die auf zwei Vorträge im Rahmen der Gender Lecture an der HU im letzten Semester zurückgehen. Im Oktober hat Friederike Maier über Determinanten des Gender Pay Gap im internationalen Vergleich gesprochen. Dabei wurde deutlich, dass eine Vielzahl von Bedingungen auf die durchschnittlich geringe Bezahlung weiblicher Arbeitskraft hinwirkt und die meisten Erklärungsversuche für den Abbau ungerechter Strukturen wenig hilfreich sind. Als Fazit der Diskussion bleibt für mich die Forderung, traditionell Frauen zugewiesene Berufsfelder und gesellschaftliche Aktivitäten aufzuwerten und ihre Vergeschlechtlichung zu durchbrechen. Aber wie?

Vier Wochen später sprach Hermann Gartner über Tarif und Betrieb – Determinanten des Pay Gap im Handlungsbereich der Sozialpartner. Es ging leider nicht um Aushandlungsprozesse und Tarifgruppenzuordnungen in den Tarifverhandlungen, wie ich erwartet hatte. Dafür wurde sehr deutlich dargestellt, dass die Betriebsstruktur und das Vorhandensein bzw. Nicht-Vorhandensein von Tarifbindung und Betriebsräten das Ausmaß der Einkommensschere beeinflussen. Es besteht ein statistischer Zusammenhang, aber wie genau die Mechanismen wirken und wie daran anknüpfend gehandelt werden kann, ist leider nicht abzuleiten. Mir ist vielmehr deutlich geworden, dass selbst in tarifgebundenen Unternehmen mit Betriebsrat neben vielen anderen Faktoren ein ‚unerklärlicher‘ Rest  an Lohndiskriminierung bleibt. Außerdem ist es wichtig, dass diese Differenzierung nur für den Westen unserer schönen Republik hergestellt werden kann, wo zum Zeitpunkt der Erhebung 80% aller Beschäftigten in tarifgebundenen Betrieben tätig gewesen sind. Für den Osten fehlen entsprechende Untersuchungen, Tarifgebundenheit ist dort viel weniger verbreitet, aber dennoch die Einkommenschere kleiner. Das ist wirklich mal eine Forschungslücke!

Liebes ZDF, liebe Mona-Lisa-Redaktion! In allen vier Vorträgen der Reihe sind wichtige Punkte angesprochen worden und von allen sind im Netz Zusammenfassungen zu finden. Von einem ‚Frauenmagazin‘ erhoffe ich mir eine gewisse thematische Expertise, also auch die Kenntnis der Seite des Gender Kompetenz Zentrums.  Ein bisschen Recherche und der Wille tiefer zu blicken als Boulevardzeitungen – ist das wirklich zuviel verlangt? Wenn ja, dann gute Nacht, denkende Zuschauer_in!

Mona Lisas Lächeln kann ich nicht erwidern

Langsam macht es den Eindruck, als hinge ich nur an der Glotze. Aber was mir an diesem Wochenende wieder geboten worden ist, kann ich nicht unkommentiert lassen. Einer meiner ‚Lieblings’sender, das ZDF, hatte mal eine Frauen-Sendung mit interessanten Beiträgen: Mona Lisa. Sie hat nicht immer meinen Geschmack getroffen, deshalb hat es mich gestern auch nur aus Versehen erwischt. Einen Beitrag zur Lohnungleichheit sollte es geben.

Ein Thema, das immer wieder gerne diskutiert wird, z.B. letzte Woche bei der Mädchenmannschaft. Auch dort ging es, wie in dem Mona-Lisa-Beitrag, um einen EU-Vergleich zum Thema Geschlechtergerechtigkeit, bei dem Deutschland  – wieder mal – unterdurchschnittlich abgeschnitten hat. Bei Mona Lisa – und nicht bei der Mädchenmannschaft! – hieß es: 23 Prozent weniger Gehalt für die gleiche Arbeit, im Bild derweil diese Information als Schlagzeile einer Tageszeitung. Welche ist nicht zu erkennen, aber das Layout lässt auf BILD-Format schließen. Diese dummdreiste und massive Vereinfachung ist eine offensichtliche Fehlinterpretation der Ergebnisse, aber leider nur die Spitze des Eisberges.

1 ½ Minuten haben sich die Mona-Lisa-Macher_innen Zeit genommen und lassen ‚unseren Mann‘ aus dem Off sprechen, der uns Frauen erklärt, wo es langgeht. Wir wählen die falschen Berufe und sind zu nett. Wer Männergehälter wolle, müsse sich eben auch manchmal wie einer verhalten. Als Positivbeispiel wird Angie genannt, sie habe schließlich Kanzlerin gelernt. Viel stereotyper und eindimensionaler kann das Problem, glaube ich, nicht angegangen werden.

