Schaut mal … Entdecke den Osten

Das aktuelle sz-Magazin hat einen Ossi-Schwerpunkt. Der Beitrag ‚Mein erster Ossi‘ war ja noch ganz amüsant und aufmunternd, aber gleichzeitig auch entlarvend: da hat wohl einer weit mehr erreicht, als von einem ‚Ossi‘ zu erwarten war. Entmutigend ist hingegen die ‚Geschlossene Gesellschaft‘ die Deutschland als Westdeutschland für ehemalige DDR-Bürger_innen und ihren Nachwuchs wohl immer noch ist. Wen’s nicht betrifft, macht es vielleicht nicht ganz so betroffen, aber ich bin eben ‚eine von denen‘. So eine Reaktion eines Hamburgers auf meine Herkunftsangabe deutlich mehr als 10 Jahre nach der Wende.

Mir wird gerade mal wieder klar, dass ich einfach nicht dazu lerne: Ich will immer wieder mit dem Kopf durch die Wand. Weiblich, ohne akademischen Familienhintergrund und aus dem Osten – aber klar, ich schaff es locker bis in die  universitäre Elite, die sich am liebsten selbst reproduziert und sich mehrheitlich aus westdeutschen männlichen Vertreteren des Bildungsbürgertums zusammensetzt. Ich erinnere mich gut daran, wie wohl ich mich vor einer Weile in der Sprechstunde einer ostdeutschen Professorin gefühlt habe – woran das wohl lag? Zu allem Überfluss habe ich auch gerade an anderer Stelle, wie besonders normativ die Disziplin aufgestellt ist, für die ich mich entschieden habe. Zumindest in den USA wird da nicht-heteronormativ Lebenden ganz deutlich gesagt, was sie besser tun und lassen sollten, wenn sie tatsächlich eine Festanstellung an der Uni wollen. Mich schaudert’s. Aber noch bin ich nicht bereit, klein beizugeben.

Zum Glück war das nicht alles aus dem sz-magazin. Ich habe entdeckt, dass ich doch zu zumindest einem sehr exklusiven Kreis gehöre, der nicht als Diskriminierungsmerkmal taugen sollte: verheiratet mit einem Wessi. Nur 4% der Eheschließenden sind so mutig und wagen es, den interkulturellen Austausch so zu verbriefen. Das geht sicher auch alles ohne zu heiraten, aber diese vier Prozent lassen doch darauf schließen, dass nur wenige es überhaupt versuchen – ob mit oder ohne Trauschein. Die Begründungsversuche der Autorin überzeugen mich nicht so ganz, sie ist aber die zehn Jahre älter als ich, die hier wohl einen entscheidenden Unterschied machen. Ansonsten musste ich feststellen, mein Wessi ist wohl nur ein halber, denn als Westberliner gehören Pittiplatsch und Schnatterinchen zu seiner Kindheit, die Mauer kennt er auch und er ist kein bisschen überheblich oder oberflächlich. Er und die Bekanntschaft mit seiner ‚ganz normalen‘ Familie haben meine Stereotypen über Wessis deutlich ins Wanken gebracht. Da er auch der erste Wessi ist, den ich wirklich kennen gelernt habe, sind wir wieder bei der ersten Story und dabei, wie wichtig es offensichtlich ist, das Andere und Fremde nah genug an sich herankommen zu lassen, um zu erfahren, wie es wirklich ist. Und an diesem Punkt kommt noch ein weiterer sz-Artikel ins Spiel, in dem ein paar Wessis von Trips in den Osten berichten und wie toll es dort ist. Wenn das nicht Exotismus ist, weiß ich auch nicht.

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Was ist Glück?

Leider kommt jetzt kein hochphilosophischer Beitrag, der versucht eine annähernd differenzierte Antwort auf diese Frage zu geben. Wäre vielleicht wirklich mal nötig, da in den Kommentaren zum letzten Post klar geworden ist, dass Glück eine sehr individuelle Sache ist, die nicht mit einfachen Parametern gemessen werden kann. Aber ist es Glück, nicht vergewaltigt zu werden, wenn eine in letzter Minute einen Rückzieher macht? Diese Frage stellt Leonie sich im Mädchenblog zu Recht.

