Mit wem will ich hier eigentlich diskutieren?

Das frage ich mich schon länger, immer dann, wenn hier komische Kommentare eintrudeln, die ich nicht so richtig einordnen kann, weil sie rumpöbeln, nicht konstruktiv sind oder darauf angelegt, andere Bloggerinnen zu diffamieren. Auch wenn hier nicht so viel Verkehr ist und ich deshalb froh bin, wenn jemand antwortet, will ich mich nicht mit jedem Erguss auseinandersetzen müssen. Das ist mein Blog – mein Wohnzimmer und da lasse ich niemanden rein, der mir auf die Couch kackt. Auch bei Hunden bin ich da gnadenlos. (Nur falls jemand fälschlicherweise glaubt, ich könnte Tierfreundin sein und deshalb mit zweierlei Maß messen.)

Aber manche Argumentationen beschäftigen mich dann doch, weil sie einfach zu hohl sind. Es ist spannend, dass aus maskulistischer Ecke letztlich immer die ewig gleichen ‚Argumente‘ kommen:

  • Zwangsdienste
    Ich bin Pazifistin, Zwangsdienste find ich echt blöd, aber dagegen sollte kämpfen, wer davon betroffen ist.
  • Tod: früh, im Krieg, beim Unfall, durch die eigene Hand
    Das hat was mit der Lebensweise zu tun (Klosterstudie!), ich habe nichts dagegen, wenn die geändert wird und strukturelle Ursachen bekämpft werden. Aber ein ‚Frauen jetzt sterbt doch auch endlich früher!‘ wird wohl kaum die Lösung sein. Wer verzichtet schon freiwillig auf Vorteile?
  • Sorgerecht und Unterhaltsregelungen nach einer Scheidung oder bei unverheirateten Eltern
    Sind ein echtes Problem, weil leider viel zu oft nicht das Kindeswohl im Zentrum steht, weder vor Gericht noch bei der individuellen Positionierung der Eltern. Weniger Klischee und mehr Einzelfallbetrachtung helfen hoffentlich.
  • Bildungsmisere: die armen Jungen
    Es läuft grundsätzlich was schief im Bildungssystem. Das sehen wir auch daran, dass Jungs dort z.T. benachteiligt werden. Aber es läuft auch grundsätzlich was schief in der Berufswelt, dass sehen wir daran, dass Mädchen trotz besserer Leistungen in der Schule danach nicht aufholen. Das Verhältnis von Schule, Beruf und Gesellschaft ist ganz und gar nicht in Ordnung. Darunter leiden alle, nicht nur Jungs.

Heute hab ich mal was neues gelesen:

  • kein aktives und passives Wahlrecht bei der Wahl von Gleichstellungsbeauftragten
    In Berlin heißen die ja Frauenbeauftragte. Wenn das mal kein Grund ist. Aber wo ist da jetzt der Skandal? Das ist vor allem zusätzliche Arbeit und aus meiner Erfahrung hält sich die Macht auf dieser Position auch in Grenzen.
  • Ausschluss von den Fördermillionen in Frauentöpfen
    Da kann ich nur polemisch werden: solange die ‚allgemeinen‘ Töpfe immer noch als Ressource behandelt werden, die hauptsächlich unter Männern aufgeteilt wird, bleibt da wohl nichts anderes übrig. Das habe ich an der Uni einfach zu oft gesehen: ’normale‘ Stellen werden mit Männern besetzt, und die eine Frau, die es über die begrenzten (!) Mittel der Frauenförderung schafft, wird dann auch noch als Quotenfrau abgestempelt. Nein, danke.
    Ich glaube kaum, dass das Institut, an dem ich studiert habe, eine Ausnahme ist. Vor 6 Jahren gab es bei 14 Professuren eine einzige Juniorprofessorin. Seitdem sind 7 Professuren neu besetzt worden. Sage und schreibe zwei Frauen sind unter den Berufenen. Zwei von drei dieser Stellen sind durch Mittel der Frauenförderung finanziert. Und das bei einem Studentinnenanteil von 50 Prozent. Diese Übermacht an Vorbildern motiviert ungemein. Das ist für angehende Wissenschaftler unten den Studenten natürlich toll.

