Schaut mal … Medienkritik zur rechten Zeit

Zwei haben es in dieser Woche auf den Punkt gebracht, ohne ahnen zu können, dass ihre Kritik genau zur rechten Zeit kommt: Friedrich Küppersbusch und Arno Frank. Sie kritisieren die oberflächliche Skandalmache in den Medien und das Prinzip, jede Woche eine neue Sau durchs Dorf zu treiben. Vor allem Küppersbuschs Montags-Kommentar bei radio eins hat mir zutiefst aus der Seele gesprochen. Der Eindruck, es gebe nur noch eine Nachricht, wird in dieser Woche besonders gekonnt erweckt, ganz zu schweigen von all den Säuen, die daran angeknüpft durchs Dorf getrieben werden.

Nachtrag, Samstag 15 Uhr

Gerade habe ich zwei Artikel von Luise F. Pusch und Alice Schwarzer über den medialen Umgang mit den Opfern des Amoklaufs gelesen, die mich nachdenklich machen. Ihre Kritik beginnt auf sprachlichem Niveau: es ist von toten Schülern die Rede, dabei wird unsichtbar, dass es 8 Mädchen und ein Junge sind. Diese Diskrepanz und Ungenauigkeit ist mir auch aufgefallen. Beide knüpfen jedoch an die Zahlenverhältnisse die These vom Frauenmord an und schaffen so eine weitere ‚Sau‘ für’s Dorf. Einerseits finde ich es erschreckend, dass diese spezifische Gruppenzugehörigkeit so wenig thematisiert wird, andererseits halte ich monokausale Ansätze zur Erklärung irgendwelcher Zusammenhänge für falsch. Schwarzers Forderungen am Ende des Artikels sind prinzipiell auf das Bildungssystem ausgerichtet und deshalb richtig und gut, dafür sollte es aber nicht eines solchen Massakers bedürfen.

Gestern ist der Medienrummel auch in der taz kritisiert worden. Dabei sind auch zwei Jungen aus einer der 10. Klassen zu Wort gekommen. Die Tür zum Klassenraum befinde sich hinten, alle in der letzten Reihe Sitzenden seien erschossen worden. In ihrer Klasse haben nur Mädchen dort – am nächsten zur Tür – gesessen. Warum auch immer so viele Frauen unter den Opfern sind, dass es in der Berichterstattung unsichtbar gemacht wird, bleibt erschreckend.