Im ersten Moment habe auch ich genau das gedacht: wow, das hätte schief gehen können. Und das zeigt, ich bin mitten drin in einer rape culture. Solche Situationen können sehr gewaltsam ausgehen – aber ‚Glück gehabt‘ impliziert, dass es nicht normal ist, dass ein solcher Rückzieher akzeptiert wird, sondern eher eine Ausnahme. Eine solche Reaktion, ob gedacht oder gesagt, lässt auf kein schönes Männerbild schließen. Als sei es ein Wunder, wenn eine Frau in ihrem Leben von  sexuellen Übergriffen verschont geblieben ist.

Aber das sollte es nicht sein. Körperliche Unversehrtheit und Selbstbestimmung sollten die default-Positionen sein, nicht die beständige Bedrohung. Genau das ist der Punkt: wann erfahren wir von einem solchen ‚Normalfall‘? Sehr selten. Welche Frau, die mit einem Mann zusammenlebt, ruft schon jeden Morgen ihre Familie und Freund_innen an und meldet: „Alles gut, ich habe wieder eine Nacht ohne Vergewaltigung überstanden.“ Wohl kaum eine und das ist auch gut so. Denn diese Unversehrtheit ist die Normalität, die wir alle verdienen.

Ein ‚Glück gehabt‘ setzt jedoch die Vergewaltigung als (relativ) normale Folge einer unerwarteten Verweigerung. Wir dürfen das nicht als normal denken, weil es Männern pauschal eine Menge Mist unterstellt und die eigene Entscheidungsfähigkeit mindert. Ich stelle mir gerade junge Frauen vor, die es ’normal‘ fänden, wenn er in einer solchen Situation zur Gewalt greift, und deshalb keine Grenze ziehen, obwohl sie eigentlich nicht mehr wollen. Rape culture ist insofern etwas, das nicht nur real passiert (siehe die Reaktionen auf Verhaftungen von Polanski und Kachelmann), sondern auch in unseren Köpfen herumspukt und einem gleichberechtigtes Miteinander entgegensteht.

Provinz-Aufruhr

Wenn ich länger am Stück hier in der Provinz bin, sammeln sich Kuriositäten und Mist an, die ich irgendwie loswerden muss. Ganz aufregend war ein Plakat von Kirchengegnern, das in der letzten Woche auch in unserem schönen Städtchen gesichtet worden ist. Das ist schon einen kleinen Bericht wert, schließlich kann das nicht so einfach stehen gelassen werden. Und siehe da: schon am Tag nach der Meldung war das Plakat überklebt: mit Werbung für die Diakonie. Eine Schelmin, die dabei böses denkt. Ich weiß ehrlich gesagt nicht, was ich skandalöser finde: eine Sekte (wenn es denn stimmt), die die aktuelle Debatte, die nicht nur die katholische Kirche betrifft, so für die eigenen Interessen missbraucht, oder eine Öffentlichkeit, die eine solche Aufforderung nicht ertragen kann.

Ein Aufreger – aber mehr für mich- war das Echo-Lot in der Wochenzeitung Echo am letzten Mittwoch. Da wird in einer Stadt, die fussballerisch nüscht zu bieten hat, nach dem Abstieg von Hertha BSC ein neuer Spruch für die Hauptstadtvermarktung vorgeschlagen:

Wir können alles. Außer sparen und Fußball spielen.

