Eine Zugfahrt die ist … weiß

Ein bisschen nachträglich hier ein paar Eindrücke von meiner letzten Fahrt:

Trotz Schnee und Kälte muss ich zu meinem Liebsten zurück und dafür mit dem Zug fahren. Das Wetter fordert seinen Tribut: Höchstgeschwindigkeiten adé. Aber bisher läuft alles gut und der Blick aus dem Fenster bietet ein wunderbares Einerlei: weiße Landschaft. Mal fliegen verschneite Tannen direkt am Fenster vorbei, dann wieder blicke ich auf ein eingeschneites Tal. Der einzige Wermutstropfen: es ist trüb – überall in Deutschland, denn diese weiße Pracht auch noch sonnenbeschienen zu genießen, das wäre es natürlich gewesen. Jetzt, da ich diese Zeilen schreibe, folgt ein Tunnel auf den anderen, diese schwarzen Unterbrechungen mindern den Genuss natürlich schon, aber umso erfreuter bin ich, wenn die Schneelandschaften wieder auftauchen.

Advertisements

Ja, wenn es nichts Wichtigeres gibt

Heute ist Welttoilettentag. Diese Nachricht hat mich zuerst schmunzeln und dann in Erinnerungen an lustige Fotoserien schwelgen lassen. Denn außerhalb Deutschlands habe ich schon so manch interessante Toilette benutzen dürfen. Ich bin dann meistens froh, wieder zu Hause zu sein. Andererseits träume ich seit ein paar Jahren von einem eigenen Bidet, wie ich es in Italien und Portugal erlebt habe, – das wäre wahrlich ein Fortschritt.

Die eine oder andere denkt jetzt vielleicht, ‚ja wenn es nichts wichtigeres gibt‘. Aber da kann ich zweifach widersprechen. Mach ich ja am liebsten. Zum einen zeigt der taz-Artikel, den ich oben verlinkt habe, welche Probleme an der Klofront zu bewältigen sind. Gar nicht mal so unwichtig.

Und außerdem passiert hier sonst wirklich nicht viel. Oder besser: entweder ich wirbele durch die Metropolen dieser Welt (leicht übertrieben) oder ich liege lethargisch in der Provinz danieder. Die drei Oktober-Wochen in Paris und Berlin haben mir lang in den Knochen gesteckt. Dabei war die Zeit dort so schön.

Sonnenuntergang auf dem Eifelturm (ganz oben)

Und wegen der langen Pause (schon wieder) dachte ich mir, ich fange einfach irgendwo wieder an und suche nicht länger nach dem wichtigen und letzten Ereignis. Et voilà, meine erste Klostory. Ich kann mir einfach nicht verkneifen, wenigstens ein Klofoto zu zeigen.

Unser blaues Klo in Moskau

Zur Erklärung: so (also mit kaputter Brille) sah es aus, als ich ankam. Meine liebe Mitbewohnerin war zu dem Zeitpunkt gerade auf dem Markt, um dem Problem abhilfe zu verschaffen. Ansonsten aber ein typisches Moskauer Wohnheimklo. Und jetzt, da ich schon mal bei Toiletten und Paris bin, eine kleine Serie: Toilettentüren in einem kleinen Restaurant im Montmatre. Wunderbarer gender-Faktor und die dargestellte Person ähnelt dem Betreiber.

Herren - Schwule - Transsexuelle (m)

Damen - Lesben - Transsexuelle (f)

Die Innenansicht dieser Tür: für alle, die nicht wissen, wo es hin soll...

Bunte Götter in Kassel

Es ist zwar schon eine ganze Weile her und die Ausstellung hat ihre Pforten schon lange endgültig geschlossen, aber ich möchte nun doch noch einer Fahrt von Berlin nach Heilbronn berichten, bei der ich in Kassel ausgestiegen bin, um die Ausstellung Bunte Götter anzusehen, die von März bis Anfang Juni im Kasseler Schloss Wilhelmshöh zu sehen gewesen ist. Eigentlich hatte ich das Ende bereits verpasst und mich damit abgefunden, erst mal keinen Anlass zu haben, in Kassel auszusteigen und mir die Stadt einmal anzusehen. Zugleich hat es mich aber gewurmt, denn es sollte eine Belohnung für die Abgabe der Magistraarbeit sein (ja, damals!). Also habe ich noch mal ins Netz geschaut und siehe da, die Ausstellung war um ein paar Tage verlängert worden, so dass ich doch noch die Chance hatte.

Also bin ich Freitag früh losgefahren und in Kassel aus dem ICE ausgestiegen. Wie der Bahnhof schon versprach, keine besonders anheimelnde Stadt. Ich fühlte ich ein wenig an Heilbronn erinnert – eine alte Kirche und ansonsten mehr oder weniger hübsche Neubauten. In der Information am Bahnhof war mir das auch so angekündigt worden, so dass ich mich ganz auf den Aufstieg zur Wilhelmshöh und den Museumsbesuch konzentriert habe.

