Schaut mal … fromme Wünsche

Unter diesem Motto und mit einigen kritischen Kommentaren postet die denkwerkstatt einen leider sehr treffenden Comic zur Chancengleichheit von Männern und Frauen. Auch wenn das ganze zweigeschlechtlich aufgemacht ist, funktioniert der sicher auch mit allen anderen Abweichungen vom weißen, gesunden Mittelschichtsmann.

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Überall diese Haare V

Letztens der Titanic-Startcartoon über einen Herrn Walser. Sachdienliche Hinweise, die den Witz dabei erklären, muss ich leider schuldig bleiben. Aber darum geht es auch nicht. Spannend ist eher, wie hier Augenbrauen als identitätsstiftendes Merkmal gesetzt werden. An den Haaren hängt doch letztlich alles. Und ich frage mich auch, inwieweit Geschlecht hier eine Rolle spielt. Sieht die Frau wirklich am komischsten aus? Oder ist sie eher raus, weil das so ja gar nicht geht und die wuchernden Männer die Krone unter sich ausmachen?

Schaut mal … Lysistrate lebt!

In Kenia haben die Frauen sich offensichtlich von Aristophanes‘ Plot inspirieren lassen und  sind Ende April für eine Woche in den Sexstreik getreten, um die Männer dazu zu bewegen,  die Querelen innerhalb des Landes beizulegen. Athener und Spartaner haben sich in der Komödie relativ leicht beeindrucken lassen und schnell Frieden geschlossen, um wieder Zugang zu ihren Frauen zu erhalten. In Kenia ist das Prozessieren wohl noch beliebter als in Athen, denn dort hat nun ein Mann auf Schadenersatz für den erlittenen Stress und  Schlafmangel geklagt, wie dieStandard.at berichtet. Wenn Aristophanes doch auf diese Idee gekommen wäre… was für ein feiner Stoff für eine weitere Komödie!

Je mehr Sender, desto schlechter das Programm

Vor einigen Wochen habe ich unter dem Mangel an Fernsehprogrammen gelitten und die mangelnde Qualität der von mir konsumierten Sendungen auch darauf zurückgeführt. Aber seit einer Woche ist alles anders. Dank Satellitenschüssel können wir uns jetzt gar nicht mehr vor Programmen retten. Aber dennoch blieb mir am Freitag nichts anderes übrig, als aus Protest abzuschalten, auf meine Art und Weise: ich habe auf der Couch geschlafen und mein Süßer hat sich berieseln lassen.

Der Grund meines Entschlafens war die Wiederholung von Schmidt & Pocher. Die Witze der beiden sind hin und wieder grenzwertig, aber dass sie den Besuch von Ranga Yogeshwar zu einem Altherrenwitz missbrauchen (bei min 3:40), da fällt mir wirklich nichts mehr ein. Der war so schäbig, da reichte es mir. Während ich schlief, ging es wohl noch schlimmer weiter. Auch das Studiopublikum ist sich langsam zu blöde dafür. Wer seine Gäste  so beleidigt, braucht sich nicht zu wundern, wenn die irgendwann nicht mehr mitspielen. Aber wie die titanic meldet, wird mit dem neuen Wirtschaftsminister alles wieder gut. Adel verpflichtet!

Tja, weiter ging’s zum Bundesvision Song Contest bei Pro7, auch diesen Sender haben wir einige Zeit entbehrt – aber nichts verpasst. Ausgerechnet die Schalte nach Baden-Württemberg bot den Rahmen für einen sexistischen Übergriff, der wohl kein Ausrutscher war, sondern System hat, wie z.B. bei der Mädchenmannschaft zu lesen ist. Dort bemühen sie sich auch stets um einen aktuellen Link zum Video, das den Busengrapscher zeigt. Ausgerechnet unser schöne Ländle muss für so was herhalten! Was für eine Schande! Bei den Öffentlich-rechtlichen wäre das schon wegen der kirchlichen Sittenwächter wohl nie passiert! Diesen Radiosender hatten wir übrigens noch gar nicht entdeckt, aber er ist wohl auch keiner Entdeckung wert. Dies ist nur ein weiteres Schlaglicht auf die marode Mediensituation hier bei uns.

Am Donnerstag habe ich aus Versehen auch mal Germany’s Next Topmodell reingeschaut. Was für ein Fehler. Läuft eine offensichtlich Magersüchtige auf Heidi zu, was sagt die? „Du bist aber gut durchtrainiert!“ Da bleibt mir echt die Spucke weg. Das ist nicht nur Verblödung, sondern auch gefährlich, denn so werden ungesunde Körpermaße schöngeredet und durch das Zeigen normalisiert.

Schaut mal … die Schwaben

Sie können alles, außer hochdeutsch, unsere Schwaben. Wie charmant so ein Dialekt sein kann, hat der SWR letzte Woche gezeigt. Für alle, die diese Sternstunde der Fernsehkunst verpasst haben, gibt es die Sendung dankenswerterweise in vier Teilen bei youtube zum Nachgucken. Darauf gestoßen bin ich durch einen Link zu Obama als Schwabe. Der kann eben alles, der Obama, auch schwäbisch. Und er wohnt auch ganz in der Nähe, hat nur die falsche Hausnummer.