Das mit dem Fußball kratzt mich weniger, aber in Berlin gibt es immerhin auch einen Aufsteiger – Union -, der nicht unerwähnt bleiben sollte. Aber das mit dem Sparen wird hier im Ländle auf sehr merkwürdige Weise verstanden. Ich lebe in einer Stadt,

  • deren öffentliche Stadtbibliothek bestenfalls doppelt so groß ist wie Stadtteilbibliotheken in Potsdam, das größenmäßig durchaus vergleichbar ist.
  • in der überlegt wird, die Außenstellen in den Stadtteilen über den Sommer zu schließen, da das Geld für den einen Öffnungstag, den es sonst in der Woche gibt, eingespart werden muss. Zum Vergleich: In Potsdam sind sie an 5 Tagen in der Woche geöffnet.
  • in der das nur abgewendet werden kann, indem die Hauptstelle samstags früher schließen wird.
  • in der die Bibliothek der Hochschule Heilbronn Technik – Wirtschaft – Informatik bei der Literaturbeschaffung und -pflege neben dem Erwerbungsprofil, das auf die vertretenen Fachbereiche begrenzt ist, folgende Regeln zu beachten hat
    • es sollen keine Archive angelegt werden (nur Literatur für die aktuelle Lehre),
    • die Literatur muss aktuell sein, veraltete Sachen werden weggeworfen.

Diese drei beliebigen Beispiele aus dem gleichen Sektor – Bildung und Literatur – zeigen, was hier sparen heißt: Schmalspur reicht. Nicht nur in der öffentlichen Bibliothek, die eine breite Bildung vor allem auch für jene bietet, die gerade keine Hochschule von innen sehen. Sondern auch bei der Ausbildung des Wirtschafts- und Techniknachwuchses: es erscheint wichtig, die Scheuklappen früh anzulegen, damit nichts die Ausrichtung auf Verwertbarkeit bedroht.

Eine Stadt wie Heilbronn ist nicht mit Berlin zu vergleichen, aber gerade deshalb wäre Zurückhaltung statt solcher unsachlicher und billiger Ausbrüche mehr als angebracht. Vor allem auch, weil gern verkannt wird, wo auch in Berlin gespart wird und wer diese Last letztlich schultert: die Berliner_innen, allen voran die Beschäftigten im öffentlichen Dienst, die ja auch Teil der Bevölkerung sind. Von weitem mit Dreck auf die Hauptstadt zu werfen, fühlt sich vielleicht am provinziellen Stammtisch gut an, aber in einer Zeitung hat  das nichts zu suchen.

Und dann noch ein ganz komisches Erlebnis: aus der provinziellen Perspektive erscheint die Hauptstadt manchmal auch wie ein Ideal, das sie lange nicht ist. Ich war mal über die frühen Schließzeiten des Weihnachtsmarktes hier schockiert, etwas ähnliches ist mir im April in Berlin passiert. Am Donnerstag nach der Zeitumstellung beim Bummeln auf dem Kuhdamm: es war gerade noch hell, das Zeitgefühl spielt noch nicht so recht mit und auf einmal ist es acht. Und wer jetzt glaubt, die Geschäfte hätten dort doch sicher länger auf, täuscht sich gewaltig. Ich fühlte mich wie in der Provinz und konnte es kaum fassen. Es ist interessant, wie unsere Wünsche über die Entfernung stärker projiziert werden, und ein schönes Beispiel dafür, wie wichtig es ist, die eigenen Vorstellungen mit der ‚Realität‘ abzugleichen.

Frauen sind ja so sozial

Die Regierungskommission für gute Unternehmensführung hat einen Bericht und Forderungen zum Frauenanteil in Aufsichträten vorgelegt. Der Kommissionsvorsitzende Klaus-Peter Müller hat der Financial Times Deutschland ein Interview gegeben, indem schön neoliberal erklärt wird, warum Frauen in diese Gremien reingehören. Es geht dabei natürlich um den Unternehmenserfolg und dafür bedarf es der ’speziellen Kompetenzen‘ von Frauen, die (einigen) Männern grundweg abgesprochen werden:

Müller: Abgesehen davon, dass wir grundsätzlich Wissensressourcen nicht richtig nutzen, was nicht gute Unternehmensführung ist, haben Frauen eine andere soziale Kompetenz, die Männer in Teilen nicht haben. Sie haben eine andere Art, Dinge zu betrachten. Außerdem will ich im Aufsichtsrat ja nicht nur Leute haben, die 20 bis 30 Jahre Erfahrung in Führungsgremien der Wirtschaft haben. Wir brauchen auch andere Impulse und Kreativität.