Also, liebe Herren, wie ich schon in einem Kommentar schrieb: den Blick auf eigene Privilegien zu lenken und einzugestehen, dass sie anderen Nachteile bereiten, tut weh. Fasst euch ruhig mal an der eigenen Nase, bevor ihr auf andere einprügelt. Denn ich werfe das nicht den Männern vor, die die Stellen bekommen haben. Die sind hochqualifiziert und haben es alle verdient, aber ich frage mich doch, ob tatsächlich keine Frau genauso oder besser für den Job geeignet gewesen wäre. Und wer das entscheidet, also welche Maßstäbe an Exzellenz angelegt werden. Jetzt bin ich gleich drin in der Bildungsdebatte, das hat hier aber nix zu suchen.

Es ist wichtig, diskriminierende Strukturen und Praktiken aufzudecken, die dazu führen, dass ich mich immer wieder frage: in welcher Welt möchte ich eigentlich leben? Interessenpolitik für einzelne Gruppen ist unerlässlich, aber am Ende bleibt nur ein Aufeinanderzugehen, um einen gerechten Interessensausgleich zu schaffen. Dabei maße ich mir nicht an, für andere und ihre Interessen zu sprechen, denn das entmüdigt diejenigen, denen ich unterstelle, dass ihre Situation verändert werden müsse.

PS: Eh jemand auf die Idee kommt, die

  • ‚ungerechte‘ Geschlechterverteilung auf dem Arbeitsmarkt (à la Männer schuften, Frauen wollen Rosinen picken) anzubringen:
    Nee, meine Lieben. Was Krankenschwestern den ganzen Tag und nachts heben und bewegen, dass ist ein echter Knochenjob, deshalb sind Krankenpfleger auch so gern gesehen. Bei der Müllabfuhr ist es sicher nicht weniger anstrengend und es stinkt auch, aber die Entschädigung (sprich: Bezahlung) ist deutlich höher.

PPS: Das wollte ich schon lange mal loswerden. Sich gegenseitig mit Vorwürfen zu bewerfen und mit ‚Argumenten‘ zu bombardieren ist keine Kommunikation. Und das ist es, was ich mir vorstelle: Kommunikation, respektvoll und mit Interesse für den Standpunkt der anderen Seite. Für alles andere stehe ich nicht zur Verfügung, da bleibe ich lieber alleine in meinem Wohnzimmer und mache es mir bei Tee und Kerzenschein gemütlich, in meiner Ecke des Internetzes.

Die schönen Seiten des Frauentages

In diesem Jahr hatte ich einen Frauentag voller Sonnenschein: während einer weiten Zugfahrt hat sie mich nur selten verlassen und sich bis nach Berlin locken lassen. Im Süden lag noch Schnee: das alles hatte Potential meinen legendären Moskauer Frauentag zumindest zu imitieren. Und das abendliche Treffen mit wunderbaren Frauen in fast gleicher Besetzung ließ alle Erinnerungen wieder aufleben. So bin ich sehr gelungen angekommen.

Aber der Tag hatte schon gut angefangen: mit der Nachricht über den ersten Oscar für eine Regisseurin! Und der viel zitierte Kommentar Barbra Streisands, die ihn an Kathryn Bigelow überreicht hat, darf auch hier nicht fehlen:

Well, the time has come…

Die Zeit ist reif, und zwar nicht nur dafür. Erst heute habe ich entdeckt, dass diese Seite bei den Vorschlägen für die 100 deutschsprachigen Bloggerinnen gelandet ist. Danke an Ben dafür. Zu sehen, wie viele Kommentare mit unterschiedlichsten Leseempfehlungen bei der Mädchenmannschaft eingegangen sind, stimmt mich frohgemut. Bis ich es schaffe, mich da durchzuklicken dauert es wohl eine Weile – und hoffentlich noch ein bisschen länger, wenn die verlinkten Blogs gute blogrolls haben. Ja, an meinem kann ich dann auch mal wieder was tun. Ich freu mich drauf!

