Neidvoller Blick zu den Ösis

Seit ich diestandard.at kenne, frage ich mich, wieso es so etwas in Deutschland nicht gibt und es mir auch ganz undenkbar erscheint. Und gerade habe ich das ORF-In-Memoriam für Johanna Dohnal gesehen und bin schon wieder ganz neidisch. Wo ist eigentlich die deutsche Frauenministerin, die so mit ihrem Amt identifiziert werden kann? Rita Süssmuth ist da sicher kein schlechter Name, aber sie ist viel früher kalt gestellt worden als Dohnal und hat insofern auch weniger im allgemeinen Bewusstsein verändern können.

Und was kam danach so? Pünktlich nach jeder Wahl durfte eine Neue  ins Ministerium einziehen und nicht jede von ihnen ist aus feministischer Überzeugung Frauenministerin geworden.  Diese Voraussetzungen sind wenig geeignet, Identifikation zu stiften oder die Ministerinnen in die Lage zu versetzen, viel zu erreichen. Gerade bei den CDU-Angehörigen zeigt sich dann auch noch:  sobald es möglich ist, wird das Ressort verlassen und eine ‚echte‘ Aufgabe übernommen. Angie machte dann doch lieber auf Umwelt und Uschele war auch ganz scharf auf die Arbeit.

Und angesichts unserer Neuen im BMFSFJ bekomme ich fast schon graue Haare. Schon beim Amtsantritt und nach ihren ersten Äußerungen war klar, dass das gar nicht geht. Aber jetzt: heiraten – ok. Aber wieso muss sie jetzt den Namen ihres Mannes annehmen? Das Heiraten funktioniert auch ganz ohne. Wenn es so wichtig ist, einen gemeinsamen Namen zu tragen, kann es ja auch der der Frau sein. Vor allem angesichts der Tatsache, dass die Wahl zwischen den Allerweltsnamen Köhler (wie der aktuelle Bundespräsident) und Schröder (wie ein Altkanzler) wohl nicht nach ‚Schönheit‘ entschieden werden kann.  Nicht mal das ‚ö‘ ist sie losgeworden, für internationale Kontakte hätte das ja immerhin ein Grund sein können. Also, alles in allem ein extrem traditionelles Zeichen.

Auch wenn die Entscheidung über den eigenen Namen eine ganz persönliche Sache ist und sie damit wohl länger leben muss als mit dem Amt, steht sie in einer ganz besonderen Position in der Öffentlichkeit und reflektiert das anscheinend nicht mal. Sie setzt ein Zeichen und es wird für junge Frauen damit wieder ein Stückchen schwerer, ihre Entscheidung für den eigenen Nachnamen zu vertreten. Denn jede kann jetzt mit der Frage konfrontiert werden: wenn nicht einmal die Frauenministerin es für nötig hält, für wie wichtig hälst du dich eigentlich? (Ich weiß schon, was ich darauf antworte.)

Und auch in dieser Frage wird am Beispiel Johanna Dohnals deutlich, wie eine andere Positionierung der (ehemaligen) Frauenministerin Zeichen setzt. Sie ist schon wenige Wochen nach der Einführung in Österreich eine eingetragene Partnerschaft mit ihrer Lebensgefährtin eingegangen. Rechte erkämpfen und sie nutzen, das ist die Lehre, die wir alle aus ihrem Leben ziehen können.