Angesichts solcher Vorstellungen über Männlichkeit und Weiblichkeit kann ich nur den Kopf schütteln. Wie wahrscheinlich ist es denn unter heutigen Bedingungen, dass eine diesem weiblichen Stereotyp entsprechende Frau es bis in einen Aufsichtsrat schafft? Viel wahrscheinlicher ist es, dass da Menschen hinkommen, die denen, die schon da sind, ähneln. Geschlecht ist in dieser Hinsicht ein wichtiges Unterscheidungskriterium und deshalb ist die Situation eben auch, wie sie ist, auch wenn Müller meint:

Meine Erfahrung ist, dass die Mehrheit der deutschen Aufsichtsräte heute das alte Old-Boys-Netzwerk nicht mehr verteidigen würde.

Es geht aber gar nicht darum, ob jemand diese Prozesse verteidigt, sondern darum wie sie wirken. Und inzwischen funktionieren Ausschlussmechanismen für Frauen vor allem unbewusst, aber das ändert nichts daran, dass sie funktionieren. Also auch wenn Frauen es reinschaffen, ähneln sie den anderen Mitgliedern dann wahrscheinlich mehr als die ’sozial kompetente Durchschnittsfrau‘.

Dieses Interview zeigt, wie stereotyp hochgebildete Menschen denken und dass das Ziel solcher Bemühungen nicht Gleichstellung sondern Gewinnmaximierung ist. Und ich frage mich immer mehr, ob ich mich vor diesen Karren spannen lassen will. Es ist für mich keine Frage, dass die Postenverteilung in Aufsichtsräten geschlechtergerechter gestaltet werden muss, aber ich frage mich, ob es das wichtigste Ziel von Frauenpolitik oder gar Feminist_innen sein sollte, in diesem Bereich Einfluss zu nehmen. Das ist zumindest der Eindruck, den die andauernde Medienpräsenz dieses Themas bei mir erweckt. Und dann fallen mir doch so ein – zwei dringendere Probleme ein:

– die sinkende staatliche Unterstützung von Frauenräumen und -initiativen
– Diskriminierung aufgrund der sexuellen Identität
– sexualisierte Gewalt
– das Recht auf Abtreibung

…. und viele viele mehr, die ich hier nicht auflisten kann. Aber diese Themen schaffen es nicht im gleichen Maße auf die Agenda. Wie viel Aufmerksamkeit können solche Themen generieren und ist es sinnvoll, sie quasi nacheinander abzuarbeiten, um sich nicht gegenseitig das Wasser abzugraben? Aber wer organisiert die Reihenfolge? Und ist es dann wirklich ein Zufall, dass es ganz oben in der Hierarchie losgeht? Sind als nächstes wirklich die von mir genannten Themen dran (oder andere, die in die Liste passen), oder besteht nicht eher eine große Wahrscheinlichkeit, dass wenn an der Spitze alles im Lot ist, unten nicht mehr gemeckert werden soll?

Es erscheint mir deshalb wenig sinnvoll, aus Loyalität abzuwarten und keine Aufmerksamkeit abzuziehen. Dieses Thema hat schon Aufmerksamkeit und kann nur gewinnen, wenn andere Gleichstellungsfragen mit auf den Tisch kommen, damit deutlich wird, dass es um ein großes Ganzes geht, bei dem wir erst am Anfang stehen. Es gilt, ein Bewusstsein zu schaffen, dass all diese Fragen wichtig sind und Lösungen gefunden werden müssen. Eine solche Atmosphäre ist ein wichtiger Schritt zu gerechteren Geschlechterverhältnissen.

Holla die Waldfee

Männlichkeit war ja nie so mein Ding. Jedenfalls nicht als Selbstzweck. Deshalb war ich mir lange nicht sicher, was ich von diesem Walter Hollstein halten soll. Bei der Mädchenmannschaft wird in Kommentaren und manchmal auch in Beiträgen gern auf ihn verwiesen, wenn es mal wieder um die ‚Krise der Männlichkeit‘ geht. Katrin von der Mädchenmannschaft hat ihn in ihrer Rezension seines Buches so charakterisiert:

In Männerfragen ist er eine Koryphäe, vor allem, wenn es zur Abwechslung mal wissenschaftlich unterlegt und differenziert sein soll.