Am besten ist aber der Vergleich mit anderen EU-Staaten. Estland und Zypern werden als Länder genannt, die noch schlechter abschneiden als Deutschland. Die Ösis hat ‚unser Mann‘ wohl einfach vergessen? Sie sind mit 25,5 Prozent auf dem vorletzten Platz, die Ursachen klingen ganz ähnlich wie bei uns und ich frage mich, wie diese Statistik wohl ohne die neuen Bundesländer aussähe. Die weit im Süden und im Osten sind nicht nur geographisch am Rand, sondern in dieser Statistik ganz unten. Aber zum Glück gibt es ja Italien, das die Liste mit 4 Prozent Lohndifferenz anführt. ‚Unser Mann‘ meint dazu, wenigstens dort gehe es halbwegs gerecht zu. Kann er (oder die Mona-Lisa-Macherinnen) sich wirklich nicht an die Statistiken zur Frauenerwerbstätigkeit im EU-Vergleich erinnern? Da steht Italien immer ganz unten. Das heißt, es arbeiten wenige, die sind aber gut qualifiziert und verdienen deshalb auch vergleichsweise gut. Denn hier ist noch mal der Vergleichsmaßstab wichtig: es werden alle Erwerbstätigen nach Geschlecht differenziert, die Durchschnittsverdienste für beide Gruppen errechnet und dann verglichen.

Aber soviel Tiefgang und Nachdenken ist der Redaktion leider nicht zuzutrauen. ‚Unser Mann‘ ist wohl eine Rubrik, in der auch mal ein Mann zu Wort kommen soll. Aber was er in dieser Woche zu sagen hat (keine Ahnung, wie das sonst ist), ist echt erbärmlich. Der Beitrag ist in jeder Hinsicht sexistisch. Die Problematik der Lohndiskriminierung wird verharmlost und ‚unser Mann‘ erscheint der informierten Zuschauerin ziemlich dämlich, denn es wird sonnenklar, dass er auch mal was sagen will, aber eigentlich keine Ahnung und auch nichts zu sagen hat. Ich überlege die ganze Zeit, ob das ganze vielleicht witzig sein soll und ich es nur nicht raffe. Also wenn: gaaanz schlechter Scherz!

Noch ein Kommentar zum ZDF: Eigentlich möchte ich diese Kritik auch direkt an Mona Lisa herantragen, das ist aber gar nicht so einfach. Eine Mailadresse für’s ganze ZDF, da kommt meine Beschwerde garantiert bei den richtigen an. Und im Forum zur Sendung kann nur posten, wer angemeldet ist. Eine ziemlich hohe Hürde finde ich, aber dennoch gibt es zur letzten Sendung gleich zwei Beschwerden: ‚Warum nennt sich Mona Lisa noch Frauenmagazin?‘ und ‚Müssen Frauen wie Männer sein?‘ sind die Beiträge überschrieben. Die Diskussion hält sich aber in Grenzen und Reaktionen der Redaktion gibt es natürlich auch keine. Es scheint, als interessiere es wenig, was den Zuschauer_innen  gefällt und das motiviert mich wenig, mich anzumelden.

Je mehr Sender, desto schlechter das Programm

Vor einigen Wochen habe ich unter dem Mangel an Fernsehprogrammen gelitten und die mangelnde Qualität der von mir konsumierten Sendungen auch darauf zurückgeführt. Aber seit einer Woche ist alles anders. Dank Satellitenschüssel können wir uns jetzt gar nicht mehr vor Programmen retten. Aber dennoch blieb mir am Freitag nichts anderes übrig, als aus Protest abzuschalten, auf meine Art und Weise: ich habe auf der Couch geschlafen und mein Süßer hat sich berieseln lassen.

Der Grund meines Entschlafens war die Wiederholung von Schmidt & Pocher. Die Witze der beiden sind hin und wieder grenzwertig, aber dass sie den Besuch von Ranga Yogeshwar zu einem Altherrenwitz missbrauchen (bei min 3:40), da fällt mir wirklich nichts mehr ein. Der war so schäbig, da reichte es mir. Während ich schlief, ging es wohl noch schlimmer weiter. Auch das Studiopublikum ist sich langsam zu blöde dafür. Wer seine Gäste  so beleidigt, braucht sich nicht zu wundern, wenn die irgendwann nicht mehr mitspielen. Aber wie die titanic meldet, wird mit dem neuen Wirtschaftsminister alles wieder gut. Adel verpflichtet!