Steil bergan geht es zum Schloss und noch weiter durch einen wunderbaren Park bis zur Herkulesstatue auf einem Oktagon. Bis zum Herkules habe ich es nicht geschafft, aber einer der Säle des Museums ist der Gestaltung des Parks und seiner Geschichte gewidmet. Ansonsten hänge da noch die Alten Meister. Der Rembrandt-Saal hat mir wider Erwarten gut gefallen und ein Stillleben hat mich so fasziniert, dass ich einen Ausschnitt als Postkarte erworben habe.

Ich schreibe so viel über das Rundherum, weil die Ausstellung Bunte Götter zwar interessant, aber alles in allem doch weniger ausführlich und spektakulär war, als ich erwartet hatte. Die antiken Statuen, die wir vor allem als Gipsabgüsse kennen und deshalb mit weißer Farbe assoziieren, sind bunt bemalt gewesen. Hautfarbe, Haare, Kleidung sind aufwendig dargestellt worden. Die Gegenüberstellung von weißem Gipsabguss und bunter Rekonstruktion einzelner Statuen hat mir den großen Einfluss, den Farbigkeit auf die Wahrnehmung der Skulpturen hat, deutlich vor Augen geführt. Die Rekonstruktionen basieren auf physikalischen Untersuchungen der Originale, die Farben und Muster erkennen helfen. Jede stellt aber dennoch eine Interpretation dar, wie sich auch in der Reihung verschiedener möglicher Rekonstruktionen der gleichen Statue zeigt. Eine wissenschaftlich exakte und eindeutige Rekonstruktion ist wohl nicht möglich, es erscheint mir aber für die Lai_in weniger relevant, wie die Skulpturen genau aussahen. Die Tatsache ihrer Farbigkeit und die Musterung sind belegt, der Rest liegt und lag im Ermessen der Künstler_innen.

Gastbeitrag: Grüße aus dem Schwarzwald

Heute schreibt mein Liebster exklusiv für drei Hälften über eine schöne Hälfte unseres Lebens: die zurückliegenden Feiertage.

Wie jedes Jahr haben wir aus auch heuer gefragt, was wir bloß am langen Fronleichnam-Brückentag-Wochenende machen sollen. Und so entschieden wir uns, die Gelegenheit zu nutzen, mal den Schwarzwald zu sondieren. Wie letztes Jahr in der Provence habe ich mich auch hier wieder todesmutig an bzw. auf die wildesten Tiere getraut. Wie man auf dem Bild unten sieht, hatte ich noch gute Erinnerungen an ähnlich wagemutige Aktionen, so dass ich das zu zähmende Getier mit einer Maulschraube bissunfähig machte, was allerdings auch sehr gefährlich war.

Krokodil

Angesichts dieser Heldentaten schaute mein Schwarzwald-Mädle voller Bewunderung zu mir herauf:

SchwarzwaldmaedleDes Abends bot mir die romantische Sonnenuntergangsstimmung die beste Gelegenheit für amouröse Avancen.

Sonnenuntergang

Nicht vergessen zu erwähnen darf ich, dass ich ein Croute au fromage gegessen habe, das wird mit Kirschwasser zubereitet. War ja klar, haha was haben wir gelacht. Und als kleines Souvenir für nächsten Samstag gab es ein Fläschle „Schwarzwald-Hochzeit“, das ist Sahnelikör mit Vanille und Kirschwasser. Ist es Zufall? Und neben dem Brand im Glas gab’s auf dem Feldberg noch schöne Sonnenbrände.

Soweit die Kommentare meines Liebsten, ein paar Eichhörnchengeschichten gibt es demnächst.

Wenn eine eine Reise tut

Gestern habe ich mich nach einigen schönen Wochen in Berlin wieder auf den Weg ins Schwabenland gemacht. Diesmal auf einem etwas anderen Weg, weil ich eine Ausstellung und einen Vortrag in Mannheim besuchen wollte. Die Sonne strahlte und das Weiß glitzerte – ein guter Tag für eine so weitere Reise, bei der ich nicht nur ab und an mal aus dem Zugfenster gesehen habe.  Vor allem Südhessen, das ich noch nicht kannte  hat mir gut gefallen. Trotz Eiseskälte lief alles weitgehend planmäßig, das ist für die Bahn momentan wahrscheinlich eher etwas ‚Unvorhergesehenes‘.

Doch nicht nur die schöne Aussicht nach draußen hat mich vom fleißigen Lesen abgehalten. In meinem Wagen waren gleich drei Muttis mit Strickzeug, die die Zeit ungehemmt nutzten, die Schals und Socken fertigzustellen. Eine Sockenstrickerin saß direkt in meinem Blickfeld und ich war fasziniert, wie schnell und selbstverständlich sie das angestellt hat. Für mich bleibt das auch nach interessiertem Zusehen ein Buch mit sieben Siegeln. Meine halbfertigen Stulpen habe ich erst abends in der Regionalbahn wieder herausgeholt. Öffentlich stricken ist toll und zeigt, dass das nicht nur was für Omis ist, die gerne ganz viel stricken dürfen!