Das habe ich ihr erstmal geglaubt und auch nicht weiter nachgeforscht – ist eben nicht mein Thema. Aber jetzt muss ich dann doch mal meinen Senf dazugeben. Wie auch immer reflektiert das Buch ist, auf einer m.E. ganz grausigen Seite habe ich die schriftliche Version eines Vortrags, den er im Juni 2009 gehalten hat, entdeckt. Einiges ist sicher nicht falsch, aber Einschübe wie

ohne das dies jetzt mit Schuldzuweisungen verbunden sein soll

bringen mich irgendwie erst auf  die Idee, Frauen die Schuld in die Schuhe zu schieben. Die Beispiele sind schlau gewählt, so dass die Benachteiligung von Jungs und jungen Männern mehr als evident erscheint. An einigen Stellen wird jedoch deutlich, wie selektiv die Darstellung ist. Ich frage mich z.B. was in den anderen Strophen des zitierten Gedichts so passiert. Da es sich um die Arbeit einer Studentin handelt, ist das aber praktischerweise nicht rauszubekommen. Außerdem ist er an einer Stelle transphob – ich zitier das jetzt nicht. Will Männlichkeitsforscher sein und ist zu einem respektvollen Umgang mit anderen Lebenskonzepten nicht in der Lage? Da war es für mich dann echt vorbei.

Mal ganz abgesehen davon, dass die ‚Krise der Männlichkeit‘ auch schon um 1900 weit um sich griff und ich diesen Kampfbegriff deshalb sehr zweifelhaft finde. Außerdem reproduziert er ganz fein traditionelle Geschlechterstereotype und Vorstellungen von ‚Männerbünden‘, die sind mir aus einem gar nicht so tollen Seminar noch gut in Erinnerung. Damit kann ich gar nicht um.

Hey Alice, der Zweck heiligt noch lange nicht die Mittel

Und dann war da noch dieser kleine Aufreger gestern: Alice Schwarzer antwortet Bushido. Nach der Lektüre des taz-Artikels dachte ich noch: gut! Muss ja mal jemand sagen, was das für ein Sexist ist. Aber dann war ich doch zu neugierig, was die Alice denn nun wirklich selber schreibt – und bin in meiner Meinung über sie leider bestätigt worden.

Polemik – ok. Aber die Art hat mir Bauchschmerzen gemacht, ohne dass ich so richtig artikulieren konnte, wieso. Deshalb dickes Danke an Magda von der Mädchenmannschaft, die sich die Arbeit gemacht hat, den Brief durchzugehen und die entsprechenden Stellen zu kommentieren. Es geht dabei keinesfalls darum, Bushido zu verteidigen, sondern die Missstände in Alices Argumentation aufzuzeigen. Und das muss einfach erlaubt sein, denn noch immer ist AS in der deutschen Öffentlichkeit die Feministin schlechthin. Ich bin zwar auch Feministin, aber so würde ich einfach nicht um mich prügeln. Mir ist auch egal, wie angegriffen AS sich gefühlt haben mag, sie ist Profi und es wäre schön, wenn das ihren Auslassungen auch anzumerken wäre. Die Idee den Stil zu kopieren finde ich super, aber wäre das nicht vielleicht auch ohne Sexismen und Rassismen möglich gewesen?

Schaut mal … im Januar

Auch wenn der Monat nun schon ganz schön vorbei ist, ein paar Sachen sind mir ganz schön aufgestoßen. Bei der Wahl zur US-Sportlerin des Jahres hat es eine Stute auf den zweiten Platz geschafft. Wie blöde die werten Journalist_innen sind, die das verzapft haben, kann sich eine jede selbst denken. Die Süddeutsche titelt passend: ‚Diese Frau ist ein Pferd‚. Ich frage mich nicht, was die Geschlechterforschung davon hält, sondern was das über die Wahrnehmung und Konstruktion von Weiblichkeit aussagt. Stelle mir auch gerade vor, wie ein Windhund Sportler des Jahres wird. Ah nee, da machen wir lieber eine neue Kategorie auf, wie wär’s mit Sporthund des Jahres?