Tja, weiter ging’s zum Bundesvision Song Contest bei Pro7, auch diesen Sender haben wir einige Zeit entbehrt – aber nichts verpasst. Ausgerechnet die Schalte nach Baden-Württemberg bot den Rahmen für einen sexistischen Übergriff, der wohl kein Ausrutscher war, sondern System hat, wie z.B. bei der Mädchenmannschaft zu lesen ist. Dort bemühen sie sich auch stets um einen aktuellen Link zum Video, das den Busengrapscher zeigt. Ausgerechnet unser schöne Ländle muss für so was herhalten! Was für eine Schande! Bei den Öffentlich-rechtlichen wäre das schon wegen der kirchlichen Sittenwächter wohl nie passiert! Diesen Radiosender hatten wir übrigens noch gar nicht entdeckt, aber er ist wohl auch keiner Entdeckung wert. Dies ist nur ein weiteres Schlaglicht auf die marode Mediensituation hier bei uns.

Am Donnerstag habe ich aus Versehen auch mal Germany’s Next Topmodell reingeschaut. Was für ein Fehler. Läuft eine offensichtlich Magersüchtige auf Heidi zu, was sagt die? „Du bist aber gut durchtrainiert!“ Da bleibt mir echt die Spucke weg. Das ist nicht nur Verblödung, sondern auch gefährlich, denn so werden ungesunde Körpermaße schöngeredet und durch das Zeigen normalisiert.

Kein Gott, nicht mal ein Schalk

Danilola hat schon über die Ekel-Wette bei „Wetten, dass …?“ in der letzten Woche und die Reaktionen darauf (viel schneller als ich) berichtet. Mangels Alternativen sind wir dabei am ZDF kleben geblieben, keine gute Entscheidung. Aber nicht nur deshalb. Gottschalk hat seine besten Tage definitiv hinter sich. Allein wie er bei der Ankündigung sein jahrelanges Warten auf diese Wette ausbreitet, und nein, er kann sich auch nicht enthalten, den Bezug zum Dschungelcamp selbst herzustellen. Und das alles natürlich nur für seine Zuschauer_innen, die eben nicht mal geradeaus denken können.

Über das unselige Interview mit Reich-Ranicki nach dem Eklat beim Deutschen Fernsehpreis habe ich mich noch immer nicht abgeregt. Nicht nur, dass der alte Mann weniger Zeit und weniger Gesprächspartner hat als versprochen, Gottschalk okkupiert auch noch einen Großteil der Redezeit, um seine eigenen Ansichten über das Publikum zu verbreiten. Darauf hätten alle gut verzichten können. Reich-Ranicki stehe für eine Elite, der der gute Moderator nicht folgen könne, vor allem weil sein noch viel blöderes Publikum dann gar nicht mehr einschalten würde. Gottschalk verteidigt offen die Volksverdummung in den Medien. Die Zuschauer_innen wollten es ja nicht anders.

Dieses Gerede kann ich wirklich nicht mehr ertragen. Wer braucht 5 Zoosendungen jeden Nachmittag? Wen interessiert das Leid all der Familien, die ihre intimsten Lebensumstände im Fernsehen ausbreiten wirklich? Egal mit wem ich rede, alle finden das Programm unter aller Sau. Geguckt wird trotzdem, aber daraus zu schließen, das Niveau könne gar nicht niedrig genug sein, ist doch ein bisschen dämlich. Mit der Wette vom Samstag hat Gottschalk gezeigt, was er von seinem Publikum hält. Viele haben zum Glück (und wahrscheinlich, weil sie mehr als 8 Sender haben) ihre Fernbedienung benutzt und weggeschaltet. Vielleicht kapiert Gottschalk ja, was sein Publikum ihm damit sagen will, aber ich habe da ja so meine Zweifel.

Aber auch das ist noch immer nicht alles. In der Sendung sind mir immer wieder so Anspielungen und Kommentare aufgefallen, die die stereotypen traditionellen Geschlechterrollen manifestieren. Es sei doch gut, dass Seal auch mal als Sänger auftrete, damit er sich als Mann in der Familie behaupten könne. Und lauter so andere Scherze immer in diese Richtung. Gottschalks penetrantes Verhalten seinen weiblichen Gästen gegenüber wird von switch! aufs Korn genommen. Diese Satire funktioniert, obwohl sie nur wenig übertreibt. Ein Armutszeugnis für den Parodierten, wie ich finde. Am besten kommen aber die Blumensträuße für die Frauen am Ende der Sendung. Da frage ich mich jedesmal, ja wozu? Dieses Ritual ist bei youtube gut zu sehen, davor eine Ankündigung, die leider nur ein Aprilscherz war. Hat gar keiner gelacht, warum nur? Was sucht so jemand noch immer so prominent bei einem öffentlich-rechtlichen Sender? Den bezahlen wir mit unseren GEZ-Gebühren. Wenn das nichts sinnvolles ist!

