Ich bin ja mal gespannt, wie sie das schaffen will

Hach, die Alice. Sie kann es einfach nicht lassen und sie weiß: sie muss nur genug provozieren, dann ist ihr Aufmerksamkeit sicher. Aber was sie da vorschlägt, halte ich doch für sehr verwegen. Sie will den 8. März abschaffen. Demnächst geht es dann also in diesem einen Monat direkt vom 7. zum 9. weiter. Das finden Geburtstagskinder und andere, denen der Tag was bedeutet, dann bestimmt total Spitze. Sie können dann nicht wie die, die den 29. Februar getroffen haben, wenigstens alle vier Jahre feiern, sondern sind einfach ganz taglos.

Ok, das reicht mit der Ironie. Aber Schwarzer ist sich in ihrer Polemik zu schade, den Tag auch nur einmal zu benennen.  Aber wenn sie schriebe, sie wolle den Internationalen Frauentag abschaffen, dann würde noch deutlicher, dass sie dazu einfach nicht die Macht hat und dafür eine einsame Entscheidung  nicht ausreicht. Aber diese Nicht-Benennung bzw. Umbenennung findet sich auch in anderen Beiträgen, wie Carsten in einem Kommentar bei der Mädchenmannschaft angemerkt hat:

Da in der westlichen Welt Internationaler Frauentag offensichtlich immernoch schwer über die Zunge geht, spricht man auch vom Weltfrauentag.

Ich ärgere mich schon eine ganze Weile: erst über die Ankündigungen von Veranstaltungen zum ‚Weltfrauentag‘, dann Berichte über die Feierlichkeiten und nun über Bestrebungen ihn abzuschaffen. Ich kann mich mit diesem Begriff einfach nicht anfreunden. ‚Welt‘ hat etwas von: wird überall gefeiert, aber alle schön für sich. ‚International‘ verweist für mich darauf, dass es der Vernetzung und Solidarität bedarf. Und wem das zu lang ist: ich kenne ihn schnöde als ‚Frauentag‘, da wissen auch alle, was gemeint ist.

Aber noch mal zur Argumentation Schwarzers: ihrer Behauptung, der Frauentag sei ein verkappter Muttertag gewesen, kann ich nur widersprechen. Ich finde den im Mai immer noch suspekt und kenne ihn nun schon 20 Jahre. Das ist ja gerade das tolle am Frauentag: er ist für alle Frauen da, ob sie ihre ‚reproduktive Funktion‘ schon erfüllt haben oder noch nicht. Das ist in meinem Denken so gesetzt, dass ich es als Kind nicht fassen konnte, dass Männer an diesem Tag Geburtstag haben können.

Am armseeligsten an der ganzen Nummer finde ich aber die Forderung, auf eine Sache zu verzichten, weil sie (angeblich) von der ‚falschen Seite‘ instrumentalisiert worden ist. Wenn wir das zulassen, fehlen uns bald die Worte und Mittel, irgendetwas zu kritisieren oder zu verändern. Es ist wichtig, die Herkunft und Tradition bestimmter Begriffe und Praktiken zu reflektieren, aber das Handlungspotential, dass sie und mögliche Umdeutungen schaffen, will ich mir nicht nehmen lassen.

Einfach mal ein Beispiel: Ich feiere Weihnachten, obwohl ich nicht christlich bin: es hat in meiner Familie Tradition, die christliche Tradition lässt sich auf ältere Praktiken zurückführen, ich mag einen besinnlichen Jahresausgang. Ich weiß, was ich tue und ich verfolge damit ein eigenes Ziel. Und ich glaube nicht, dass ich damit  ungewollt den Katholizismus in Deutschland stärke.

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Sauberes Schwabenland

In der Vorweihnachtszeit ist die Sauberkeit ein großes Thema gewesen. Auf dem Weihnachtsmarkt sind Sauberkeitskontrollen angekündigt gewesen, über deren Erfolg die Heilbronner Stimme nun berichtet hat. Beim Spaziergang über den Weihnachtsmarkt haben natürlich auch wir auf die Einhaltung der Sauberkeit geachtet. Einen Unterschied zu Berlin habe ich dabei nicht wirklich entdecken können, Kippen etc. hier wie dort. Aber die Hinweise auf die Sanktionen in der Lokalpresse sind schon speziell, und typisch. Dies zeigt sich auch an Alfons, der sich in der letzten Woche bei PuschelTV der schwäbischen Reinlichkeit gewidmet hat: köstlich anzusehen.