Frauen und Männer sind ja so unterschiedlich

Ich kann diese Leier nicht mehr hören. Und vor allem will ich nicht damit konfrontiert werden, wenn ich gerade auf einer ganz anderen Baustelle bin. Ich bin auf interessante Projekte im Bereich Coworking aufmerksam geworden und höre gerade den Küchenradio-podcast zum Thema. Also eigentlich geht es um kollaborative Formen des Arbeitens – spannend. Und  im Studio 70 in Berlin, wo das Küchenradio zu Besuch ist, wird außerdem gebaustelt.

Und schwupsi da haben wir den Salat. Irgendwann kommt die Sprache auf Altersdurchschnitt und Geschlecht der Aktiven. Am Tag der Aufnahme sind keine Frauen anwesend, aber Philip, der gerade interviewt wird, will die Werkstatt als offenen Raum verstanden wissen. Er spricht sich offen gegen Geschlechterstereotype aus und berichtet von einem unsäglichen Interview bei Fritz. Ich bin echt enttäuscht von der Art, wie dort Geschlechterstereotype nicht nur reproduziert, sondern auch forciert werden. Philips Kommentar dazu stimmt aber optimistisch, denn am wichtigsten ist es ja, dass die Leute, die es machen, kapieren, wo das Problem liegt:

Wer meint, es sei progressiv zu fragen „Ist das auch was für Mädchen?“, agiert aus einer konservativen Sicht, finde ich.

Konservativ finde ich ja noch milde ausgedrückt. Aber es sind genau solche Fragen, die erst die Vorstellung erwachsen lassen, Technik oder Basteln habe was mit Geschlecht zu tun. Und da komme ich dann zurück zum Küchenradio, dessen werter Vertreter nichts besseres zu tun hat, als genau die alten Stereotype hervorzuholen und noch mal hinauszuposaunen: Mädchen bzw. Frauen spielen eben nicht zwecklos rum, so wie Jungs bzw. Männer das mögen. Das sei seine Überzeugung.

Und Philip kann ihm zumindest in diesem Punkt nicht widersprechen. Ich aber schon. Und frage mich: Ist das alles so zweckfrei, was die Jungs da machen? Es ist idealistisch, Kunst und Experiment – aber Spielen stelle ich mir anders vor. Es geht ja gerade darum, dass hinten auch was raus kommt und das hat stets auch was mit dem ‚echten‘ Leben der Leute zu tun.

Ich habe den podcast zu Ende gehört und bin jetzt wenigstens wieder ein bisschen versöhnt, denn aus dem Hintergrund kommt dann doch Widerspruch. Schon die Kommunikation und die sozialen Räume seien männlich geprägt und insofern eher geeignet, Frauen auszuschließen. Es geht aber eben nicht nur um Frauen, sondern insgesamt darum, offen für Menschen zu sein, die keine Technik-Freaks sind. Diesen Eindruck habe ich vom Studio 70 und  wenn ich mal bausteln statt surfen oder putzen will, weiß ich jetzt, wo ich hingehe.

Grün, ja grün …

Es tut sich was, es tut sich was. Und da finde ich das alte Erscheinungsbild nicht mehr so passend. Das neue Theme  (Thirteen by Beccary) ist doch schön kitschig, angenehm für die Augen und sogar mit Blumen und Schmetterlingen. Wenn das nichts ist. Blogs gestalten ist eine fantastische Ablenkung, wenn eigentlich wichtigere Dinge anstehen. Aber ich sag ja immer: Surfen ist das neue Putzen. Ich erinnere mich noch gut an Zeiten, in denen in solchen Momenten wenigstens die Wohnung geblitzt hat. Und jetzt? Ich bastele und es kommt nicht mal inhaltlich was dabei rum.