Das Moskauer Tagebuch von Peter Voßwinkel аеродром.ная hat dicht gemacht. Ich werde die aktuellen Bilder aus dieser Stadt, die mein Herz immer noch fesselt, vermissen. In letzter Zeit mochte ich vor allem diese Eisskulptur und den etwas anderen Blick in den Untergrund. Zum nostalgischen Reinschauen reicht es noch, aber es kommt nichts neues mehr dazu. Schade.

Frauen und Männer sind ja so unterschiedlich

Ich kann diese Leier nicht mehr hören. Und vor allem will ich nicht damit konfrontiert werden, wenn ich gerade auf einer ganz anderen Baustelle bin. Ich bin auf interessante Projekte im Bereich Coworking aufmerksam geworden und höre gerade den Küchenradio-podcast zum Thema. Also eigentlich geht es um kollaborative Formen des Arbeitens – spannend. Und  im Studio 70 in Berlin, wo das Küchenradio zu Besuch ist, wird außerdem gebaustelt.

Und schwupsi da haben wir den Salat. Irgendwann kommt die Sprache auf Altersdurchschnitt und Geschlecht der Aktiven. Am Tag der Aufnahme sind keine Frauen anwesend, aber Philip, der gerade interviewt wird, will die Werkstatt als offenen Raum verstanden wissen. Er spricht sich offen gegen Geschlechterstereotype aus und berichtet von einem unsäglichen Interview bei Fritz. Ich bin echt enttäuscht von der Art, wie dort Geschlechterstereotype nicht nur reproduziert, sondern auch forciert werden. Philips Kommentar dazu stimmt aber optimistisch, denn am wichtigsten ist es ja, dass die Leute, die es machen, kapieren, wo das Problem liegt:

Wer meint, es sei progressiv zu fragen „Ist das auch was für Mädchen?“, agiert aus einer konservativen Sicht, finde ich.

Konservativ finde ich ja noch milde ausgedrückt. Aber es sind genau solche Fragen, die erst die Vorstellung erwachsen lassen, Technik oder Basteln habe was mit Geschlecht zu tun. Und da komme ich dann zurück zum Küchenradio, dessen werter Vertreter nichts besseres zu tun hat, als genau die alten Stereotype hervorzuholen und noch mal hinauszuposaunen: Mädchen bzw. Frauen spielen eben nicht zwecklos rum, so wie Jungs bzw. Männer das mögen. Das sei seine Überzeugung.

Und Philip kann ihm zumindest in diesem Punkt nicht widersprechen. Ich aber schon. Und frage mich: Ist das alles so zweckfrei, was die Jungs da machen? Es ist idealistisch, Kunst und Experiment – aber Spielen stelle ich mir anders vor. Es geht ja gerade darum, dass hinten auch was raus kommt und das hat stets auch was mit dem ‚echten‘ Leben der Leute zu tun.

Ich habe den podcast zu Ende gehört und bin jetzt wenigstens wieder ein bisschen versöhnt, denn aus dem Hintergrund kommt dann doch Widerspruch. Schon die Kommunikation und die sozialen Räume seien männlich geprägt und insofern eher geeignet, Frauen auszuschließen. Es geht aber eben nicht nur um Frauen, sondern insgesamt darum, offen für Menschen zu sein, die keine Technik-Freaks sind. Diesen Eindruck habe ich vom Studio 70 und  wenn ich mal bausteln statt surfen oder putzen will, weiß ich jetzt, wo ich hingehe.