O du fröhliche … Bildung

Der Weihnachtsmann ist in diesem Jahr sehr bildungsorientiert gewesen. In meinem Allgemeinwissen klafft eine Lücke bei Humor, die meinem Mann fehlt. So hat er sich bei Loriots Dramatischen Werken im Schillertheater amüsiert und Erinnerungen aufgefrischt, während ich gemerkt habe, dass ich doch einiges kenne und gar nicht mal so ungebildet bin. Ein vergnüglicher Nachmittag an einem sonnigen Dezembertag.

Eine Frage habe ich mir seit Monaten gestellt: wer ist eigentlich dieses Käthchen von Heilbronn? Aber anstatt einfach mal zu googeln, habe die Frage gehütet und immer mal gestreichelt. An Heilig Abend kam die Antwort: Ein Drama von Kleist. Allzu lange hat dieses Geschenk (ein schmaler Band, in dem außerdem Der zerbrochene Krug enthalten ist) nicht gehalten. Entgegen meinen Annahmen geht der Stoff nicht auf eine Legende zurück, sondern ist eine Fiktion Kleists. Das Ritterschauspiel ist weder Komödie noch Tragödie, sondern die gute Auflösung einer Reihe von Intrigen. Am Ende erkennt der Kaiser Käthchen als seine Tochter an und sie heiratet den Ritter, der vor  einer gebrechlichen und Gift spritzenden Braut bewahrt bleibt.

Analysieren möchte ich das lieber nicht und ringe nun mit mir, ob ich nicht doch die Buddybären wieder besser finde. Andererseits ist sie eine Frau, die ihren Weg geht, weil sie weiß, dass es der richtige ist. Dabei ist sie nur ein bisschen zu schüchtern und in den Normen ihrer Zeit gefangen. Auch in der Käthchenparade ist sie letztendlich nur die Reflexionsfläche moderner Sichtweisen, die auf ihrem Körper dargestellt werden. Durch die Vielfalt wird aber eine Bandbreite an Möglichkeiten erzeugt, was ein Käthchen in Heilbronn werden kann. Dies nehme ich als Mutmacher, dass ich die wichtigen Ziele, die dieses Jahr erreicht werden wollen, mit Erfolg meistere.

Die ‚Wahrheit‘ des Papstes

In den Tagen vor Weihnachten habe ich einige Bemühungen erlebt, doch auch die christliche Kirche ins Spiel zu bringen. Bei Maischberger hat eine illustre Runde um Gloria von Thurn und Taxis am 23. Dezember zum Thema Das Kreuz mit dem Glauben: Gott ja, Kirche nein? diskutiert. Dabei konnte die allseits geschätzte Fürstin noch mal so richtig ausholen: Die katholische Kirche sei im Besitz der einzigen Wahrheit. Aber überzeugt hat sie mich trotzdem ebenso wenig, wie der katholische Prälat, der sich nicht zu schade war, der einzigen anwesenden Protestantin die Ökumene anzubieten, wenn die evangelische Kirche endlich bereit sei, den Papst als Vertreter Christi anzuerkennen.  Selten so gelacht. Wenn’s weiter nichts ist, werden die sich sicher ganz schnell einig.

Aber diese Sendung war noch nichts gegen die Nachrichten des nächsten Tages. Der Papst hatte ja auch noch was zu sagen zum Jahresende. In seiner Ansprache an die Kurie beim Weihnachtsempfang 2008 fällt tatsächlich das Wort gender. Die entscheidende Passage zitiere ich wörtlich, damit nichts aus dem Zusammenhang gerissen und die Unverschämtheit der Äußerungen nicht verwässert wird:

»Weil der Glaube an den Schöpfer ein wesentlicher Teil des christlichen Credo ist, kann und darf sich die Kirche nicht damit begnügen, ihren Gläubigen die Botschaft des Heils auszurichten. Sie trägt Verantwortung für die Schöpfung und muß diese Verantwortung auch öffentlich zur Geltung bringen. Und sie muß dabei nicht nur die Erde, das Wasser und die Luft als Schöpfungsgaben verteidigen, die allen gehören. Sie muß auch den Menschen gegen die Zerstörung seiner selbst schützen. Es muß so etwas wie eine Ökologie des Menschen im recht verstandenen Sinn geben. Es ist nicht überholte Metaphysik, wenn die Kirche von der Natur des Menschen als Mann und Frau redet und das Achten dieser Schöpfungsordnung einfordert. Da geht es in der Tat um den Glauben an den Schöpfer und das Hören auf die Sprache der Schöpfung, die zu mißachten Selbstzerstörung des Menschen und so Zerstörung von Gottes eigenem Werk sein würde. Was in dem Begriff „Gender“ vielfach gesagt und gemeint wird, läuft letztlich auf die Selbstemanzipation des Menschen von der Schöpfung und vom Schöpfer hinaus. Der Mensch will sich nur selber machen und sein Eigenes immer nur selbst bestimmen. Aber so lebt er gegen die Wahrheit, lebt gegen den Schöpfergeist. Die Regenwälder verdienen unseren Schutz, ja, aber nicht weniger der Mensch als Geschöpf, dem eine Botschaft eingeschrieben ist, die nicht Gegensatz zu unserer Freiheit, sondern ihre Bedingung bedeutet. Große Theologen der Scholastik haben die Ehe, die lebenslange Verbindung von Mann und Frau als Schöpfungssakrament bezeichnet, das der Schöpfer selbst eingesetzt und das Christus dann – ohne die Schöpfungsbotschaft zu verändern – in die Heilsgeschichte als Sakrament des Neuen Bundes aufgenommen hat. Zur Verkündigungsaufgabe der Kirche gehört das Zeugnis für den Schöpfergeist in der Natur als Ganzer und gerade auch in der Natur des gottebenbildlichen Menschen.«

Wir lernen: gender ist eine böse Ideologie und nicht etwa ein theoretisches Konzept, das kritisch diskutiert werden kann. Interessant ist aber, welch große Bedeutung der Papst dieser Sichtweise menschlicher Existenz zuweist, indem er sie in seiner Ansprache explizit benennt. Hat er etwas Angst? Die Emanzipation des Menschen von der Schöpfung  ist ganz bestimmt keine Erfindung der letzten 40 Jahre. Ist es nicht spätestens Darwin, der  damit angefangen hat, wenn nicht die Aufklärung?

Außerdem wird aber klar, dass es hier keineswegs nur gegen Homosexuelle geht. Den lauten Protest finde ich mehr als berechtigt, frage mich aber, warum nicht noch mehr Menschen aufstehen, nicht nur um sich zu solidarisieren, sondern auch, um die eigene Lebensweise zu verteidigen. Hier wird auch die Ehe als Sakrament beschworen und der Papst meint damit ganz sicher keine serielle Monogamie, sondern die jungfräulich  vor Gott geschlossene Ehe, in der lebenslag die Treue gehalten wird. Wer bitte möchte sich auf dieses Konzept festlegen lassen? Egal wie ich heute lebe, nehme ich für mich die  Freiheit in Anspruch, meine Lebensweise auch mal zu verändern und respektiere die Wahl, die andere treffen. Wie verblendet ist der Papst, in diese intimsten Entscheidungen eingreifen zu wollen?

Die Ansprache zeigt, dass der Papst weder verstanden hat, was gender ist, noch bereit ist, von seiner Doktrin und ‚Wahrheit‘ abzuweichen. Der Verweis auf die Schöpfung als ‚Mann‘ und ‚Frau‘ bezieht sich keineswegs auf biologische Tatsachen, sondern zielt auf die traditionellen Rollen ab, von denen sich viele im kleinen und großen verabschiedet haben. An Benedikt ist das wohl vorbeigegangen. Ich frage mich, wie tolerante Menschen  (was Katholiken doch auch sind?) ihn angesichts solcher intoleranter Aussagen als den Vertreter Christi anerkennen können.

O du fröhliche … s Heilbronn!

In Berlin leuchten die Lichter, in Heilbronn erwärmt der Bürgermeister die Gemüter mit seinem Weihnachtsbrief. Über mehrere Seiten werden die wichtigsten Ereignisse des vergangenen Jahres zusammengefasst: bauliche Veränderungen in der Innenstadt, Planungen für die Buga 2019, Neuigkeiten aus den verschiedenen Stadtteilen, die Sorge um die Entwicklung der jungen Generation, Kunst und Kultur, Sport, Feste und die Käthchenparade. Der Brief richtet sich an ehemalige Heilbronner_innen in aller Welt und wurde im Dezember per Post an sie verschickt. Wir sind gerade erst zugezogen, aber gerade deshalb ist diese Rückschau sehr interessant, und weil ich nicht ständig dort lebe, ist mir die Perspektive aus der Ferne auf die Stadt gut vertraut. Ich vermisse Wowis Pendant zu dieser Tradition, die in Heilbronn schon seit über 50 Jahren besteht.