Sauberes Schwabenland

In der Vorweihnachtszeit ist die Sauberkeit ein großes Thema gewesen. Auf dem Weihnachtsmarkt sind Sauberkeitskontrollen angekündigt gewesen, über deren Erfolg die Heilbronner Stimme nun berichtet hat. Beim Spaziergang über den Weihnachtsmarkt haben natürlich auch wir auf die Einhaltung der Sauberkeit geachtet. Einen Unterschied zu Berlin habe ich dabei nicht wirklich entdecken können, Kippen etc. hier wie dort. Aber die Hinweise auf die Sanktionen in der Lokalpresse sind schon speziell, und typisch. Dies zeigt sich auch an Alfons, der sich in der letzten Woche bei PuschelTV der schwäbischen Reinlichkeit gewidmet hat: köstlich anzusehen.

O du fröhliche … Bildung

Der Weihnachtsmann ist in diesem Jahr sehr bildungsorientiert gewesen. In meinem Allgemeinwissen klafft eine Lücke bei Humor, die meinem Mann fehlt. So hat er sich bei Loriots Dramatischen Werken im Schillertheater amüsiert und Erinnerungen aufgefrischt, während ich gemerkt habe, dass ich doch einiges kenne und gar nicht mal so ungebildet bin. Ein vergnüglicher Nachmittag an einem sonnigen Dezembertag.

Eine Frage habe ich mir seit Monaten gestellt: wer ist eigentlich dieses Käthchen von Heilbronn? Aber anstatt einfach mal zu googeln, habe die Frage gehütet und immer mal gestreichelt. An Heilig Abend kam die Antwort: Ein Drama von Kleist. Allzu lange hat dieses Geschenk (ein schmaler Band, in dem außerdem Der zerbrochene Krug enthalten ist) nicht gehalten. Entgegen meinen Annahmen geht der Stoff nicht auf eine Legende zurück, sondern ist eine Fiktion Kleists. Das Ritterschauspiel ist weder Komödie noch Tragödie, sondern die gute Auflösung einer Reihe von Intrigen. Am Ende erkennt der Kaiser Käthchen als seine Tochter an und sie heiratet den Ritter, der vor  einer gebrechlichen und Gift spritzenden Braut bewahrt bleibt.

Analysieren möchte ich das lieber nicht und ringe nun mit mir, ob ich nicht doch die Buddybären wieder besser finde. Andererseits ist sie eine Frau, die ihren Weg geht, weil sie weiß, dass es der richtige ist. Dabei ist sie nur ein bisschen zu schüchtern und in den Normen ihrer Zeit gefangen. Auch in der Käthchenparade ist sie letztendlich nur die Reflexionsfläche moderner Sichtweisen, die auf ihrem Körper dargestellt werden. Durch die Vielfalt wird aber eine Bandbreite an Möglichkeiten erzeugt, was ein Käthchen in Heilbronn werden kann. Dies nehme ich als Mutmacher, dass ich die wichtigen Ziele, die dieses Jahr erreicht werden wollen, mit Erfolg meistere.

Von Handtaschen und Topmodells

Gestern Abend habe ich einen schockierten Anruf meiner Mutter erhalten. Sie hatte Frontal 21 gesehen und auch leonie hat im Mädchenblog über die Darstellung einer Panne bei einem Weltraumspaziergang letzte Woche geschrieben. Da habe ich mich mal wieder in der Mediathek des ZDF umgesehen und bei Frontal 21 das gestrige Toll! entdeckt. Soll ja Satire sein, unter dem Motto: Man lernt ja nie aus. Da könnte ich z.B. lernen „Astronautinnen sind so doof wie Fußballer und hessische Landtagsabgeordnete“. Alle drei Gruppen sind unter einem gender-Aspekt der Betrachtung wert. Die Satire über den im All verschollenen Werkzeugkasten ist zumindest auch NASA-feindlich, aber dass der Verweis auf die Landung der Astronautin mit einem in einem Fenster „parkenden“ Auto illustriert werden muss, macht die ganze Satire kaputt und reduziert die Aussage auf ihr (ursprüngliches?) sexistisches Maß. Auch die Fußballer kommen nicht viel besser dabei weg. Thorsten Schäfer-Gümbels Schlagabtausch mit Roland Koch bewegt sich auf einem sehr merkwürdigen Niveau, ich habe noch nie viel davon gehalten, das Äußere von Politiker_innen zu sehr in den Fokus zu nehmen. Mal abgesehen von den Implikationen, derer sich die beiden Herren bedienen – Germany’s Next Topmodel, das ist was für Frauen und total oberflächlich – bleibt es mir verschlossen, warum am Ende noch mal Andrea Ypsilanti gezeigt werden muss, die lacht und nichts zu sagen hat. Auch weil auch ich nicht darauf verzichten kann zu denken: DEN Wettbewerb würde wohl eindeutig SIE für sich entscheiden – aber darum geht’s ja nicht.

Sind wir also zu Recht schockiert über Sexismus oder muss und soll Satire so sein? Satire soll den Finger in die Wunde legen und die Tendenz, Frauen vor allem und zuerst immer als Geschlechtswesen anzusehen, wird durch die Überspitzung hoffentlich auch kritisiert. Viel schlimmer fände ich einen solchen „Handtaschenbericht“ in nicht als Satire gekennzeichneten Programmabschnitten, und auch die soll es  wohl gegeben haben. Und trotzdem kann ich mich des Verdachtes nicht erwehren, dass einige in der  Frontal 21-Redaktion besonders an sexistischen Scherzen auf Kosten von Frauen ihren Spaß haben. Wenn solche Vorlieben ein Leitmedium prägen, na dann gute Nacht!