Feministische Politik|Wissenschaft 1968-2008

Bevor es nach dem Wochenende wieder nach Berlin geht, will ich hier noch, wie versprochen meine Eindrücke von der Tagung niederschreiben, die nun auch schon zwei Wochen her ist. Am OSI ist ja immer so einiges los, gerade aber nicht so Gutes: die feminstische Politikwissenschaften – in den 1990ern ein Aushängeschild des Instituts – sind dort quasi am Aussterben. Mit dem Ausscheiden Brigitte Rauschenbergs fiel eine in den 1980ern hart erkämpfte Professur, die durch Gehaltsverzichte anderer Professoren am OSI finanziert wurde, weg. Engagierte Studierende und einige Wissenschaftler_innen haben deshalb diese Tagung organisiert, die am 31. Oktober stattgefunden hat.

Morgens hielt Brigitte Rauschenberg, die bis letztes Jahr die sogenannte ‚Gender-Professur‘ am OSI innehatte, einen wirklich lohnenden Vortrag. Unter dem Titel Gleichheit, Differenz, Freiheit? gab sie einen Überblick über die Entwicklung feministischer Theorie im 20. Jahrhundert. Die Konzepte Gleichheit, Differenz und Freiheit sind in der Diskussion miteinander und in Abgrenzung voneinander an bestimmte Generationen und die politischen Umstände gebunden. Heute brauchen wir ein Verknüpfung der drei und Räume für Träume, um mehr Feminismus zu wagen.

Im Anschluss an diese inspirierende Vision holte Bozena Choluj mich auf den Boden der (polnischen) Tatsachen zurück. Sie sprach über Die Resistenz der polnischen Geschlechterpolitik nach 1989, hat mich aber zum Glück am Ende mit einigen Beispielen politischer Aktivitäten von Frauen in Polen wieder aufgemuntert.

Den letzten Vortrag des Tages hielt Petra Rostock über Familie – Arbeit – Migration. Bezahlte Hausarbeit als (post)modernes Abhängigkeitsverhältnis. Sie hat die Ergebnisse ihrer qualitativen Studie über Haushaltshilfen in Akademikerhaushalten vorgestellt und zunächst mit einem Podium, später mit dem Publikum diskutiert.

Diese Diskussion fand ich recht einseitig. Da saßen einige Akademikerinnen, die ihr (schlechtes) Gewissen beruhigen wollten und haben diese wissenschaftliche Frage auf einem rein persönlichen und moralischen Niveau diskutiert. Dabei ist die Frage ‚Darf ich eine Polin bei mir putzen lassen?‘ eben keine wissenschaftliche. Es geht auch nicht darum, Hausarbeit mal allgemein zu beforschen (wäre sicher interessant), sondern um die sozialen und politischen Implikationen solcher Praktiken. Letztes Wochenende habe ich dann eine Reportage über Osteuropäerinnen gesehen, die  nach Deutschland kommen, um hier Pflegebedürftige zu Hause zu betreuen. Angesichts solcher Beschäftigungsverhältnisse erscheint mir die Diskussion bei der Tagung noch einseitiger. Migrantinnen putzen nicht nur für Akademikerinnen, sondern  pflegen auch unsere alten und / oder kranken Familienmitglieder. Hausarbeit und Pflege sind Reproduktionsarbeit, aber das eine ist schon richtig teuer, während das andere noch immer häufig unbezahlt bleibt. Wäre es nicht wichtig, diese beiden Sphären als verknüpft zu betrachten und dennoch differenziert zu analysieren und zu gewichten? Das (selbst)kritische Potential einer solchen Perspektive ist bei der Diskussion an der FU nicht zum Tragen gekommen.

Abends wurde in einer abgewandelten Podiumsdiskussion über die aktuelle Situation am OSI und Veränderungsmöglichkeiten diskutiert. Leider kann ich nicht wirklich eine positive Bilanz ziehen, es war – wie so oft – wichtiger, auf Erreichtes und alte Kämpfe zu verweisen und Begriffe zu diskutieren, als neue Strategien zu entwickeln und kritische Inhalte zu fördern. Dass die feministische Politikwissenschaft am OSI schlecht dasteht, wusste ich vor der Tagung, aber Impulse, was dagegen getan werden kann, die ich mir erhofft hatte, haben sich leider nicht ergeben. Ich hoffe, dass das für die Leute, die dort arbeiten und studieren, anders ist und sie es schaffen, etwas an der unbefriedigenden Situation zu ändern.

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