Schoki-Tour

Am letzten Wochenende haben wir die Umgebung mal nicht auf dem Fahrradsattel, sondern mit Hilfe der Deutschen Bahn erkundet. In Stuttgart sind wir ein wenig durch die weihnachtsmarktgefüllte Innenstadt und die Markthalle spaziert, die genauso ist, wie ich mir idealerweise eine vorstelle. Da ich demnächst auf jeden Fall mal in die Landesbibliothek muss, kann ich dann dort noch mal vorbeigehen und nach Herzenslust richtig schön in den regionalen und internationalen kulinarischen Angeboten schwelgen – das wird lecker.

Stuttgart war nur ein kleiner Zwischenstopp – eigentlich wollten wir nach Tübingen zur chocolART. Anlässlich der Schokimesse gab es in der Innenstadt keinen Weihnachts- sondern einen Schokomarkt, mit allerlei süßen und einigen herzhaften schokoladigen Köstlichkeiten. Da sind wir natürlich mehr als einmal schwach geworden. So lebt es sich im Schokoladenland!

Die Tübinger Innenstadt hat aber auch ohne Schoki einiges zu bieten.  Die kleinen Gässchen winden sich steil zum Schloss hoch, das ich ja eher Burg nennen würde. Von dort oben hatten wir einen schönen Blick in die Stadt und darüber hinaus. In der Woche gibt es wahrscheinlich mehr studentisches Flair, einige nette Läden, die ich gesehen habe, lassen jedenfalls darauf schließen. Alles in allem hatten wir einen schönen Tag in zwei baden-württemberger Städten, der ahnen lässt, was uns hier noch an Unbekanntem und Vielfalt erwartet.

Zurück auf dem Boden der Tatsachen

Seit Freitag bin ich wieder in südlichen Gefilden – und zumindest am Sonntag war das Wetter hier  besser als in anderen Gegenden Deutschlands. Das haben wir telefonisch mit Dithmarschen, Potsdam und Berlin verglichen. Dort sind die Berichte von unserer Radtour bei Sonnenschein verwundert aufgenommen worden. Es überrascht mich immer wieder, wie schnell wir hier aus der Stadt raus und in der Natur drin sind.

Jetzt aber zu den Tatsachen. Denn aufs Rad haben wir uns nur gesetzt, weil die Idee, in die Sauna zu gehen, an den rigiden Öffnungszeiten des Heilbronner Hallenbades gescheitert ist. Sonntags ist es nur von 9 bis 17 Uhr auf, für uns verwöhnte Hauptstädter ein Schock, wir hatten einen gemütlichen und entspannten Nachmittag geplant, und der ist dann buchstäblich ins Wasser gefallen. Zum Glück hat uns wenigstens das Wetter keinen Strich durch die Rechnung gemacht, so dass schnell ein Ersatzplan zur Hand war.

Am Freitag war es dafür eklig november-nasskalt. So ereilte uns der Schock ungehindert. Die Idee, abends noch über den neueröffneten Weihnachtsmarkt zu schlendern, war nicht so wirklich gut. Der Großteil der Buden schließt schon um 8, danach ist in der Fußgängerzone tote Hose. Zuerst war ich verzweifelt, aber dann konnte ich doch nur lachen. Was hatten wir denn erwartet?

Die Schrecken vom Weihnachtsmarkt gehen leider noch weiter. Am Samstag beim Night-Shopping haben wir das Angebot genau geprüft und eine unglaubliche Marktlücke entdeckt: es gibt keine Quarkkeulchen. Mit tropfendem Zahn haben wir den ganzen Markt abgesucht, ohne Erfolg. Welch ein Jammer! So hat mich dieses Wochenende recht radikal und unbarmherzig auf den Boden der Heilbronner Realität zurückgeholt. Ich hoffe, dass ich da jetzt angekommen bin und es nicht in der gleichen Weise weitergeht.

O du fröhliche … s Berlin!

Die Schlagzeile heute in der U-Bahn: der Oberbürgermeister schaltet die Weihnachtsbeleuchtung Unter den Linden an. Und auch der tvb war live dabei. Endlich wieder schönes Licht im dunklen und nasskalten Berlin. Das wärmt das Herz, jedes Jahr wieder:

Leuchtende Linden in Berlin

Leuchtende Linden in Berlin