Schwimmen für alle

Gestern hat mich ein Artikel in der taz nachdenklich gestimmt. In Berlin sind jetzt Burkinis in den Schwimmbädern erlaubt. Das sind Ganzkörperbadeanzüge für Frauen,  die in arabischen Staaten breite Verwendung finden. Schon die Bezeichnung finde ich problematisch. Es ist eine Verschmelzung von Burka und Bikini. Es handelt sich aber keinesfalls um ein burkaähnliches Gewand und mit einem Bikini hat es auch wenig gemein. Ich nehme das -ini als verniedlichende und verkleinernde Endung wahr, die zur Verharmlosung der Burka beitragen kann. Meiner Meinung nach eine gefährliche Tendenz.

Und noch etwas anderes macht mich stutzig: die Testphase in zwei Berliner Hallenbädern ist auf das Frauenschwimmen begrenzt. Wozu in aller Welt ist eine solche Verhüllung des Körpers in einer reinen Frauenumgebung nützlich? Falls es um die männlichen Angestellten geht, wäre es sowieso meine Vorstellung von Frauenschwimmen, dass da gar keine Männer, also auch keine Bademeister, rumspringen. Wenn das nicht der Fall ist, wäre mal darüber nachzudenken, diese Praxis zu ändern, dann muss keine das eklige Gefühl nassen Stoffes am ganzen Körper ertragen und auch alle anderen würden sich noch wohler fühlen.

Ich kann mir überhaupt nicht verstehen, warum jemand freiwillig den ganzen Körper zum Baden einpacken wollen sollte. Ich bade ja am liebsten nackt und so empfinde ich schon Bikini oder Badeanzug, die nass am Körper kleben eklig. Wenn ich mir dann noch vorstelle, dass auch noch die Arme und Beine so bedeckt sind, läuft mir ein Schauer den Rücken herunter. Deshalb kann ich  mir auf den ersten Blick keine befreiende Wirkung einer solchen Bekleidung denken.

Aber es geht natürlich nicht um Frauen wie mich. Andere gehen so vielleicht endlich überhaupt öffentlich baden. Das wäre gut, wenn aber wieder andere nun gezwungen sind, sich mehr zu verhüllen als bisher, finden sie das mit Sicherheit ähnlich eklig wie ich. Es fällt mir schwer, die Begründung für die Notwendigkeit der Bedeckung nachzuvollziehen, deshalb finde ich diese neue ‚Freiheit‘ eher  befremdlich und bin auf Analysen, wie es sich auf das Badeverhalten der Zielgruppe auswirkt, gespannt, um mir dann mit mehr Kontextwissen eine fundiertere Meinung zu bilden.