Schaut mal .. Frauentags-NachLese

Passend zum großen Feiertag habe ich in den letzten zwei Wochen ein bisschen gelesen. Die zweite Missy liegt ausgelesen in Berlin und ich kann nur sagen: endlich eine ‚Frauenzeitschrift‘, die mich anspricht und ermuntert. Weiter so ihr Lieben! Sonja Eismann, Mitherausgeberin dieser fantastischen neuen Zeitschrift schreibt in der taz über den ‚freien Zwang zur Sexyness’ und natürlich kommen da auch die Haare zur Sprache – also darf ich ihn ganz offiziell lesen, gehört ja zum Thema! Er ist Teil der taz-Sonderausgabe Der neue Sexismus zum Internationalen Frauentag, die ich natürlich käuflich erworben habe, wie jedes Jahr. Einfach mal 12 Seiten am Stück, die Fragen behandeln, die mir wirklich wichtig sind. Immer wieder schön und ich merke, das könnte ich öfter gebrauchen.

Letzten Montag bei Hilde gab es nicht nur einen tollen Film, sondern auch eine Brigitte umsonst. Die habe ich mir natürlich auch ein bisschen zu Gemüte geführt – sie liegt halb gelesen in Berlin. Neben einigen interessanten Beiträgen sind gruselige Werbung und Schrott versammelt, z.B. ein Dossier über ’schöne‘ Männer, in dem die Redaktion ‚Schönheit‘ als objektive Kategorie setzt. Ich will mich gar nicht länger auslassen, und vielleicht ist es sogar eine der besseren Zeitschriften in ihrem Segment – aber ehrlich: nein danke! Ich bin so froh, dass es die Missy gibt, denn sie zeigt, dass es auch anders geht.

Zuletzt noch ein paar Links zu diestandard.at, ein österreichisches Projekt, dass wir eigentlich selbst brauchen. Sie berichten von einer interessanten Spielwiese in Wien, so ein Klappbuch macht bestimmt viel Spaß! In letzter Zeit problematisieren sie in mehreren Artikeln die Einkommensschere und konzentrieren sich dabei weniger auf die ‚Schuld’ der Frauen (wie Mona Lisa) und mehr auf Handlungsspielräume und strukturelle Verbesserungspotentiale – in Österreich natürlich, nicht bei uns.  Die österreichische Frauenministerin spricht sich für transparente Gehälter aus, Prammer erwartet „politische Kraftanstrengung“, Frauen fallen weiter zurück.

Passend zu meinen Frauentagserinnerungen an Moskau gibt es einen Beitrag zum Frauentag in Russland, der es ziemlich genau trifft und die Probleme aufzeigt. Aber bei аеродром.ная hat es mir dann doch einen Schlag versetzt. Die Bilder vom Fotowettbewerb Miss Atom in Russland finde ich richtig schlimm. Auch die taz berichtet darüber unter dem bezeichnenden Titel Störfall Frau.

Schaut mal … Medvedev unterstützt Studierende

Die schlechte wirtschaftliche Lage vieler Studierender in Russland ist jetzt auch dem Präsidenten zu Ohren gekommen. Am Anfang seiner Videobotschaft bedankt er sich für die Kommentare auf seinem blog und erweckt so den Eindruck, er sei dort auf die Misere der Studierenden aufmerksam geworden. Zur Lösung der finanziellen Schwierigkeiten bietet er  zinsgünstige Kredite und die Möglichkeit von kostenpflichtigen auf vom Staat zur Verfügung gestellte Studienplätze zu wechseln. Diese Maßnahmen sind an einen ’normalen‘ Studienerfolg gebunden, also leistungsorientiert. Außerdem schlägt er vor, die Höhe der Studiengebühren zu Beginn der Ausbildungsperiode in Rubel zu fixieren, so dass sie sich  während dieser Zeit nicht durch Kursschwankungen verändern. Medvedev will die Kontrolle der Qualität der höheren Bildungsanstalten verstärken und die Hochschulen bei der Beseitigung etwaiger Unzulänglichkeiten unterstützen.

Ich finde es sehr interessant, dass ausgerechnet dieses Thema so schnell in den Videobotschaften thematisiert wird. Einerseits entspricht das sicherlich dem Interesse des Publikums – viele Studierende sind sicher auch internetaffin. Andererseits macht mir diese Zuwendung auch ein wenig Sorgen. Denn, wenn der Präsident diese Frage so ins Zentrum stellt, frage ich mich, wie schlecht es vielen Studierenden wohlmöglich tatsächlich geht. Medvedev erwartet sicherlich positive Reakionen auf seine Vorschläge. Also lenkt er entweder von den wirklich großen Problemen ab oder er hat die drängenden Schwierigkeiten seines Internetpublikums erkannt und will diese Zielgruppe zufriedenstellen. In jedem Fall sieht es weder für die russische Wirtschaft noch für die Studienden in Russland rosig aus.