Überall diese Haare V

Letztens der Titanic-Startcartoon über einen Herrn Walser. Sachdienliche Hinweise, die den Witz dabei erklären, muss ich leider schuldig bleiben. Aber darum geht es auch nicht. Spannend ist eher, wie hier Augenbrauen als identitätsstiftendes Merkmal gesetzt werden. An den Haaren hängt doch letztlich alles. Und ich frage mich auch, inwieweit Geschlecht hier eine Rolle spielt. Sieht die Frau wirklich am komischsten aus? Oder ist sie eher raus, weil das so ja gar nicht geht und die wuchernden Männer die Krone unter sich ausmachen?

Bundesministerinnen-Bashing

Hier in Berlin bin ich zwar die ganze Zeit am Wirbeln, aber für ein paar politische Gedanken reicht es dann doch. Kaum hat das Kabinett ein wenig angefangen zu arbeiten, muss der Erste schon den erlauchten Kreis verlassen. Irgendwie peinlich. Aber daran hält sich kaum jemand auf. Es ist ja auch viel spannender zu schauen, wer auf welche Positionen rückt und zu bewerten, wie kompetent die Erwählten sind.

Mein erster Gedanke zu Kristina Köhler: blond und 32 – da fällt mir noch jemand anders ein,  der für den Job qualifiziert ist. Böse, böse. Aber es spiegelt die Enttäuschung, dass es zwar eine weitere Frau ins Kabinett schafft, aber warum? Weil ein Mann ‚versagt‘ hat und deshalb eine andere in ‚wichtigere‘ Bereiche aufrücken darf. Für Familie usw. kommt dann nur noch eine junge und möglichst attraktive Frau in Frage.

Das wäre nicht ganz so schlimm, wenn sie denn das richtige täte. Aber die Ankündigungen im zdf-Interview am Tag der Verkündigung haben mich einfach nur niedergeschmettert. Es klang ein bisschen nach: ‚Wer es sich leisten kann, dass eine Person die Kinder zu Hause betreut, sollte in diesem Lebensmodell unterstützt werden. Aber Familien, denen sowieso schon das Nötigste fehlt, sollten durchaus weiter stigmatisiert werden.‘ Was für eine perfide Doppelbödigkeit.

Aber das ist noch nicht alles. Eine der ’neuen‘ Ministerinnen ist eine ‚alte‘, die schon mal zurückgetreten ist: Sabine Leutheuser-Schnarrenberger. Im taz-Interview vom 22. November 2009 wird sie mehrfach auf diesen Umstand angesprochen. Auch noch mal ganz am Ende:

Werden Sie wieder zurücktreten, wenn Sie sich inhaltlich nicht durchsetzen können?

Ich bin jetzt gerade drei Wochen im Amt. Machen Sie sich mal keine Sorgen um meine Durchsetzungsfähigkeit.

Ich finde es toll, wie sie sich gegen diese impertinente Frage und die implizite Zuschreibung von Unfähigkeit,  die mit ihr einhergeht, zu Wehr setzt. Ich verstehe nicht, wieso immer wieder auf diese Vergangenheit (immerhin 13 Jahre her) verwiesen werden muss. Schließlich geht es um die Zukunft.

Und dann gibt es da noch die ‚Hohe Vertreterin für die Außen- und Sicherheitspolitik‘ Catherine Ashton, die seit heute im Amt ist. Das Bild zum taz-Artikel ist wahrlich herausgepickt, aber interessant, da hier beide Teile der neuen EU-Führung speziell daherkommen. Auf der Seite des Auswärtigen Amtes findet sich hingegen eine Aufnahme, die vor allem die Lady speziell in Szene setzt.

Gibt es keine vernünftigen Bilder von den beiden? Und auch von ihr? Durch diese Art der Präsentation werden neuen Ämter beschädigt und ins Lächerliche gezogen. Ich verstehe nicht so ganz, warum. Außerdem wird insgesamt deutlich, wie leicht es (auch für mich) ist, über Politikerinnen herzufallen, anstatt die Leute einfach ihre Arbeit machen zu lassen und diese dann zu kritisieren. Das ist wahrlich wichtiger als die Haarfarbe, olle Kamellen oder ein Lachen.

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