Schaut mal … der SWR als Sittenwächter

Im Südwesten herrscht noch Moral und damit auch der Rest des Landes was davon hat, gibt es den SWR-Rundfunkrat. Die taz berichtet von den entrüsteten Reaktionen auf Olli Pochers Stauffenberg-Auftritt und fasst einmal kurz zusammen unter welch hochwertigem Programm wir hier leiden. Ein altbackenes Drittes ist schon schlimm genug, aber wenn die katholische Kirche eine eigene Vertreterin in diesen Rundfunkrat  entsendet, wundert mich nichts mehr. Bleibt nur zu hoffen, dass die Südwestlobby in der ARD keine Mitstreiterinnen findet. Dabei geht es weniger um eine Verteidigung Olli Pochers, als vielmehr um die Entblödung des SWR, die einfach nur zum Lachen ist. Danke, taz!

Schaut mal … die Schwaben

Sie können alles, außer hochdeutsch, unsere Schwaben. Wie charmant so ein Dialekt sein kann, hat der SWR letzte Woche gezeigt. Für alle, die diese Sternstunde der Fernsehkunst verpasst haben, gibt es die Sendung dankenswerterweise in vier Teilen bei youtube zum Nachgucken. Darauf gestoßen bin ich durch einen Link zu Obama als Schwabe. Der kann eben alles, der Obama, auch schwäbisch. Und er wohnt auch ganz in der Nähe, hat nur die falsche Hausnummer.

Puscheln, was das Zeug hält

Heute gibt es einen echten Kracher, endlich ein Format im Fernsehen, mit einem Titel schöner wie geht. Gäb’s das nicht schon, müsste ich es erfinden. Heute 23:35 Uhr im SWR und SR: die erste Folge von Puschel TV, der Sendung mit Alfons und dem Puschel. Ich bin schon ganz puschelig!

Schaut mal … das Phantom

Pünktlich zur Ausstrahlung einer Reportage über das ‚Heilbronner Phantom‘ in der ARD (heute 21:00) gibt es auch in der Lokalpresse eine wichtige Nachricht: die ausgesetzte Belohnung für erfolgreiche Hinweise zur Festnahme des ‚Phantoms‘ soll erhöht werden. Die Frau ist nur durch DNS-Spuren bekannt. Gegen sie wird im Heilbronner Polizistenmordfall und europaweit im Zusammenhang mit einer Vielzahl anderer Verbrechen ermittelt. Außerdem sind, wie stimme.de berichtet, zwei Männer, die die Frau kennen sollen, wieder auf freiem Fuß, ohne Angaben über ihre Identität gemacht zu haben.

Aus einer wissenschaftskritischen Perspektive ist dieser Fall besonders interessant, weil hier sichtbar wird, wie mit Hilfe von Wahrscheinlichkeitsrechnung und genetischen Verfahren Identität erzeugt wird. Außerdem ist auf die Bedeutung zu verweisen, die dem  der Person zugewiesenen Geschlecht beigemessen wird.

Nachtrag: Jetzt habe ich es gesehen – wirklich sehr mysteriös das Ganze. Und doch habe ich das Gefühl, dass die Ermittlungen gerade durch die angenommene Eindeutigkeit der DNS-Analyse behindert werden. Alle haben den Eindruck, die Person beschreiben zu können. Haben Zeugen einen Mann gesehen, kann es nicht das ‚Phantom‘ gewesen sein. Die Uneindeutigkeit chromosomaler Zuordnungen von Geschlecht wird nicht einmal in Betracht gezogen. Genauso wie die Möglichkeit, dass mehrere Personen die gleiche DNS haben könnten.

Ich habe auch den Eindruck, dass die Brutalität der Verbrechen besonders betont wird, weil es sich um eine TäterIN handeln soll. Das Verhalten des ‚Phantoms‘ passt so gar nicht zu unseren schönen Geschlechterstereotypen. Aber vielleicht ist genau das der Schlüssel? Ich will nicht behaupten, dass es so ist, aber ich finde es fahrlässig, dass diese Möglichkeit nicht einmal in Betracht gezogen wird. Zumindest nicht öffentlich – könnte natürlich auch eine Ermittlungsstrategie sein…

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