Schaut mal … Obamas Blog

Da war ich letzte Woche ganz aufgeregt, wie fortschrittlich Medvedev ist. Aber Everybody’s Darling Obama ist auch da natürlich viel besser aufgestellt. Er hat einen professionell betreuten Blog und will jede Woche eine Videobotschaft veröffentlichen. Wenn ich mich nur an die Präsidenten halte, wird mein Englisch wohl doch noch besser als mein Russisch, zumindest was das Verstehen angeht.

Ein Blick in Obamas Kabinett hat aber doch einen kleinen Schatten auf ihn fallen lassen. Die Bildergalerie der taz zeigt nur zwei Frauen, das finde ich dann doch ein bisschen mau. Qualifizierte Kandidatinnen hat es sicher auch für andere Positionen gegeben. Aber es ist besser, ich erkenne es gleich: niemand ist perfekt, auch nicht der neue, strahlende Präsident der USA.

Schaut mal … Medvedevs Videoblog

Bei svobodanews bin ich auf ein interessante Möglichkeit gestoßen, das Hörverstehen zu trainieren: den Videoblog des Präsidenten der Russischen Förderation. In seinem neuesten Beitrag spricht Medvedev über seinen Skiurlaub und fordert dazu auf, mehr Sport zu treiben und sich so zu erholen. Von 2:20 bis 3:20 min sind ein paar Bilder vom Skifahren und  von ‚Fans‘ zu sehen, denen der Präsident Autogramme gibt. Danach erklärt er, dass seit Jahresbeginn Kommentare hinterlassen werden können und er sie interessiert lesen wird.

Schaut mal … Akunin und Chodorkovskij

Schon etwas länger ist es her, dass ich bei аеродром.ная ein Spiegel-Interview mit Boris Akunin über seinen Briefwechsel mit Michail Chodorkovskij gefunden habe. Der Spiegel hat außerdem schon Anfang Oktober über die verschärften Haftbedingungen Chodorkovskijs nach der Veröffentlichung des Briefwechsels berichtet. Da es kein Problem ist, ihn im Netz zu finden, habe ich mir diesen interessanten Dialog einmal angesehen. Akunin lässt Chodorkovskij zunächst seine Geschichte erzählen, im zweiten Teil diskutieren die beiden die aktuelle politische Lage. Sehr lesenswert! Vielleicht fasst der Spiegel sich ein Herz und veröffentlicht auch das, worüber die ganze Zeit geredet wird?

Geschlechteranalysen

Vor einiger Zeit gab es in der Süddeutschen einen Hinweis auf ein lustiges Spielzeug: den GenderAnalyzer. Er analysiert englischsprachige Blogs und ordnet die Person, die sie verfasst einem Geschlecht zu. Ich habe das mal mit einem zufällig ausgewählten Blog probiert und da hat es auch gestimmt. Das war zwar ganz lustig, aber dann bin ich auf die Statistik gegangen, wie oft er recht hat und das Ergebnis ist wirklich erstaunlich. Die Wahrscheinlichkeit richtig zu tippen liegt bei zwei Alternativen bei 50 Prozent – heute ist das Verhältnis 53 zu 47 Prozent. Nicht gerade besonders herausragend. Der stereotypenbelastete Ansatz der Analyse hat mich nicht gerade jubilieren lassen, aber vielleicht sollte es mich jetzt aufmuntern, dass er nicht mal richtig funktioniert. Wieder mal ein Beleg, dass Stereotype zwar das Leben enorm erleichtern, es aber keinesfalls adäquat abbilden. Es gibt sehr viel mehr Möglichkeiten der Lebensgestaltung, als so manche Analysen uns weismachen wollen – auch und gerade im Netz.